Strategiespiele und Wirtschaftssimulationen tragen oft das Stigma der Unzugänglichkeit. Während Profis erst so richtig frohlocken, wenn sie sich in einer schieren Vielfalt an Optionen, Menüs und Einheiten wälzen können, fühlen sich Anfänger oft davon erschlagen, und schaffen es folglich gar nicht erst über die Türschwelle. Mit Grand Ages: Medieval liefern die Macher Gaming Minds nun jedoch ein Werk ab, welches auch Neulingen die Tür zur weiten Welt der digitalen Weltherrschaft aufhält.

Darum geht's:

Nun gut, Weltherrschaft ist vielleicht etwas hoch gegriffen, immerhin spielt Grand Ages: Medieval „nur“ auf einer riesigen Europakarte, im Norden begrenzt durch Skandinavien und im Süden durch Nordafrika. Aber für angehende Regenten reicht's!
Am besten startet ihr mit der gut 8- bis 10-stündigen Kampagne, die mit einer netten aber unspektakulären Geschichte euren Aufstieg vom jungen Dorfmeister zum Kopf einer kontinentumspannenden Wirtschaftsmacht thematisiert, und sich als Tutorial für das freie Spiel versteht. Hier lernt ihr alles über den Handel, welcher euch den wohl wichtigsten Rohstoff aller Zeiten generiert: Geld.
Dümpelt ihr zunächst noch mit einem Händler über die Karte, und bietet Waren dort feil, wo sie benötigt werden, habt ihr bald ein ganzes Netzwerk aufgebaut, und freut euch über die frei konfigurierbare Automatikfunktion. Während eure Mannen also ganz nach euren Wünschen Städte ansteuern, wo sie günstig ein- beziehungsweise teuer verkaufen, gründet ihr eigene Orte, um jeweils bis zu fünf der zwanzig Waren selber zu produzieren.
Natürlich seid ihr nicht alleine auf der Welt, und wo Geld ist, da ist auch Neid. Von daher sehen sich auch passionierte Diplomaten irgendwann gezwungen, eine Armee aufzustellen. Na ja, und wer von sich aus gerne mit dem Schwert in der Hand beim Nachbarn anklopft, der sowieso.

Das ist gut:

Grand Ages: Medieval bietet einen Mix aus den gängigen Strategiespielen, lässt uns Handeln, Aufbauen und Krieg führen. Dank der gelungenen Einführung durch die Kampagne fühlt man sich dabei zu keinem Zeitpunkt überfordert, darf via Leertaste sogar die Zeit einfrieren. Das Handelssystem ist schnell verstanden, entsprechend gewinnbringende Routen rasch abgesteckt. Glücklicherweise funktioniert deren Automatisierung insgesamt recht gut, so dass man sich meistens keine Gedanken um seine Mannen machen muss und frohen Mutes sein Konto füllt. Und wenn euch mal ein Rohstoff fehlt, sendet euren Scout aus, und sucht einfach nach einem Ort für eine neue Siedlung. Zieht dort die entsprechende Infrastruktur hoch, und schon darf wieder gehandelt werden.
Mutet es zunächst noch wie Leinenzwang an, dass man in jeder Stadt auf fünf Produkte beschränkt ist, verbirgt sich dahinter doch ein interessanter Kniff. Denn auf diese Art und Weise ist keine der Ortschaften vollkommen autark. Ohne Handel geht folglich gar nichts und geht einem Ort beispielsweise das Fleisch aus, wandern die Bewohner ab. Ähnliches gilt für eure Armee, welche auch gerne mal eine der spannenden Belagerungen auflöst, wenn es keinen Sold mehr gibt. Wer will es ihr verübeln?! Allzu viele Gedanken müsst ihr euch bei alledem aber nicht machen. Wer clever agiert, den dürften im Laufe des Spieles keine allzu großen Geldsorgen plagen.
Und wenn euch das alles irgendwann zu öde wird, könnt ihr euch immer noch im spaßigen Online-Mehrspielermodus mit euren Kumpels messen.

Das ist schlecht:

Nun loben wir hier die ganze Zeit die Zugänglichkeit, welche Profis wohl aber wohl eher als „zu niedrigen Schwierigkeitsgrad“ betiteln würden. Und tatsächlich wird man als Kenner und Könner des Genres bei Grand Ages: Medieval nicht ganz satt. Den Produktionsketten mangelt es an Komplexität, die Kriege entschieden sich nicht durch Strategie, sondern durch die Größe der Armee, und der Aufbau der Städte verlangt euch kaum etwas ab. Enttäuscht wird aber nur sein, wer mehr erwartet. Denn das, was Grand Ages: Medieval macht, macht es gut. Es muss ja schließlich nicht immer die ganz schwere Kost sein.

Handeln, bauen, kämpfen, alles drin! Gut funktionierender Mix aus den gängigen Strategiegenres, welcher insbesondere durch seine Zugänglichkeit und Motivation überzeugt. Hardcore-Strategen fühlen sich unterfordert, alle anderen dürfen sich auf viele Stunden Spaß einstellen. Grand Ages: Medieval bietet jede Menge Spielspaß für den ruhigen Feierabend. Und welcher Mann wollte sich nicht schon immer mal wie ein Herrscher fühlen?