Das ist gut/schlecht:

Betrachtet man Screenshots von „Ghostrunner“ könnte man meinen, dass es sich dabei um ein gradliniges Action-Spiel mit großer Vertikalität handelt. Tatsächlich ist es aber eher ein pfeilschnelles Puzzle, das ebenso viel Geschick wie Lernwillen erfordert. Essentiell ist Jacks Geschwindigkeit, die ihm Wallruns und weite Sprünge ermöglicht. Zu Beginn die einzige Möglichkeit, dem Feindesfeuer zu entgehen.

Bleibt ihr in Gegnernähe stehen, sterbt ihr! Nach nur einem Treffer ist es vorbei und ihr müsst am letzten Checkpoint abermals beginnen. Zwar streicht ihr auch eure Widersacher mit nur einem Schwerthieb aus der Gleichung des Lebens, a) sind diese aber in der Überzahl und b) müsst ihr erst einmal an sie herankommen.

Also gilt es, stets in Bewegung zu bleiben, und sich dabei möglichst schnell ein genaues Bild der Umgebung zu machen. Wo ist Deckung, an welchen Wänden kann ich entlanglaufen, um an Höhe zu gewinnen, wo befindet sich der Energiegenerator, der manche Gegner vor Treffern schützt – mit jedem Fehlversuch seid ihr ein kleines Bisschen schlauer, bis es euch schließlich gelingt, eine auf den ersten Blick unmögliche Situation zu meistern. Und irgendwann wird einem dann klar, wie gnadenlos genial das Leveldesign von „Ghostrunner“ doch ist.

Das Spiel ist enorm schwer, keine Frage. Die kunstvoll arrangierten Herausforderungen offenbaren aber immer mehr als nur einen Weg, zum Ziel zu kommen. Umsicht, Geduld und die Kenntnis eurer Fähigkeiten sind die Schlüssel zum Erfolg. So verfügt ihr zum Beispiel über einen nützlichen Sci-Fi-Enterhaken und beherrscht ein Ausweichmanöver, welches ihr mitten in der Luft ausführen könnt, um die Zeit für einen Moment zu verlangsamen. Ideal also, um einer abgefeuerten Kugel auszuweichen, und euch mit einem brutalen Schwerthieb auf den Schützen zu stürzen. An Blut wird dabei nicht gespart.

Im Laufe des Spieles erlernt ihr weitere aufrüstbare Talente, wie etwa Schüsse zu blocken und später auch zu reflektieren, mehrere Gegner in einer Reihe mit einer einzigen Attacke zu eliminieren, oder sogar mit einer Energiewelle aus der Distanz anzugreifen. Hinzu kommen passive Fähigkeiten, welche ihr „Tetris“-artig auf einem Brett arrangieren müsst.

Da es mehr Fähigkeitsblöcke gibt, als Platz auf dem Feld vorhanden ist, müsst ihr abwägen, ob ihr beispielsweise lieber den Dash mehrmals hintereinander benutzen möchtet oder lieber Gegner auf der Mini-Map angezeigt bekommen möchtet. Je nach Spielsituation kann das richtige Setup an Fähigkeiten und Upgrades entscheidend sein.

Wirklich leicht wird es dabei aber nie, nur machbarer. Glücklicherweise steigt ihr nach eurem Ableben ohne Wartezeit sofort wieder ein, was euch alsbald in einen fast schon trotzigen „Wir werden ja sehen“-Rausch versetzt. Die meisten Tode sind nämlich stets auf eigene Fehler zurückzuführen, wenngleich es auch immer mal wieder vorkommt, dass man durch den falschen Sprungwinkel herabstürzt, anstatt in den Wallrun überzugehen.