Wenn man die Entwicklung von Videospielen mit der des Menschen vergleicht, sind wir in einem Alter angekommen, in dem man sich gegen das Erwachsenwerden nicht mehr wehren kann. In den Kinderjahren des Unterhaltung-Mediums waren infantile bunte Bilder und lustige Spiele allgegenwärtig, in der Jugend hingegen wurde alles Mögliche ausprobiert und wild gefeiert. Dann legte sich der Staub der Sturm-und-Drang-Zeit allmählich wieder und dahinter kam der Ernst des Lebens zum Vorschein. Genau das muss aktuell auch ein prominenter Videospielheld erfahren, der es in jungen Jahren ganz besonders wild getrieben hat. Denn der „God of War“ ist nun Vater! Und das verändert bekanntlich alles…

Darum geht’s:

Nachdem der Wüterich in den Vorgängern wie ein klingenbewehrter Staubsauger durch den Olymp marodiert ist, und den gesamten griechischen Götterkader in seiner unbändigen Wut ersäuft hat, gab es plötzlich nichts mehr zu tun, und es würde still um Kratos. Nach fünf Jahren und einem guten, wenn auch abgenutzten „God of War: Ascencion“, ist der Spartaner aber schließlich auf der aktuellen Konsolengeneration angekommen und wir erfahren endlich, was aus dem göttermordenden Choleriker geworden ist.

Für das Reboot hat sich dieser im winterlichen Norden niedergelassen und mit der Abkehr vom Olymp hin zu Lebensbaum Yggdrasil auch gleich noch die Mythologie gewechselt. Das hat den praktischen Vorteil, dass dabei die Reihen der möglichen Feinde auf einen Schlag wieder aufgefüllt wurden und es Bücherregale voller neuer Geschichten zu erzählen gibt. Auch die Kameraperspektive, die sich nun dicht hinter Kratos positioniert, und die Axt mit Namen Leviathan in seiner Faust sind neu.

Doch zunächst ist Kratos so gar nicht nach kämpfen und vor allem nicht nach reden zumute. Der alternde Gott des Krieges hat nämlich abermals den Tod einer Frau zu betrauern. Was bleibt, ist ein Sohn, dessen Beziehung zu seinem Vater bestenfalls als kühl bezeichnet werden kann, und die Erfüllung des Wunsches der Dahingeschiedenen, ihre Asche von der Spitze des nahegelegenen Berges in den Wind zu streuen.

Ärgerlicherweise wollen plötzlich aber allerlei Monster und fremde Götter dem Spartaner und seinem Sohn ans vernarbte Leder, was die eigentlich kurze Reise zu einer wahren Odyssee durch die nordische Sagenwelt macht. Und wie sich dabei herausstellt, ist es manchmal leichter, einen wildgewordenen Vier-Meter-Troll zu Fall zu bringen, als ein Vater zu sein. Erst recht, wenn man ein emotional derart ausgetrockneter Knochen ist wie Kratos.