Ein Verweis auf den US-amerikanischen Schriftsteller Tom Clancy auf einem Spielecover weist geneigte Gamer üblicherweise auf ein Abenteuer mit militär-politisch-geprägtem Inhalt hin, welches zwar stets fiktive Geschichten erzählt, sich spielerisch jedoch auf durchaus reale Zugriffs-Taktiken stützt. Wie viel davon überbleibt, wenn man das Ganze in die mittlerweile sprichwörtlich ubisoft'sche Open-World-Struktur einbindet, verrät euch unser Test zu ‘Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands’.

Darum geht's:

In ‘Wildlands’ wird ein Team aus vier Elitesoldaten im Auftrag der CIA nach Bolivien entsandt, um dort einen verdeckten Zermürbungskrieg gegen den nahezu allmächtigen Drogenbaron El Sueño zu führen. Dieser mag zwar dank seiner Propagandamaschine als Wohltäter erscheinen, der Schulen und Krankenhäuser baut, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als skrupelloser Geschäftsmann, der das Land mit seinen Unterbossen in eine gigantische Drogenfabrik verwandelt hat.

Der Staat und dessen Militärapparat kneifen geflissentlich die Augen zu, so dass es an euch ist, die wenigen verblieben Rebellen zu unterstützen, um nach und nach die über 20 Provinzen zu befreien. Denn um an El Sueño heranzukommen, müsst ihr zunächst seine insgesamt 26 Hauptleute ausschalten. Dazu arbeitet ihr euch in jedem Gebiet durch eine Handvoll Haupt- und Nebenaufträge um euer jeweiliges Ziel aus der Reserve zu locken. Wie ihr dabei vorgeht, überlässt der taktische Third-Person-Shooter euch.

Das ist gut:

Laut Ubisoft hat man in den fünf Jahren Entwicklungszeit für ‘Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands’ den größten Open-World-Spielplatz der Firmengeschichte geschaffen. Und tatsächlich beeindruckt das schiere Ausmaß der hauseigenen Interpretation von Bolivien, welches nicht weniger als elf verschiedene Klimazonen umfasst. Dazu sieht das Ganze auch noch äußerst schick aus und bietet sammelwütigen Spielernaturen eine enorme Fülle an Collectibles. Allen voran natürlich Waffen, Waffen, und noch mehr Waffen, beziehungsweise entsprechendes Zubehör.

Praktischerweise habt ihr jederzeit Zugriff auf euer gesamtes Arsenal. Das ist natürlich ziemlich unrealistisch, ermöglicht euch dafür aber jederzeit einen Wechsel der Strategie, sofern dies nötig sein sollte. Denn auch ein passionierter Schleicher wird irgendwann mal entdeckt und sieht sich dann mit der erstaunlich cleveren KI und einem Schwung Kampfhubschrauber konfrontiert. Besser wäre aber natürlich, zunächst einmal via Fernglas oder Flugdrohne die Gegend auszukundschaften und markierte Ziele für eure KI-Kumpels, denen ihr lediglich rudimentäre Befehle geben könnt, zum heimlichen Abschuss freizugeben.

Letzten Endes funktioniert die explosive Brechstange aber genauso gut – und am spaßigsten wird es sowieso mit bis zu drei echten Kumpels. Zwar kann man die freien Plätze bei einer Online-Koop-Partie auch über das Matchmaking-System auffüllen, welches Mitstreiter anhand eurer eigenen Fortschritte und individuellen Spielweise aussucht, doch nur mit Freunden, mit denen man Taktiken planen, lachen und fluchen kann, entfaltet ‘Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands’ sein volles spielerisches Potential.

Das ist schlecht:

Als Solospieler hat man es dagegen auf Dauer eher schwer, was vor allem dem ewig gleichen Missionsdesign geschuldet ist. Das sukzessive Freischalten der vielen Fähigkeiten über gesammelte Erfahrungspunkte und das Entdecken neuer Waffen und Zubehörteile können dabei leider auf Dauer nicht über die generelle Eintönigkeit hinwegtäuschen. Habt ihr euch einmal auf eine Strategie und euer favorisiertes Waffenset festgelegt, laufen weite Strecken des Spiels nach dem immer gleichen Schema ab. Neue Herausforderungen in Form spezieller Gegnertypen sind dabei nicht zu erwarten. Kennst du einen, kennst du alle.

Und wo wir schon bei „weiten Strecken“ sind: Im Spiel dürft ihr über 60 verschiedene Fahrzeuge lenken, vom Hubschrauber bis zum Sportwagen. Das klingt in der Theorie nach einer Menge Spaß, krankt jedoch an einer viel zu sehr auf Arcade getrimmten Fahrphysik. Schade drum!

In technischer Hinsicht hatte die von uns getestete Xbox-One-Version zudem mitunter ganz schön zu kämpfen. Zwar macht Bolivien mit seinen abwechslungsreichen Arealen und scharfen Texturen eine gute Figur, doch die landschaftliche Schönheit wird von fiesem Tearing sowie Einbrüchen in der Bildrate geschmälert und wirkt größtenteils unbelebt und statisch. Gleiches gilt leider auch für die Mimik der Figuren, was aber in gewisser Hinsicht zur Story passt, welche bestenfalls 80er-Jahre-Actionfilm-Trash-Charme versprüht und so etwas wie Tiefgang oder Charakterzeichnung konsequent außer Acht lässt. Seltsam eigentlich, wenn man bedenkt, dass der Name eines weltberühmten Autoren vor dem Titel steht.

‘Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands’ ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Trommelt euer Team zusammen und ab nach Bolivien! Die gigantische und abwechslungsreiche Open World von ‘Ghost Recon Wildlands’ lädt zu einem bleihaltigen Urlaub ein, den ihr unbedingt mit einer Handvoll Koop-Kumpels antreten solltet, wenn ihr das volle taktische Spaßpotential auskosten möchtet. Solo wird es aufgrund der arg repetitiven Missionsstruktur dagegen recht schnell eintönig.