Während Microsoft-Piloten nun schon im x-ten „Forza“ ihre Xbox One-Runden drehen, mussten Playstation-4-Besitzer lange auf ihr exklusives Racing-Zugpferd warten. Satte vier Jahre Entwicklungszeit hat das neue „Gran Turismo“ verschlungen, was die Erwartungshaltung an das Seriendebüt auf der aktuellen Sony-Konsole natürlich immens in die Höhe treibt. Wir verraten euch, ob der perfektionistische Autopapst Kazunori Yamauchi den Ansprüchen mit „Gran Turismo Sport“ gerecht wird.

Darum geht’s:

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei dem Racer nicht um eine vollwertige Fortsetzung im eigentlichen Sinne. Während ein echtes „Gran Turismo 7“ nach wie vor auf sich warten lässt, versucht sich die Marke aktuell im kompetitiven Sport-Sektor zu positionieren. Soll heißen, dass mit der offiziellen Zulassung der Rennsportbehörde FIA im Gepäck die Reise in Richtung E-Sport geht. Im Zuge dessen sind bereits großangelegte Online-Turniere angekündigt, die jedoch erst in einigen Wochen zu Verfügung stehen werden. Aktuell müsst ihr mit einem Schwung regelmäßig wechselnder Events vorliebnehmen – oder setzt gleich eine eigene Lobby auf.

Offline übt ihr euch in den diversen Fahrschul-Aufgaben, bewältigt Missionen in Form von bestimmten Rennszenarien, dreht eure Runden in Einzel- und Zeitrennen und werft – die nötige Hardware vorausgesetzt – einen Blick in die VR-Erfahrung. Dabei ist allerdings zu sagen, dass trotz der vorhandenen Offline-Modi die Always-On-Ausrichtung stets durchscheint. Denn zum einen müsst ihr die Kurse für die Arcade-Rennen erst einmal freischalten, und Preisgelder fahrt ihr zum anderen auch in Solorunden nur mit Verbindung zum Server ein.

Das ist gut:

Schon das gut sechs Minuten lange Intro lässt Autoliebhabern und Grafikfetischisten das Wasser im Mund zusammen laufen. „Gran Turismo Sport“ macht gleich zu Beginn mehr als deutlich, dass hier nicht einfach nur ein Auspuffporno läuft, sondern die pure Liebe zu Motoren, Reifen, Blech und Asphalt zelebriert wird. In Sachen Ästhetik macht Entwickler Polyphony jedenfalls so schnell keiner was vor.

Entsprechend schick kommt auch die Optik daher. Die unglaublich detaillierten Fahrzeugmodelle stellen sogar die Boliden aus dem aktuellen „Forza“ in den Schatten und schlagen auf den toll ausgeleuchteten Strecken große Löcher in die Wand, die Videospiele vom Fotorealismus trennt. Die Texturen sind stets vorbildlich scharf und das Bild läuft mit butterweichen 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm. So muss das sein!

Natürlich sieht das Spiel aber nicht nur grandios aus, sondere fühlt sich auch wunderbar glaubwürdig an. Das Sahnehäubchen ist dabei natürlich ein optionales Lenkrad, aber selbst mit dem Pad in der Hand könnt ihr das Gewicht eurer Vehikel förmlich spüren. Um Anfänger nicht abzuschrecken, greift euch „Gran Turismo Sport“ bei Bedarf mit den gängigen Fahrhilfen und diversen Schwierigkeitsgraden unter die Arme. Das Motto lautet schließlich „Driving is for erveryone“.

Ein Wort noch zum VR-Modus: Dieser macht auf der Strecke zwar optisch durchaus eine verhältnismäßig gute Figur, allerdings besteht das Fahrerfeld in VR nur aus einem einzigen gegnerischen Fahrer. Den virtuellen Showroom mit seinen festen Kamerawinkeln habt ihr dagegen schnell wieder vergessen.

Das ist schlecht:

Die Annäherung an echten (E-)Sport ist aus unserer Sicht naheliegend, doch Online-Muffeln muss vor dem Kauf von „Gran Turismo Sport“ bewusst sein, dass ihnen hier nicht viel Inhalt für ihr Geld geboten wird. Die meisten Modi setzten nun einmal zwingend eine Internetverbindung voraus. Eine motivierende Solo-Kampagne hätte hier viel Überzeugung leisten können, darauf wurde aber leider gänzlich verzichtet.

Und auch sonst kommt das erste PS4-„Gran Turismo“ reichlich abgespeckt daher. Knapp 160 verfügbare Boliden sind heutzutage nicht mehr sonderlich beeindruckend. Erst recht wenn man bedenkt, dass Teil 6 noch mehr als 1.000 Fahrzeuge zu bieten hatte. Und auch an den 17 Kursen habt ihr euch schnell sattgesehen, so abwechslungsreich diese insgesamt auch ausgefallen sein mögen. Zwar könnt ihr den Großteil der Strecken zu verschiedenen Tageszeiten befahren, ein dynamischer Wechsel zwischen Tag und Nacht findet jedoch nicht statt. Auch dies war eines der Features von „Gran Turismo 6“. Ein Schadensmodell gibt es traditionell nicht.

„Gran Turismo Sport“ ist ab sofort exklusiv für Playstation 4 erhältlich!

Ein Rennspiel zum Verlieben! „Gran Turismo Sport“ sieht fantastisch aus und fühlt sich fantastisch an, bietet zum Start jedoch etwas wenig Umfang. An Singleplayer mag sich die Schönheit zudem nicht binden und flirtet stattdessen lieber mit der Online-Community. Ein Muss für alle, die mal richtig Vollgas geben wollen!