Während die auf Simulation getrimmte ‘Forza Motorsport’-Reihe mittlerweile schon die sechste Runde dreht, geht der rebellischere ‘Horizon’-Bruder zwar erst zum dritten Mal an den Start, tritt jedoch bereits jetzt schon ein hartes Erbe an. Denn der Vorgänger heimste 2014 Höchstwertungen ein und erfreut sich zurecht bei Fans wilder Open-World-Action großer Beliebtheit. Kann ‘Forza Horizon 3’ da noch einen draufsetzen? Ja, es kann!

Darum geht's:

In der ‘Horizon’-Reihe dreht sich alles um das namensgebende Festival. Die spaßige Mischung aus Musik- und Renn-Event dient dabei als Rahmenveranstaltung, im Zuge derer wir diverse Rennen bestreiten. Waren wir in den Vorgängern noch reine Teilnehmer, befördert uns ‘Forza Horizon 3’ nun zum Veranstalter. In dieser Funktion ist es unsere Aufgabe, Fans für das Festival zu generieren und das gelingt in erster Linie dadurch, dass wir uns selber hinters Steuer klemmen, um Australien unsicher zu machen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn ganz im Sinne eines Open-World-Spiels ist es an euch, ob ihr Renn-Events bestreitet, um nach und nach neue Festival-Standorte und damit weitere Herausforderungen freizuschalten, oder ganz einfach auf eigene Faust durch die Pampa brettert.

Das ist gut:

Und diese Pampa ist gigantisch! Das befahrbare Australien ist nicht nur doppelt so groß wie die in Frankreich und Italien angesiedelte Spielwelt des Vorgängers, sondern lässt diese auch in Sachen Abwechslungsreichtum weit hinter sich. Mal donnert ihr durch lauschige Küstenstädtchen, mal durch die beliebte Party-Meile in Surfer's Paradise, nur um kurz drauf wilde Offroad-Ritte durch eindrucksvolle Canyons oder das wilde Outback zu bestreiten. Dementsprechend ist auch der mit 350 Vehikeln gut bestückte Fuhrpark mit diversen geländetauglichen Flitzern durchsetzt, den heimlichen Stars des Spiels. Denn während das Fahrgefühl auf der Straße (Achtung, Linksverkehr!) nach wie vor zum Besten gehört, was ihr auf der Xbox One finden werdet, hat man nun auch in Sachen offroad ordentlich nachbessert. Im Vorgänger noch eher nette Dreingabe, fühlt sich das Verlassen der Straße nun richtig ruppig an und macht damit ordentlich Laune.
Bei allem was ihr tut, sammelt ihr Erfahrungspunkte und Credits, die ihr in einen Skill-Tree oder eben in neue Fahrzeuge investiert. Das gilt nicht nur für die offiziellen Runden- oder Punkt-zu-Punkt-Rennen, sondern auch für all die zu entdeckenden Nebenbeschäftigungen wie Stunts, Blitzerstrecken oder die im Deutschen seltsam betitelten, aber grandios inszenierten Löffellisten-Rennen. Wir sagen nur „Warthog“! Zu tun gibt es auf jeden Fall mehr als genug!
Und das ist auch gut so, denn wir konnten uns an dem grafisch fulminant in Szene gesetzten Australien gar nicht sattsehen. Seien es die schicken Wettereffekte, der wohl schönste Videospiel-Himmel aller Zeiten, der dynamische Tag-Nacht-Wechsel, die detaillierten Automodelle, hochspritzender Dreck, der sich auf der Karosserie festsetzt, Kratzer im Lack … alles an diesem Spiel versprüht Hochglanzcharme bei stabilen 30 Bildern pro Sekunde. Auch den acht Radiosendern, die von Hip-Hop über Rock bis zur klassischen Musik alles bieten, was das Ohr begehrt, lauscht man immer wieder gerne. Erst recht, wenn der DJ ankündigt, dass man für die Dauer des nächsten Songs die doppelte Anzahl an Erfahrungspunkten erhält. Sehr, sehr cool!
Online dürft ihr die Solokampagne überdies mit bis zu vier Spielern angehen, oder gemeinsam diverse Meisterschaften und spaßige Mini-Games absolvieren. Doch auch wenn mal keiner eurer Kumpels am Start ist, sind diese in Form der beliebten Drivatare – einer KI, welche das Fahrverhalten eurer Freunde imitiert – dennoch stets bei euch.

Das ist schlecht:

Dass sich bei über 120 Renn-Events vieles wiederholt liegt zwar in der Natur der Sache, doch wäre sicherlich mehr dringewesen als bloß zwei Disziplinen, die ihr im Zuge der Meisterschaften, Fan- und Rivalenrennen immer wieder bestreitet. Da stellt sich schnell Routine ein, woran auch die 30 Löffellisten-Spezialevents und die fünf großen Schaurennen im Großen und Ganzen nichts ändern können. Und auch der eigentlich vielversprechende Aufhänger, dass wir als Veranstalter des Festivals fungieren, wird letztlich kaum angekratzt. Zudem hätten wir uns ein detailliertes Schadensmodell gewünscht und auch das Tuning fällt etwas zu fummelig aus. Des Weiteren macht sich die australische Tierwelt abseits der Zwischensequenzen leider genauso rar wie ein Splitscreen.

Forza Horizon 3 ist ab sofort für Xbox One und PC erhältlich.

Fast so schön wie das echte Australien! ‘Forza Horizon 3’ zeigt nicht nur, was die Xbox One grafisch draufhat, sondern überzeugt auch in Sachen Umfang und Fahrgefühl auf voller Linie. Die neue Referenz in Sachen Open-World-Raser!