Gut ein Jahr ist es nun her, seit Rockstar North mit GTA V der letzten Konsolengeneration einen furiosen Abgang bescherte. Auch wenn die alten Kisten nach wie vor unterstützt werden, war jedem klar, dass ein solch gewaltiges Werk, auf Playstation 3 und Xbox 360 das letzte seiner Art sein sollte. Damals hätte sicherlich keiner gedacht, dass GTA V nun auch den Next-Gen–Markt gehörig Feuer unter dem Hintern machen würde. Playstation 4- und Xbox One-Gamer dürfen sich jedenfalls freuen!

Darum geht's

Jaja, manchmal muss erst ein alter Herr kommen und dem jungen Pack zeigen, wie es geht. Ein Jahr ist jetzt zwar kein biblisches Alter, im Videospielsektor gehört man damit allerdings schon auf den Gebrauchtmarkt. Doch haben wir es hier wirklich mit dem gleichen Spiel zu tun? Die Antwort kann nur „Jain!“ lauten. Die Story sowie die Figuren bleiben unverändert. Nach wie vor hadert ihr als Michael Townley mit eurem Dasein, cruist mit Franklin Clinton um den Block und ballert mit Trevor Phillips die Lost zusammen. Was das betrifft, wird euch nichts Neues widerfahren, die Art des Erlebens jedoch ist nun eine ganz andere.

Das ist gut

Rockstar hat nicht bloß eine lieblos aufpolierte Next-Gen-Portierung abgeliefert, sondern Los Santos bis in die hinterste Ecke ordentlich ausgefegt. Erlebt man die neue optische Pracht zum ersten Mal, ist es als habe jemand einen Schleier vom Bildschirm gezogen. Nicht nur die Texturen wurden verbessert, auch die Weitsicht, die Anzahl der Passanten, der Pflanzenbewuchs, die Animationen, die Mimik, die fantastischen Lichteffekte, das Fell der Tiere ... es ist, als wäre das Spiel von Anfang an für die neue Generation geplant gewesen. Die optische Überarbeitung ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Zig Details wurden nachgebessert und sämtliche Add-ons von Anfang an implementiert. Als Kenner des Originals gibt es folglich viel zu entdecken. So könnt ihr euch nun im Auto ducken, seid dankbar für ein verbessertes Garagenmanagement, freut euch über neue Knarren und Karren, über mehr Radiosender mit frischen Songs und vor allem über die optionale Ego-Sicht.
Wer sich nicht auf diese für GTA gänzlich neue Sicht der Dinge einlassen möchte, wird zu keiner Zeit dazu gezwungen. Fakt ist allerdings, dass Rockstar die frische Perspektive vorbildlich umgesetzt hat. Arme und Beine sind entsprechend neu modelliert worden, geschmeidige Nachladeanimationen die jedem reinen Shooter Konkurrenz machen, erfreuen euer Auge und das Fahren und Fliegen ist auf diese Art nochmal ein ganzes Stück intensiver. Nicht zuletzt, weil jeder Fahrzeuginnenraum und jedes Cockpit individuell gestaltet wurde. Zudem dürft ihr die Sicht anpassen, sodass die Kamera auf Wunsch in die dritte Person schaltet, wenn ihr beispielsweise in Deckung geht. Alles richtig gemacht also! Selbst wenn ihr grundsätzlich nicht auf Ego-Sicht steht, probiert es wenigstens mal aus. Los Santos muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben.

Das ist schlecht

Leider gelingt es abermals nicht, das zuvor herbe Kantenflimmern und die störenden Pop-ups gänzlich in den Griff zu bekommen. Auf ein Minimum reduziert, sind dies jedoch nur Randbemerkungen und fast schon nostalgisch-sympathische Relikte wie das ikonische Knistern einer Vinylscheibe oder der kultige Verzerreffekt alter Röhrenfernseher. Was jedoch überrascht, sind vereinzelte Bildrateneinbrüche. Doch auch diese kommen nur selten vor und beeinflussen das Spielgeschehen von daher nicht wirklich.

Ein in allen Belangen erfolgreich verbessertes Meisterwerk! GTA V sieht nicht nur (wieder) verdammt gut aus, sondern beschert auch Kennern des Originals dank optionaler Ego-Sicht und unzähligen Detailverbesserungen ein neues Spielerlebnis. Hut ab Rockstar! Mit nur einem Spiel gleich zwei Konsolengenerationen zu revolutionieren, das ist schon eine Kunst.