Jetzt bitte nicht durcheinanderkommen. Forza ist nicht gleich Forza. Denn während sich die mit 'Motorsport' untertitelte Hauptreihe schon längst in der fünften Runde befindet, handelt es sich bei Horizon um einen Ableger aus anderem Entwicklerhause. Die Herrschaften von Playground Games möchten uns nun beweisen, dass dies nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss, und – so viel sei bereits verraten – sind sehr überzeugend dabei.

Darum geht's

Was Horizon von Motorsport im Wesentlichen voneinander unterscheidet, ist der Fokus auf eine offene Welt. Durfte man diese im Vorgänger jedoch nur vom Asphalt aus bewundern, ist es nun möglich, die Straße auch zu verlassen, um in vorwiegend südeuropäischen Ländern wie Frankreich und Spanien über die Felder zu brettern.
Um der ganzen Raserei einen Sinn zu verleihen, strickte man so etwas Ähnliches wie eine Story drumherum. Irgendwelche verwöhnten reichen Blagen, die sich langweilen und deshalb eine Meisterschaft … Blabla. Nicht der Rede wert. Letztlich sucht ihr euch auf der Karte einen der gut 170 Wettbewerbe aus, welche aus jeweils vier Rennen mit einer festgelegten Fahrzeugklasse bestehen, fahrt mit der ausgesuchten Karre zum Startpunkt, und los geht's gegen elf andere Fahrer. Geboten werden Punkt-zu-Punkt-Rennen auf der Straße, Drei-Runden- sowie Offroad-Rennen und Wettfahrten, bei denen der Untergrund munter wechselt.
Online tretet ihr zu zwölft zudem in Team-Rennen an, oder spielt den Infiziert-Modus, in welchem es gilt andere Spieler zu rammen, um diese anzustecken. Wer am längsten durchhält, ohne infiziert worden zu sein, gewinnt.

Das ist gut

Die Karte ist im Gegensatz zum Vorgänger auf das Dreifache angewachsen, und ganz ohne Ladezeiten komplett befahrbar. Wer also einfach mal die Seele baumeln lassen will, darf das gerne tun. Da wir Spieler aber ja nun mal dazu neigen, uns von der Jagd nach digitalem Geld und Erfahrungspunkten motivieren zu lassen, welche in Horizon 'Kudos' heißen, stürzen wir uns natürlich viel lieber in die über 500 Rennen, um darüber die gut 200 lizenzierten Autos kennenzulernen. Da es euch freisteht, wann ihr welche Wettbewerbe anwählt, könnt ihr ungeliebte Fahrzeugklassen übrigens auch ganz einfach ignorieren. So oder so sammelt ihr durch alle möglichen Fahrmanöver wie Drifts oder Sprünge stets besagte Kudos, die ihr Combo-artig verketten könnt, um euren Punktezähler in ungeahnte Höhen zu treiben. Eine treibende Mechanik, die den Sieg eines Rennens so manches Mal zweitrangig erscheinen lässt.
All das findet vor einer wunderschönen fiktiven Kulisse statt, welche sich stark an der südeuropäischen Realität orientiert. Ihr fahrt durch verträumte Dörfer, vorbei an teuren Geschäften, Burgen oder einfach durch Landschaften, die so natürlich wirken, als seien sie im Laufe der Zeit tatsächlich gewachsen. Die Sonne geht auf und unter, verschwindet hinter Regenwolken und lacht euch dann wieder zu, nachts bewundert ihr Feuerwerke und ergötzt euch am Sternenhimmel, kurzum: ein Traum! Und angesichts der tollen Weitsicht bis zum Horizont macht der Beiname des Ablegers durchaus Sinn. Die Autos sind indes nicht ganz so detailliert gestaltet wie in Forza 5, aber immer noch ein Hingucker.

Das ist schlecht

Die schlechte Nachricht zuerst: Forza Horizon 2 bietet lediglich 30 fps. Wer damit ohnehin nichts anfangen kann, der denke einfach nicht weiter darüber nach, alle anderen lassen enttäuscht die Schultern hängen. Schade ist auch, dass bei der Auswahl an Rennen nicht mehr Abwechslung geboten wird. Letztlich fährt man immer gegen elf Kontrahenten vom Start zum Ziel. Dies nun zwar auch offroad, allerdings fühlt sich das eher an, als schlittere man über Eis als durch Schotter und Furchen. Außerdem hat die KI hier in Sachen Wegfindung einen klaren Vorteil, was zuweilen zu unfairen Situationen führt.
Die Musikauswahl ist sicherlich Geschmackssache, die dämliche Story mit ihren noch dämlicheren Protagonisten jedoch nicht. Man fragt sich wirklich, was die Macher da geritten hat. Womöglich zuviel Wein bei der Ortsbegehung in der Toskana? Man weiß es nicht.

Clever aufgebauter Open-World-Raser mit riesigem Umfang, der es mit dem Realitätsanspruch nicht so genau nimmt. Leider fahren wir nur mit 30 fps, dafür jedoch durch die wohl schönste Landschaft der Renngeschichte.