Sonys VR-Zug kommt gefühlt nur langsam in Fahrt. Zwar geht das Konzept, die virtuelle Realität im Wohnzimmer für jedermann zugänglich zu machen, zweifelsohne auf. Doch allmählich fragt man sich, wo denn die „echten“ Spiele bleiben, die sich die VR-Brille im großen Stil zunutze machen. Nach 'Until Dawn: Rush of Blood' und dem schockierend guten 'Resident Evil 7' kam lange nichts für echte Gamer, dafür trumpft Sony mit dem jüngst erscheinen 'Farpoint' aber nun endlich umso mehr auf. Denn dieses ist nicht nur exklusiv für Playstation VR entwickelt worden, sondern kommt dazu auch noch mit einem neuartigen Knarren-Controller daher. Und wir nehmen einfach schon mal vorweg: So muss sich Ballern in VR anfühlen!

Darum geht's:

Das Spiel startet im All, wo ihr als namenloser Pilot auf dem Weg zu einem Rendezvous mit der Raumstation Pilgrim und den dort arbeitenden Wissenschaftlern Dr. Tyson und Dr. Moon seid. Diese untersuchen zum Zeitpunkt eures Eintreffens eine seltsame Anomalie – und wie das mit Anomalien im All nun mal so ist, reagiert diese plötzlich allergisch auf die Gegenwart von Menschen. Ein Wurmloch öffnet sich, schluckt alles und jeden um sich herum – uns eingeschlossen – und spuckt seine Mahlzeit auf einem kargen Felsplaneten wieder aus.

Unsere Aufgabe ist es nun, uns durch diese fremdartige und unwirtliche Welt zu schlagen, um unsere beiden Kollegen wiederzufinden. Das wäre natürlich nur leidlich spannend, stellte sich uns dabei nicht eine ganze Horde insektoider Viecher, humanoider Aliens und Roboter in den Weg. Deren Fehler! Denn wir haben unsere Wumme dabei! Und als Mensch liegt einem das Kämpfen nun einmal im Blut!

Das ist gut:

Das werdet ihr spätestens dann merken, wenn ihr mit dem sogenannten Ziel-Controller das erste Mal um euch geballert habt. Das Gerät wird so gut von der Kamera erfasst und ins Spiel übertragen, dass ihr augenblicklich vergesst, dass ihr eigentlich nur ein Stück Plastik in der Hand haltet. Dreht ihr euer Sturmgewehr zunächst noch erstaunt vor euren Augen hin und her, werdet ihr nach der ersten Gegnerwelle bereits über Kimme und Korn zielen, als hättet ihr nie was anderes gemacht.

Der Clou dabei ist, dass ihr die fünf verschiedenen Waffen dazu tatsächlich vor eure virtuellen Augen führen müsst. Alternativ könnt ihr natürlich auch aus der Hüfte feuern, wenn es die Situation erfordert. Da die verschiedenen Gegnertypen jedoch äußerst clever agieren und jeweils unterschiedlichen Herangehensweisen erfordern, werdet ihr mit stumpfem Rambo-Gehabe auf Dauer alleine nicht weit kommen. Momente, in denen wir einem krabbelnden Spinnenviech die Pumpgun mit ausgestreckten Arm an den Kopf halten und mit grimmigen Gesichtsausdruck abdrücken, sind aber trotzdem genug dabei. Munition habt ihr übrigens unbegrenzt im Gepäck. Die Ballermänner müssen nach unbedachten Salven lediglich abkühlen, respektive nachgeladen werden. Durchschlagskräftige Granaten und Raketen sind dagegen begrenzt, und wollen von daher immer wieder neu eingesammelt werden.

Bei alledem beweist sich, wie gut die Immersion dank des zusätzlichen Gerätes funktioniert, an dem ihr sämtliche Knöpfe eines gängigen Controllers findet. Darunter auch zwei Analogsticks, die es möglich machen, sich wie in einem klassischen Shooter über den unwirtlichen Planeten zu bewegen. Je nach VR-Festigkeit eures Magens könnt ihr die Geschwindigkeit des Umsehens von stufenweise bis flüssig justieren oder gleich ganz deaktivieren. Wir entschieden uns für eine Drehung des virtuellen Körpers in geringen Stufen und hatten auf Dauer kein Problem, uns vorsichtig voran zu tasten, rechtzeitig Deckung zu suchen oder forsch vorwärts zu preschen.

Das ist schlecht:

Allerdings gestaltet sich die Bewegung im Gegensatz zu gängigen Shootern auch bei der flüssigsten Einstellung insgesamt eher behäbig. Das beugt zwar Motion-Sickness vor, macht die Kämpfe jedoch auch etwas undynamisch und sorgt für so manchen Tod, wenn es ein Gegner erst einmal geschafft hat, euch in den Rücken zu fallen. Das ansonsten grandiose Spielgefühl mit dem Ziel-Controller gleicht das aber locker wieder aus.

Um das zu erleben, müsst ihr jedoch erst mal stolze 100 Euro für Spiel und Knarre hinblättern. Denn ohne die Peripherie ist 'Farpoint' wahrlich kein Schmuckstück in der Shooter-Vitrine. Das Setting ist abgesehen von ein paar schicken Panoramen karg und abwechslungsarm, die Texturen mäßig, die Story mau und vorhersehbar, die Spiellänge mit fünf bis sechs Stunden recht kurz. Zudem wird abgesehen von einer Highscore-Jagd und vier knappen Koop-Missionen nicht viel Wiederspielwert geboten.

Natürlich ist es möglich, 'Farpoint' auch mit dem Pad spielen. Dazu besteht insgesamt jedoch wenig Anlass. Der Star ist ganz klar der Ziel-Controller und das Spiel lediglich eine Bühne, um ihn vorzustellen.

'Farpoint' ist ab sofort für Playstation VR erhältlich!

Experiment gelungen, Käfer tot! 'Farpoint' ist ein schweißtreibendes Baller-Event, das sich dank des verblüffend intuitiven Ziel-Controllers so echt anfühlt, wie wir es uns von VR schon immer gewünscht haben. Im Kern ist das Spiel aber vor allem eine Showbühne für das coole neue Zubehör und ohne diesen folglich keinen zweiten Blick wert.