Das ist gut:

Es muss schwer sein, altbekannte Spielelemente auf neu zu trimmen, auf die zu verzichten einem Sakrileg gleich käme. In der letzten Dekade sind wir in so viele Deckungen gesprungen, wie Charlie Sheen in Frauen-Betten, das Konzept gilt als entsprechend abgenutzt. Erst recht in den heutzutage verpönten Schlauchleveln. Doch „Gears 5“ gelingt tatsächlich das Kunststück, diese olle Gameplay-Gurke so schmackhaft zu servieren, dass wir direkt nach einem Nachschlag verlangen.

Nach wie vor huschen wir als völlig überzeichneter Soldat geschmeidig von Deckung zu Deckung, nehmen das eklige und schmierige Monstergezücht unter Feuer, zersägen insektoide Hybriden mit dem Kettensägen-Bayonett in zwei Teile, lassen Granaten vom Himmel regnen, stürmen nach vorne, geben einem kriechenden Feind mit einem brutalen Finisher den Rest und … fühlen uns glatt 13 Jahre jünger. Das Gunplay funktioniert bestens und fühlt sich überraschenderweise nicht im Geringsten angestaubt an.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Macher die Action-Klaviatur meisterhaft beherrschen. Zu den neuen, spaßigen Waffen, wie etwa dem saucoolen Granat-Lancer, gesellen sich eine ganze Reihe neuer Gegnertypen, die alle ein bestimmtes Vorgehen erfordern. Zudem spielt die Umgebung eine tragende Rolle bei den Gefechten, da Deckungen nun auch zu Bruch gehen können und die Umweltumstände das Kampfgeschehen beeinflussen. Somit spielt sich das neue „Gears“ äußerst dynamisch und ist dabei so wunderbar wuchtig inszeniert, fühlt sich so herrlich satt an und treibt einen so dermaßen voran, dass es eine wahre Freude ist. Zumal die Level dazu auch noch kreativ gestaltet wurden und die Dialoge zwischen den Figuren teils richtig witzig sind.

In Sachen Grafik und Sound ist das „Gears 5“ sowieso State of the Art. Wer eine Xbox One X und eine entsprechende Soundanlage besitzt, kann seine Kumpels von früher glatt nochmal anrufen, und sie mit prachtvoller 4K-Auflösung, einer geschmeidigen Bildrate von 60 Bildern pro Sekunden und der faszinierend dichten Dolby Atmos Klangkulisse samt hochprofessionellen deutschen Sprechern wegblasen, wie seinerzeit mit dem Erstling. Doch auch auf der normalen Xbox One sieht es in HD und vor allem mit stabilen 30 fps immer noch Bombe aus.

Für gesellige Koop-Runden lässt sich die Kampagne mit bis zu drei Spielern zocken, darüber hinaus locken diverse Multiplayer Modi: Versus, Horde und das neue Escape. Bei Versus tretet ihr in 5-gegen-5-PvP-Matches in mehreren Disziplinen gegeneinander an, während es bei Horde gilt, gemeinsam immer stärker werdende Wellen von Gegnern zurückzuschlagen. Als eine angenehme Überraschung stellt sich dabei Escape heraus, bei dem ihr Seite an Seite aus einem Schwarmbau fliehen müsst, der allmählich mit Gift geflutet wird und dadurch einen aktiv aggressiven Spielstil erfordert. Sehr spannend, sehr unterhaltsam.

Nachdem ihr im ersten Kapitel der Kampagne förmlich in Blut gebadet habt, öffnet sich das Spiel anlässlich Kaits Reise, und entlässt euch in die erste von zwei offenen Welten. Zwar wird hier nicht mal im Ansatz dem Gigantismus eines „Assassins Creed Odyssey“ oder „GTA“ gefrönt, doch für das traditionell schlauchige „Gears“ sind die Areale fast schon unverschämt weitläufig. Von da an bestimmt ihr euer eigenes Tempo, anstatt von einer Explosion zur nächsten geschleift zu werden, geht dabei Nebenaufträgen nach oder eben auch nicht. Dieser Paradigmen-Wechsel im Leveldesign hat durchaus etwas Erfrischendes, wird jedoch die Gemüter scheiden.