Das ist gut:

An dieser Stelle möchten wir zunächst einmal Entwarnung geben: Auch wenn das neue „God of War“ anders aussieht, sich anders spielt und sich Zeit für ruhige, emotionale Momente lässt, ist es immer noch ein gottverdammtes „Auf die Fresse“-„God of War“. Die Wucht von Kratos‘ Attacken ist sogar noch deutlich spürbarer als in den Vorgängern, Feinde werden nach wie vor in der Luft zerrissen und auch Rätsel sind wieder mit an Bord. Ob das den Reboot besser als die Vorgänger macht, muss wohl jeder für sich entscheiden. Fakt ist aber, dass das neue „God of War“ mehr Wumms hat als Thors Hammer Mjölnir.

Und wo wir gerade dabei sind, hat Kratos‘ neue Waffe eine erstaunliche Fähigkeit mit dem Kriegswerkzeug des Donnergottes gemein: Nachdem ihr die Axt von euch geschleudert habt, kehrt sie auf Knopfdruck postwendend in eure Hand zurück und fungiert damit zugleich als Nahkampf- wie auch als Fernkampfwaffe.

Habt ihr euch an die nunmehr direkteren Auseinandersetzungen mit weniger, dafür aber anspruchsvolleren Feinden gewöhnt, verknüpft ihr eure Attacken bald zu vernichtenden Combos, weicht geschickt aus und kontert mit dem richtigen Timing und eurem ausfahrbaren Schild die Angriffe der Gegner. Der gute alte Rage-Modus ist auch wieder dabei und später erweitert ihr in bester Rollenspielmanier euer Fähigkeiten-Repertoire um neue, mitunter auch magische Attacken.

Das alles greift wunderbar ineinander, erfordert jedoch vor allem auf den höheren Schwierigkeitsstufen neben kämpferischer Besonnenheit – die man sich im Idealfall in der harten Dark Souls-Schule bereits angeeignet hat – vor allem die Hilfe eures Sohnes Atreus.

Dieser feuert auf euer Kommando hin nämlich Pfeile auf eure Gegner ab, und lenkt diese damit ab, so dass ihr ihnen Leviathan in den Rücken rammen könnt. Ein Feature, welches sich nicht nur als besonders nützlich erweist, sondern gewissermaßen die Geschichte des ungleichen Heldenpaares auf die Kämpfe überträgt.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die erzählerische Gefühls-Metaebene in einem „God of War“-Titel als eines der Highlights gewertet werden kann?! Aber tatsächlich ist es den Machern gelungen, die aufkeimende Vater-Sohn-Beziehung äußerst überzeugend und ohne jedweden Kitsch in Szene zu setzen. Die gerade zu Beginn noch unbeholfene Interaktion der zwei Protagonisten gewinnt durch die fantastische Mimik und tolle deutscher Sprecher zusätzlich an Glaubwürdigkeit, so dass Atreus eine echte Bereicherung für das Spiel darstellt. Die Befürchtung, dass der Bengel sich als nerviger Klotz entpuppen könnte, haben wir bereits nach kurzer Zeit ad acta legen können.

Optik und Sound bewegen sich generell auf einem enorm hohen Niveau. Die musikalische Untermalung fügt sich wunderbar in die mit tollen Lichteffekten und knackigen Texturen der herrlich inszenierten Kulissen, die Charaktermodelle sind eine echte Schau und auch sonst kann man Kratos‘ Reboot kaum etwas Schlechtes nachsagen. Verblüffenderweise kommt das Spiel sogar ohne einen einzigen Filmschnitt und entsprechend auch ohne Ladezeiten aus. Eine einzige lange Kamerafahrt führt durch die gesamte 20 bis 30 stündige Kampagne. Irre!

Wer sich in wohliger Erinnerung an das Original gegen die Neuausrichtung sperrt, verpasst folglich eines der besten Spiele für die Playstation 4. Wenn nicht sogar das Beste!