Sehr geehrtes Reisebüro Ubisoft, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass die Reise nach Paris nicht unseren Erwartungen entsprach. Dass man trotz vorheriger Entrichtung des Vollpreises immer wieder zur Kasse gebeten oder zum Anmelden gezwungen wird, erinnert nämlich eher an eine Butterfahrt als an einen Luxusurlaub. Wir können nur hoffen, dass die ebenfalls bei Ihnen gebuchte Tour nach Kyrat diesmal auch hält, was Sie versprochen haben. So viel Urlaub haben wir nämlich nicht, dass wir es uns leisten könnten, diesen zu verschwenden.

Darum geht's

Bei Far Cry ist der Name seit jeher Programm. In der Reihe verschlägt es stets einen arglosen Touristen in traumhafte Gefilde, die dummerweise irgendwann explodieren, so dass besagter Nobody plötzlich gezwungen ist, um sein Leben zu kämpfen, und sich letztendlich als erstaunlich robuste Kampfmaschine erweist. So auch in Teil vier, nur dass es uns diesmal nicht ans Wasser, sondern in die Berge zieht. In der Rolle des Ajay Ghale reist ihr in das am Himalaya gelegene (fiktive) Kyrat, euren Geburtsort, um dort ihrem Wunsch entsprechend die Asche eurer verstorbenen Mutter zu verstreuen. Da in Videospielen aber ja nun mal nie etwas problemlos vonstattengeht, geratet ihr alsbald an den durchgeknallten Bösewicht und selbsternannten König Pagan Min, welcher den Landstrich mit Terror und Gewalt überzieht. So geht's natürlich nicht, weswegen ihr euch den Rebellen anschließt, nur um schließlich festzustellen, dass in Kyrat wohl so ziemlich jeder ein Ei am Wandern hat.

Nun gut, auch wir rennen alsbald flintenschwingend und massenmordend durch die gigantische Open World, reiten auf Elefanten Menschenmassen nieder und jagen Zwecks Materialbeschaffung vom Aussterben bedrohte Tierarten, aber hey … die anderen haben schließlich angefangen.

Das ist gut

Mit gigantisch meinen wir auch gigantisch. Far Cry 4 bietet so einiges fürs Geld. Zu den vom Vorgänger bereits bekannten Nebenaufgaben, wie zum Beispiel dem Freischalten der Karte durch das Erklimmen diverser Türme, gesellt sich ein ganzer Schwung neuer Aufgaben, allen voran die logische Evolution der beliebten einzunehmenden Lager: die Festungen. Wenn es darum geht, diese zu stürmen, nehmt ihr am besten einen Koop-Kumpel mit, denn die Nummer gestaltet sich angenehm knackig. Mit eurem Online-Bro könnt ihr das schlichtweg traumhafte Setting grundsätzlich frei durchstreifen und in sämtlichen Nebenaufgaben allerlei Schabernack anstellen, die Storymissionen hingegen dürfen nur solo angegangen werden. Und hier lässt Far Cry 4 inszenatorisch ganz schön die Muskeln spielen. Glaubt ihr anfangs noch das vermeintliche Schema F der Dramaturgie durchschaut zu haben, werdet ihr recht bald ins Grübeln kommen und irgendwann feststellen, dass ihr euch schon längst in der tollen Geschichte verloren habt, von der wir hier allerdings nichts vorwegnehmen wollen. Auch das an sich limitierte Spielprinzip eines Egoshooters wird derart abwechslungsreich gestaltet, dass ihr euch nie langweilen werdet.
Wie denn auch in diesem schönen Land? Im Zweifelsfall geht man halt spazieren und sammelt leistungsfördernde Blumen, aus denen diesmal übrigens automatisch eine heilende Spritze generiert wird. Lauffaule fliegen mit dem neuen Gyrocopter umher und erforschen das vielfältige Kyrat alternativ aus der Luft.

Das ist schlecht

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Ubisoft ausschließlich die bewährten Zutaten des Vorgängers in einen Topf wirft und lediglich ein wenig anders würzt. Abermals haben wir einen Psychopathen als Bösewicht, abermals durchleben wir den Werdegang zum Killer, abermals spulen wir Open-World-üblich repetitive Nebenaufgaben ab. Zudem findet dabei nicht einmal ein großartiger technischer Sprung statt. Ein bisschen Next-Gen-Politur abkratzen, dann sind wir wieder beim Vorgänger. Tatsächlich finden wir das alles aber gar nicht so wild, da das Spiel nicht mehr braucht, um einen Heidenspaß zu machen!
Wirklich schade ist lediglich, dass man die Berge in der Ferne nur im Zuge bestimmter Missionen besteigen kann, und viel zu selten Schnee unter unseren Stiefeln knirscht. Jammern auf hohem Niveau, ihr wisst schon.

Krawalliger Open-World-Shooter mit gigantischem Umfang. Far Cry 4 bleibt der Erfolgsformel des Vorgängers treu und bietet Spaß für Wochen. Neben der grandiosen Spielbarkeit überzeugt eine toll inszenierte Geschichte mit facettenreichen Figuren, die nur auf den ersten Blick gängige Klischees bedienen.