Fußball. Des Mannes liebster Sport ist selbstverständlich auch virtuell in aller Munde. Jedes Jahr bekriegen sich FIFA und Pro Evolution Soccer um die Vorherrschaft auf dem Fußballsimulationsmarkt. 2015 ist es nicht anders und FIFA 15 legt vor. Wir haben einen Blick auf die Nextgen-Version geworfen.

Darum geht's

Fußball, Fankultur und die Liebe zum Rasensport – all das will FIFA 15 ins Wohnzimmer übertragen. Eine großartige Geschichte wird von Entwickler Electronic Arts nicht gestrickt, warum auch? Männer mögen es simpel: 22 Spieler auf dem Feld, ein Ball und zwei Tore – fertig ist die perfekte Nachmittagsunterhaltung. So auch in FIFA 15. Geschichte? Lächerlich! Am Ende soll wohl noch geheiratet werden, was? Spaß beiseite: Von Rennspielen vielleicht mal abgesehen macht eine Rahmenhandlung für Sportspiele auch wenig Sinn, oder?

Das ist gut

Ein großer, eventuell sogar der größte Vorteil von FIFA gegenüber seinem ewigen Rivalen Pro Evolution Soccer: die Anzahl der Lizenzen. Nahezu jedes Team und jeder Spieler besitzt die echten Namen, Werte, Logos und Farben – die großen Clubs wie beispielsweise der Liverpool FC werden sogar tat- und stimmkräftig von den Rängen unterstützt, inklusive echter Sprechgesänge.

Als Spieler kontrollieren wir den jeweils angesteuerten Ballartisten (die, wie der Rest des Titels in famoser Grafik daherkommen) ab Minute 1 souverän und nahezu perfekt über den Platz, einzig die vom Computer übernommenen Torhüter haben ab und an einen Hau weg und verhalten sich wie Männer, die ihre Frau beim Sommerschlussverkauf begleiten müssen – sie irren plan- und ziellos durch die Gegend und sind immer genau anderswo als mitten in der Action. Wie dem auch sei: Das passiert nicht sonderlich häufig. Genau wie in die „Ich wäre gern 24, bin aber schon zweimal verheiratet gewesen und 33“-Diskobekanntschaft auf ungefähr jedem deutschen Dorffest kommt man problemlos ins Spiel rein und feiert seine ersten Erfolgserlebnisse. Beiden gleich, Dorfkönigin wie Fußballsimulator, ist aber, dass man nur ungern die Finger davon lässt und sich denkt: „Eine Runde geht noch!“ Das alte FIFA-Prinzip greift also auch bei FIFA 15.

Ausgetobt werden kann sich dabei off- und online in Freundschaftsspielen, Saisons oder Turnieren. Dazu gibt es noch den Ultimate-Team-Modus, quasi Pokémon mit Fußballspielern. Man zockt FIFA, bekommt FIFA-Goldmünzen und kauft dafür (oder gegen Echtgeld) Kartenpakete. In den Paketen sind Fußballspieler oder Verbrauchsobjekte (Heilungskarten, Vertragsverlängerungen, Stadien, Wappen etc.), aus denen dann ein Team geformt wird. Unzufrieden mit den bekommenen Spielern? Dann steht ein Transfer- und seit FIFA 15 auch ein Ausleihmarkt zur Verfügung. So kommt jeder mit genug Fleiß und Geduld oder dem nötigen Echtgeld an seine Lieblingsmannschaft. Diese gilt es dann durch Online- und Offlineturniere sowie -Meisterschaften zu führen, um das beste Team der Welt zu küren. Macht viel Spaß und birgt hohes Wiederspiel- und Suchtpotential.

Das ist schlecht

Die oben angesprochenen Torhüter sorgen ab und an für Sorgenfalten auf der sonst glatten Spielerstirn. Dazu kommen die zwar generell gut eingesprochenen Kommentatoren. Deren – zu 90 % aus den Vorgängertiteln bekannten – Sprüche erschallen ab und an zu komplett falschen Spielsituationen. Nach einem Direktschuss aus 15 Metern wird beispielsweise darüber diskutiert, ob der Stürmer da mit dem Kopf hätte dran gehen können – passiert auch nicht sehr häufig, kam aber bisweilen schon vor. Nervt dann, lässt sich aber durch das Ausschalten der Kommentatoren verhindern. Auch der Karrieremodus aus Spielersicht ist nicht sonderlich befriedigend, macht aber nur einen Bruchteil des Spielinhaltes aus – hier könnte man durch klar strukturierte, vorher geplante Ereignisse etwa mehr Spannung hineinbringen.

Unterm Strich ist FIFA 15 das aktuell rundeste Fußballerlebnis, welches sich Rasenvirtuosen zulegen können. Sollten die Torhüterfehlerchen mit einem Update behoben werden, gibt es „auf dem Platz“ rein gar nichts zu meckern. Bleibt nur abzuwarten, wie sich Pro Evolution Soccer 2015 im November schlagen wird.