Als seinerzeit Far Cry 3 erschien, waren die Unkenrufe ob des ambitionierten, jedoch vermurksten zweiten Teils mit einem Schlag vergessen. Eine riesige Insel, die erforscht werden wollte, Schusswechsel in bis dato ungeahnter Freiheit, was die Herangehensweise betrifft, ein derart charismatischer Bösewicht, dass man sich zuweilen auf der falschen Seite wähnte und das alles in einer grandiosen Optik. Nun kommt Teil Vier, und damit auch die Hoffnung, dass Ubisoft das liebgewonnene Spielgefühl nicht abermals verschlimmbessert. Wir konnten uns Far Cry 4 bereits auf der gamescom ansehen. Unser Highlight der Messe!

Darum geht's:

Schluss mit Urlaub auf der Insel, jetzt werden erst mal ein paar Höhenmeter abgerissen. Und so finden wir uns diesmal im Himalaja wieder, oder genauer in der fiktiven Region Kyrat, die von dem despotischen selbsternannten König Pagan Min regiert wird. Der macht seinen Job offensichtlich nicht besonders gut, so dass wir in der Rolle des heimkehrenden Nepalesen Ajay Ghale gleich mit einem Bürgerkrieg begrüßt werden. Somit spielen wir zum ersten Mal in der Seriengeschichte keinen Touristen, sondern einen ortskundigen Einheimischen, der Land und Leute seiner Heimat kennt. Eine Neuerung, die wir schon mal sehr begrüßen, war doch unser weinerliches Alter Ego eines der wenigen Mankos des Vorgängers.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf nahmen wir also auf der Gamescom erwartungsvoll das Pad in die Hand und stürzten uns halsbrecherisch per Wingsuit in das erste Missionsgebiet. In der vorgestellten Schleichmission galt es, per Kamera Gegner zu markieren, um den Boss der Gruppe ausfindig zu machen und diesen dann mit dem Messer zur Strecke zu bringen. Natürlich ließen wir es uns zunächst nicht nehmen, auch ein wenig rabiater zur Sache zu gehen, und fällten in gewohnt knackigen Schusswechseln Gegner im Dutzend, hatten damit aber im Sinne der geforderten Aufgabenstellung wenig Erfolg. Nachdem wir uns irgendwann also haben bremsen lassen, gingen wir den Job vorsichtiger an und wurden letztendlich mit einer weiteren spektakulären Flugeinlage durch ehrfurchtgebietende Schluchten belohnt, vorbei an Vogelschwärmen und Kampfhubschraubern.
In einer zweiten Mission spielten wir überraschend einen mythischen Krieger in einer surrealen Welt, in der geisterhafte Gegner verpufften und die physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt schienen. Nur mit Bogen und Messer bewaffnet, kämpften wir dabei an der Seite eines weißen Tigers, der auf unser Kommando Gegner angriff. Das mag im Sinne des Serienkontextes seltsam klingen, machte aber verdammt viel Spaß.
Als dann die Zeit vorbei war, blieb uns leider nichts anderes übrig, als das Pad wieder aus den Händen zu geben und die positiven Eindrücke dieser viel zu kurzen halben Stunde Revue passieren zu lassen.

Das ist gut:

Far Cry 4 macht genau das, was es soll: Es bietet mehr vom Bekannten und setzt noch einen drauf. Das unverbrauchte Setting ist gigantisch, sieht fantastisch aus und weckt Fernweh. Die Implementierung der regionalen Fauna wurde weitergedacht und erweitert das Spektrum der möglichen Vorgehensweisen. Zwar durfte man auch im Vorgänger wilde Tiere aus ihren Käfigen befreien, um Chaos und Verwirrung zu stiften, aber diesmal kann man beispielsweise ein Tier erlegen, das Fleisch strategisch clever platzieren und damit Raubtiere gezielt anlocken. Im fertigen Spiel wird es sogar möglich sein, auf Elefanten zu reiten, um mit den Dickhäutern das Tor einer Festung niederreißen! Wer wollte das nicht schon immer mal machen!?

Das Bewegungsspektrum wurde durch besagten Wingsuit und einen Greifhaken sinnvoll an die bergige Umgebung angepasst, und wird nicht nur den Forscherdrang stillen, sondern auch fiese Hinterhalte ermöglichen. Wir sind uns also sicher, auch in Teil Vier denkwürdige Feuergefechte zu erleben, wie sie ein Durchschnitts-Schlauchlevel-Shooter nicht bieten kann.

Das ist schlecht:

Leider können wir die Qualitäten der Story noch nicht beurteilen, und ob Pagan Min die großen Fußstapfen, die Vorzeige-Bösewicht Vaaz hinterlassen hat, füllen kann, bleibt abzuwarten. Zudem kamen uns die Ladezeiten nach einem Ableben unangenehm lang vor. Hoffen wir mal, dass Ubisoft diesbezüglich deutlich nachbessert. Also, nicht dass wir oft gestorben wären, weil wir es irgendwie lustig fanden, mit dem Wingsuit mit voller Wucht gegen einen Berg zu krachen, nein nein …

Das Spiel der Messe! Knackige Schusswechsel in einer gigantischen offenen Landschaft von ehrfurchtgebietender Schönheit samt lebendiger Flora und Fauna. Wer den Vorgänger mochte, wird Far Cry 4 lieben. Und alle anderen auch!