„Wehe, ihr versaut das! Wehe, ihr versaut das! Wehe, …“ Dieses Mantra ging dem Autor dieser Zeilen – ein bekennender Hardcore-„Final Fantasy VII“-Fan – durch den Kopf, als er sich im Zuge der diesjährigen Gamescom auf den Weg zu seinem Anspieltermin von „Final Fantasy VII Remake“ machte. Schon schräg, wenn man so darüber nachdenkt … Einerseits waren eben es diese Fans, die seit Jahren lauthals nach einem Remake verlangen, und nun da es tatsächlich kommt, fürchtet man plötzlich um das ideelle Vermächtnis. Aber um es gleich vorwegzunehmen: Wir waren positiv überrascht. Sehr sogar.

Als Kenner des Originals kann man gar nicht anders, ob der modernen Grafikpracht, in welcher die ikonische Startmission im Mako-Reaktor von Midgar nun erstrahlt, leidenschaftlich zu seufzen. Die Optik hält locker mit dem Animationsstreifen „Advent Children“ mit und ist dabei immer noch so stilsicher, dass unser altes Gamerherz direkt getriggert wird. Und dann noch die einerseits wohlbekannte, doch diesmal ungleich klangvollere Soundkulisse. Hach ja, so lässt es sich doch schon mal aushalten.

Dass das Spiel gehörig aufpoliert werden würde, war aber klar. Die Sorge, dass Square-Enix es vermasseln könnte, rührt eher von der Entscheidung, das Game in mehrere Episoden aufzuteilen, sowie der Frischzellenkur des Kampfsystems. Einstmals klassisch rundenbasiert, indem sich die Gegner in einer Arena mehr oder weniger statisch gegenüberstanden, nun zeitgemäß actionorientiert in Echtzeit, ohne Umblendung auf einen Kampfbildschirm. Kann das gut gehen?

Es kann! Zunächst einmal haben wir die Auseinandersetzungen zwischen dem misstrauischen Brummelbär Barret und dem kühl-distanzierten Cloud als äußerst unterhaltsam empfunden. Zumal der Rebellen-Anführer in der Neuinterpretation weit weniger dümmlich rüberkommt. Sämtliche Dialoge wurden übrigens deutsch vertont und zugunsten der Charakterzeichnung stark erweitert. Immerhin soll sich der erst Teil von „Final Fantasy VII Remake“ auf die Erlebnisse der Heldengruppe in Midgar beschränken und dennoch den Umfang eines vollwertigen RGS bieten.

Auf unseren recht gradlinigen Weg durch den Reaktor machen uns mit kleineren Gegnern warm fürs Kampfsystem. Wir schlagen, blocken und weichen per Knopfdruck aus. Cloud langt dabei mit seinem Busterschwert ordentlich zu, während wir für fliegende Gegner jederzeit zu Barret wechseln können, der sich mit seiner Armkanone besser auf den Fernkampf versteht. Soweit wir das in der Kürze der Zeit beurteilen konnten, machte unser computergesteuerter Mitstreiter dabei stets einen guten Job, oder ist uns zumindest nicht negativ aufgefallen. Das abschließend zu beurteilen, bedarf aber mehr als einer halben Stunde Spielzeit.

Nachdem wir die Bombe platziert haben, treffen wir auf einen uns wohlbekannten skorpionartigen Kampfroboter. Hatten wir uns dem Feindesvolk zuvor noch mit plumper Echtzeitprügel erwehren können, wird es spätestens bei diesem Bosskampf Zeit, sich mit dem Tactical-Mode vertraut zu machen. Den Active Time Battle-Balken gibt es nämlich noch. Dieser füllt sich diesmal aber nicht mehr automatisch, sondern durch Treffer, die wir dem Feind verpassen. Ist die ATB Leiste voll können wir das Geschehen radikal verlangsamen und in aller Ruhe aus einem Aktionsmenü Spezialangriffe, Items und Magie wählen.

Wir dreschen also auf den Roboterboss ein, was zwar wenig Schaden macht, aber zumindest die Leiste füllt, wechseln in den Tactical-Mode und wissen, was Phase ist, als wir in Barrets Reiter einen Blitzzauber entdecken. Damit rücken wir den Kampfautomaten doch gleich viel effektiver zu Leibe und schwächen seine Verteidigung, um ihn für Schwerthiebe anfälliger zu machen. Natürlich müssen auch wir einstecken, was aber immerhin den Limit Break auflädt, der uns wie im Original vernichtende Attacken erlaubt.

Und so verfallen wir alsbald in einen Flow, wechseln dynamisch zwischen Barret und Cloud, heilen wenn nötig uns oder die KI, füllen Magiepunkte mit Ether-Tränken auf, beschneiden die Lebensleiste des Roboters,wann immer es geht mit dem guten alten Kreuzhieb, und haben dabei richtig viel Spaß. Der Kampf durchläuft dabei mehrere Phasen, die von dramatisch inszenierten Cutscenes eingeläutet werden. Dafür, dass wir es hier gerade mal mit einem vergleichsweise mickrigen Boss zu tun haben, wird bereits zu diesem frühen Punkt des Spiels ordentlich aufgetragen, sodass wir uns nach dem Sieg fragen, was da mit Blick auf den Umfang dieses epochalen Klassikers wohl noch alles kommen mag.

Den Machern scheint es trotz aller Widerstände also tatsächlich gelungen zu sein, das alte Spielprinzip so zu modernisieren, dass es auch jüngere Spieler begeistern kann, die dem Original nicht verbunden sind, ohne dabei die wichtige und kritischen Fangemeinde zu verprellen. Und so wird aus sorgenvoller Skepsis ungebändigte Vorfreude. Insofern hätten wir „Final Fantasy VII Remake“ vielleicht wirklich nicht anspielen sollen, denn bis zum Release dauert es nun gefühlt nur noch länger.

„Final Fantasy VII Remake“ erscheint am 03. März 2020 für Playstation 4.