Es gab mal eine Zeit, da blickten racing-affine Xbox-Besitzer neidisch in Richtung Playstation, welche mit „Gran Turismo“ die Mutter aller Rennspiele beheimatete. Doch dann trat die „Forza“-Reihe auf den Plan und begann eine sagenhafte Aufholjagd. Nach einem mittlerweile über einer Dekade andauernden Rennen könnte man fast schon sagen, dass die beiden Vorzeige-Raser Stoßstange an Stoßstange fahren. Wenn auch nicht in der gleichen Liga, denn wie seine Vorgänger auch steht das brandneue „Forza Motorsport 7“ in Sachen Gameplay für eine aussterbende Gattung: Das gute alte Arcade-Racing!

Darum geht’s:

Das bedeutet allerdings nicht, dass bei „Forza Motorsport 7“ auf Anspruch und Realität im gleichen Maße verzichtet wird, wie es bei seinem frechen Horizon-Bruder der Fall ist. Immerhin platzt der Fuhrpark mit sagenhaften 700 originalen Rennsemmeln aus den verschiedensten Sparten des Rennsports aus allen Nähten. Alle mit Liebe zu Detail nachgebildet und mit eigener Cockpit-Perspektive. Die Mehrheit der 32 Strecken entsprechen realen Vorbildern und auch die beliebten „Drivatare“ – ein System, welches das fahrerische Können echter Spieler auf eure KI-Gegner überträgt – ist wieder mit an Bord.

Wie sehr ihr um einen Platz auf den vorderen Rängen kämpfen müsst, könnt ihr vor jedem Rennen selber entscheiden. Während absolute Anfänger sich quasi vom Autopiloten ins Ziel tragen lassen und dabei die (schicke) Aussicht genießen, deaktivieren Könner sämtliche Fahrhilfen und kommen auf der Piste gehörig ins Schwitzen. Vergleichbar mit einem Simulations-Schwergewicht wie „Project Cars 2“ wird es allerdings nie.

Und besonders realistisch ist es auch nicht, dass ihr mit einem Oldtimer nicht nur gegen moderne High-Tech-Rennmaschinen antreten, sondern auch gewinnen könnt. Aber hey, Spaß macht es allemal!

Das ist gut:

Während ihr euch im Zuge der etwas langatmigen Karriere des Vorgängers erst mühselig Pferdestärke für Pferdestärke zu den wirklich heißen Kisten vorarbeiten musstet, gestaltet sich diese nun offener und dynamischer. Euch stehen mehrere Meisterschaften zur Verfügung, die jeweils wiederum einen ganzen Schwung abwechslungsreicher Events beinhalten, aus denen ihr frei wählt. Neben klassischen Rennen, die ihr unter vielem anderen auch mal in Buggys oder gar Trucks bestreitet, warten Grand Prix‘ mit komplett offener Fahrzeugwahl, Ausdauerrennen in dicken Muscle-Cars oder exotischere Aufgaben, wie zum Beispiel das Stretch-Limo-Bowling, auf euch. Dabei sammelt ihr beständig Punkte, um die nächsten Meisterschaften freizuschalten, steigert zudem euer Level und stockt euer Ingame-Konto mit Preisgeldern auf.

Das Belohnungssystem verwöhnt euch bei jedem Levelaufstieg mit teils abgedrehten Monturen für euren Avatar am Steuer und natürlich immer neuen Fahrzeugen. Alternativ investiert ihr eure Kohle in den Flitzer eurer Wahl oder vertraut auf euer Glück, indem ihr euer sauer verdientes Geld für die sogenannten Lootboxen auf den Kopf haut. Diese enthalten neben Outfits und Boliden auch Mods, mit denen ihr euch in den Rennen selber ein bestimmtes Handicap auferlegen könnt, was wiederum das Preisgeld in die Höhe schraubt.

Seine wahre Stärke beweist ein Rennspiel aber erst auf der Strecke, und da trumpft „Forza Motorsport 7“ ganz gewaltig auf. Wie bereits erwähnt, kann man den Anspruch den eigenen Wünschen und Fähigkeiten entsprechend anpassen. Doch egal, ob man mit oder ohne ABS oder Rückspulfunktion an den Start geht, die Steuerung geht angenehm griffig von der Hand und jeder Flitzer unterschiedet sich spürbar. Dazu läuft das Renngeschehen dank 60 Bildern pro Sekunde stets wunderbar flüssig und sieht einfach nur Bombe aus. Und das auch ohne die optionale 4k-Auflösung und HDR.

Zudem hat man nun endlich auch ein dynamisches Wettersystem implementiert, welches a) einen nicht zu verachtenden Einfluss auf den Rennverlauf haben kann und b) äußerst schick daherkommt.

Das ist schlecht:

Bei all der Pracht hat es uns etwas verwundert, dass die Karriere in Sache Präsentation hinter dem Vorgänger zurückbleibt. Man denke nur an den fetten Soundtrack, die coolen Zwischensequenzen und die Top-Gear-Moderatoren aus Teil 6. Nun erwarten euch nur noch unmotivierte Slide-Shows und gnadenlos austauschbare Musik. Nehmt das von daher ruhig wörtlich, und lasst via Zusatzapp am besten eure eigenen Playlists laufen, denn das Gebotene macht wahrlich nicht viel her.

Mit den Lootboxen konnten wir uns ferner nicht wirklich anfreunden. Darüber, dass man naturgemäß nicht weiß, was diese enthalten, lässt sich streiten. Der eine findet das Wundertüten-Prinzip spannend, der andere blöd, weil er nicht weiß, wofür er sein Geld ausgibt. Was uns aber wirklich Sorgen bereitet, ist, dass man die Kisten über die zum Zeitpunkt des Tests noch ausgegrauten Menüpunkte „Marktplatz“ und „Auktionshaus“ offenbar auch mit Echtgeld wird erwerben können. Und derlei Transaktionen stehen wir in Videospielen recht skeptisch gegenüber, wenn gutsituierte Spieler sich dadurch bequem Vorteile für Multiplayer-Sessions erkaufen können. Aber ob dem tatsächlich so ist, wird sich natürlich erst noch zeigen müssen.

„Forza Motorsport 7“ ist ab sofort für Xbox One und PC erhältlich.

Ohne Frage das beste Rennspiel auf der Xbox One! „Forza Motorsport 7“ bewältigt den Spagat zwischen anspruchsvoller Simulation und einsteigerfreundlichem Arcade-Racing mit Bravour und sieht dabei auch noch unverschämt gut aus. 700 Fahrzeuge zum Freispielen, 32 abwechslungsreiche Kurse, eine unterhaltsame Karriere und das dynamische Wettersystem sprechen für sich. Nur den Lootboxen und der drögen Musik stehen wir skeptisch gegenüber.