Die Mutter aller Deckungs-Shooter ist zurück! Oder doch besser der Vater? Denn selbst in der von Chauvinismus regierten Welt der Ballerspiele blutet die Microsoft-exklusive ‘Gears of War’-Reihe Testosteron aus jeder Pore. Eine Tradition, die der neue Entwickler „The Coalition“ natürlich beibehalten möchte. Ob dies gelungen ist, verrät euch unser Testbericht!

Darum geht's:

25 Jahre sind ins Land gezogen, seit wir im Vorgänger eine Bombe zündeten, die zwar den Krieg mit den unter der Erde lebenden Locust auf einen Schlag beendete, dafür aber auch einen hohen Tribut forderte. Die Hülle des Planeten Sera ist seither aufgerissen, heftige Stürme toben über das Land und fossile Brennstoffe gibt es nicht mehr. In diesem Szenario hat sich die Regierung zu einem totalitären Regime aufgeschwungen, dem einige Menschen zu entfliehen versuchen. Unter anderem auch J.D. Fenix, der Sohn des Hauptcharakters aus den Vorgängern, dessen Herkunft schon nach wenigen Spielminuten außer Frage steht.
Denn ‘Gears of War 4’ hat sich mit Leib und Seele der DNA der Vorgänger verschrieben, welche die Deckungs-Mechanik in Third-Person-Shootern vielleicht nicht erfunden, aber doch populär gemacht haben! Und so kauern wir uns hinter Mauern und Kisten, schwängern die Luft mit Blei aus einem breiten Arsenal an Waffen und zersägen Gegner im blutigen Nahkampf mit dem ikonischen Kettensägen-Bajonett. Alles beim Alten also?

Das ist gut:

Nicht ganz, denn ‘Gears of War 4’ hat einige Neuerungen eingeführt, um die bewährte Formel mit neuen Zutaten anzureichern, ohne das Rad dabei neu zu erfinden. So können wir nun einen Gegner über die Deckung auf unsere Seite zerren, um diesem dann mit einer tödlichen Messer-Attacke den Tag so richtig zu versauen. Neu sind auch die fett inszenierten Stürme, welche die Flugbahn von Projektilen beeinflussen und das Schlachtfeld mit Blitzen eindecken. Das Konzept geht auf, so dass sehr schnell die gut geölte Baller-Dynamik anläuft, welche die Fans der Reihe so lieben. Dazu profitiert das Spiel natürlich von der Grafik-Power der Xbox One und präsentiert uns fein modellierte Figuren, an deren Rüstungen der Regen eindrucksvoll abperlt, wuchtige Explosionen und coole Lichteffekte, wenn Funken sprühen.
Natürlich sind wir nun mit einer neuen Gruppe unterwegs, doch an die neuen Protagonisten hat man sich schnell gewöhnt, die durch die gute deutsche Synchro zusätzlich an Persönlichkeit gewinnen. Außerdem dauert es nicht lange, bis der alte Haudegen Marcus Fenix zum Team stößt. Für ausreichend Fan-Service ist also allemal gesorgt! Und so treffen wir auch nach dem ersten Spieldrittel auf die altbekannten Locust in neuer Form, nachdem wir uns zuvor durch Horden der neuen Robotergegner geballert haben, die praktischerweise auch gleich ein Arsenal an frischen Waffen zu Felde führen.
Aber das wohl Beste an ‘Gears of War 4’ ist: Es hat einen Split-Screen für gesellige Coop-Runden auf der Couch! Natürlich geht das auch online, aber wer die Vorgänger schon im wahrsten Sinne des Wortes Seite an Seite mit seinen Kumpels durchgerockt hat, der darf auch hier endlich wieder ganz altmodisch einen Abend lang mit Bier auf jedes geschaffte Kapitel anstoßen! So muss das sein! Wer sich dennoch lieber im Netz austobt, für den hat ‘Gears of War 4’ außerdem noch einen ganzen Schwung spaßiger Online-Modi abseits des altehrwürdigen Horde-Modus im Gepäck.
Wer sich das Spiel in der digitalen Fassung auf der Xbox kauft, erwirbt damit im Zuge des Play-Anywhere-Programms übrigens auch gleich die Windows-Fassung mit. Umgekehrt natürlich ebenso. Da passt es ganz gut, dass Crossplay-Gefechte zwischen PC-Zockern und Konsoleros unterstützt werden. Auch die Speicherstände sind via Cloud mit beiden Versionen kompatibel.

Das ist schlecht:

An den neuen Robo-Feinden, den sogenannten „Deebees“ (warum die so heißen, wird zum Ende des Spiels klar), werden sich die Gemüter scheiden. ‘Gears of War’ ist nun mal blutig und martialisch. Das Zerlegen von Blechkameraden fühlt sich von daher einfach nicht so befriedigend an. Zwar wechselt das Spiel bald zu den nun „Schwarm“ genannten Locust, und damit auch wieder zu den alten Waffen, doch bis dahin hat sich bereits eine gewisse Ernüchterung eingestellt. Nicht zuletzt auch, weil die neuen Macher euch recht uninspiriert Welle um Welle vorsetzen, so dass man bald meint, am Fließband zu stehen. Die Vorgänger waren, was das betrifft, deutlich kreativer. Dies bezieht sich auch auf das generelle Gameplay. Ja, man fühlt sich gleich wie zu Hause, und ja, auch ‘Gears of War 4’ hetzt euch durch eine wuchtig inszenierte Schlachten-Achterbahn, ohne dabei jedoch die Klasse der Vorgänger zu erreichen. Hinzu kommt, dass die Grafik zwar klargeht, der Wow-Effekt diesmal aber ausbleibt. Ihr hetzt zu oft und lange durch generische Innenräume, die Grafikdetails bauen sich spät auf und ihr werdet immer wieder matschige Texturen entdecken. Und während man, was die Synchro betrifft, einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat, dümpelt die Musikuntermalung leider recht belanglos vor sich hin. Zudem ist der Spaß nach acht bis zehn Stunden auch schon wieder vorbei.

Ölt das Kettensägen-Bajonett und ab in die Action-Achterbahn! Fans der Reihe fühlen sich bei ‘Gears of War 4’ sofort heimisch und auch alle anderen bekommen einen wuchtigen Deckungs-Shooter der alten Schule geboten. Leider verpuffen die wenigen eigenen Akzente im routinierten Bleigewitter, so dass die Klasse der Vorgänger letztlich nicht erreicht wird. Das ist aber spätestens dann egal, wenn man gemeinsam mit einem Kumpel ganz altmodisch auf der Couch sitzt und im Split-Screen Gegner scharenweise in Stücke sägt!