Wir haben wirklich gedacht, die lächerliche Killerspiel-Debatte sei endgültig vom Tisch. Doch kaum passiert ein Unglück, in welches ein junger Mensch involviert ist, der nachweislich Ego-Shooter gespielt hat, rückten Videospiele wieder in den Fokus derer, die einen bequemen Sündenbock suchen. Eine derartig eindimensionale Haltung erhitzt wiederum die Gemüter der friedlichen Zockergemeinde, die sich bereits in Sicherheit wähnte und nun erneut unter Generalverdacht gestellt fühlt. Als gäbe es dieser Tage nicht schon genug emotional geführte Konflikte, die dringend wieder auf ein sachliches Niveau gehoben werden sollten …

Insofern wenden wir uns ab vom allgegenwärtigen Schwarz-Weiß-Denken – denn der Autor dieser Zeilen ist ein leidenschaftlicher Zocker und von daher befangen – hin zu den Ergebnissen einer aktuellen Studie aus Spanien, welche sich den Folgen des Spielkonsums im Kindesalter widmete. Dazu beobachteten Wissenschaftler vom Hospital del Mar in Barcelona 2.442 Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren und befragten zudem deren Eltern. Dabei ging es darum, wie viel Zeit ihre Zöglinge mit Videospielen verbringen und auch, welches Verhalten sie an den Tag legen. Welche Art von Videospielen die einzelnen Kids dabei bevorzugen, war übrigens nicht von Belang.

Wie sich am Ende zeigte, neigen Kinder, die mehr als neun Stunden in der Woche daddeln, zu Verhaltensauffälligkeiten und tun sich schwerer im Kontakt mit ihren Altersgenossen. Allerdings betonen die Experten, dass mit dieser Tatsache keine klare Aussage über Ursache und Wirkung getroffen sei. Denn es könnte ebenso denkbar sein, dass Kinder, welche aufgrund welcher Umstände auch immer zu einem problematischen Sozialverhalten neigen, einfach ein größeres Interesse an Videospielen haben.

In geringeren Dosen bringt das Zocken zudem sogar nachweislich positive Effekte mit sich. Denn den Ergebnissen zufolge sind Kinder, welche ein bis zwei Stunden pro Woche das Pad in die Hand nehmen, reaktionsschneller als Kinder, die gar nicht spielen. Leider verstärkt sich dieser Effekt jedoch nicht, indem man mehr spielt.

Quelle: heise.de