F1 2022 im Test für Xbox Series & PlayStation 5 – Der König des Motorsports ist zurück und greift auch in diesem Jahr nach dem Thron des Racing-Genres. Im neuesten Ableger der jährlichen Rennsimulation von Codemasters und EA Sports schlüpfen wir mit „F1 2022“ erneut in die Schuhe der besten Formel 1 Piloten der Welt und werden noch tiefer in die Welt auf und abseits der Rennstrecke gezogen. Was neu ist und ob es sich dabei wirklich um ein Upgrade oder lediglich ein kleineres Update des Vorgängers handelt, verraten wir euch in unserem Test.

Spielreihen à la „FIFA“ oder „Call Of Duty“, die auf jährliche Ableger eines Titels vertrauen, stehen bekanntlich nicht in Verdacht, vor Innovation und Kreativität zu strotzen. So erfindet auch „F1 2022“ das virtuelle Lenkrad nicht neu, weiß jedoch durchaus durch sinnvolle Überarbeitungen der Fahrphysik sowie der künstlichen Intelligenz unserer Kontrahenten zu überzeugen.

Nach der Übernahme des traditionellen Entwicklers der F1-Reihe Codemasters durch EA Sports im vergangenen Jahr stellt „F1 2022“ nun den ersten Teil der Reihe dar, der gänzlich unter der Flagge des kanadischen Industrieriesen entwickelt wurde. Den EA’schen Stempel spürt man bei einem Blick auf die Features des diesjährigen Formel-1-Titels sofort. Hier wird hauptsächlich das Leben abseits der Strecke in den Mittelpunkt gestellt, wodurch der Spieler selbst durch mehr Individualität und angestrebte Immersion in den Vordergrund rücken soll.

Das ist neu

„F1 2022“ präsentiert zum ersten Mal den neuen „F1 Life“-Modus. Dahinter verbirgt sich ein virtuelles Zuhause, das durch zahlreiche Einrichtungsoptionen von Wandfarbe, über Bodenbeläge bis hin zum Mobiliar recht frei gestaltet werden kann. Hier werden auch gewonnene Trophäen und andere Auszeichnungen ausgestellt, um diese anschließend mit Freunden, die das virtuelle F1-Zuhause besuchen können, zu teilen.

Natürlich muss man sich vorher auch selbst in Schale werfen. Denn auch den eigenen Avatar gilt es mit verschiedensten Accessoires möglichst stylisch einzukleiden. Zu Beginn steht dabei jedoch nur eine sehr eingeschränkte Auswahl zur Verfügung. Weitere Einrichtungs- und Kleidungsoptionen werden im Spielverlauf oder aber über Mikrotransaktionen freigeschaltet. Ob man all das in einer Rennsimulation jedoch wirklich braucht, ist zumindest stark zu bezweifeln.

Ähnliches gilt auch für den Einzug der neuen Supercars in „F1 2022“. Dieses Jahr setzen wir uns nicht nur hinters Steuer der Formel-1-Boliden, sondern können auch die Kontrolle über einige moderne Supercars wie den Mercedes AMG GT Black Series, Ferrari Roma oder McLaren Artura übernehmen. Insgesamt zehn dieser PS-Protze stehen zur Verfügung. Diese können im persönlichen Show-Room ausgestellt oder im neuen Modus „Pirelli Hotlaps“ auf die Strecke geführt werden.

Die wichtigsten Neuerungen in „F1 2022“ liegen jedoch auf der Rennstrecke. Durch die zahlreichen Reglement-Änderungen in der realen Formel 1 zu Beginn der aktuellen Saison musste sich auch der virtuelle Ableger zum Teil neu erfinden. „F1 2022“ besticht dabei erneut durch das vollständige Lizenzpaket der Formula 1 und bringt somit alle Boliden und Rennstrecken originalgetreu ins heimische Wohnzimmer. So haben es nicht nur die breiten Seitenkästen des Ferraris, sondern natürlich auch der brandneue Kurs des Miami International Autodrome, sowie die veränderten Streckenführungen in Melbourne, Abu Dhabi und Barcelona ins Spiel geschafft.

Eine weitere Option, das Rennwochenende gehörig aufzumischen, liefern die neuen Sprintrennen. Ganz wie im realen Gegenstück wird hier in kürzeren Rennen um die Pole Position für den folgenden Renntag gekämpft. Diese Sprintrennen sind wahlweise vor jedem Grand Prix verfügbar. Wer jedoch auf Realismus setzt, kann diese natürlich auch nur an den im originalen Rennkalender vorgesehenen Wochenenden aktivieren.

Durch immersive Elemente während der Einführungsrunde sowie die Boxenstopps kann man auf diese Momente des Rennens nun größeren Einfluss nehmen. So sorgt gut getimtes Einlenken für schnellere Boxenstopps und präzises Anhalten für eine bessere Position in der Startaufstellung.

Die Steam-Version von „F1 2022“ liefert außerdem erstmalig einen vollständigen VR-Support, um den Adrenalinrausch der Rennsimulation noch intensiver zu gestalten. Auf den Konsolen wird Virtual Reality vom Spiel jedoch leider nicht unterstützt.

Das ist gut

Die große Stärke von „F1 2022“ liegt ganz eindeutig auf dem digitalen Asphalt. Durch die zahlreichen Neuerungen an den realen Boliden musste auch die Fahrphysik ihrer virtuellen Pendants grundlegend überarbeitet werden. Und das zahlt sich aus. Während die Autos im Vorgängertitel noch regelmäßig ausbrachen und das Überfahren der Curbs einer Lotterie gleichkam, liegen die Fahrzeuge nun deutlich besser auf der Strecke.

Die Fahrphysik ist verlässlich und nachvollziehbar. Die enorme Geschwindigkeit und die dadurch wirkenden Kräfte sind jederzeit spürbar. Noch immer kann man den eigenen Boliden jederzeit verlieren, doch dann eben durch einen falschen Steuerungsinput und nicht durch reine Willkür des Spiels, welche so manchen Rennfahrer in „F1 2021“ noch regelmäßig verzweifeln ließ.

Das Verhalten der Curbs wurde ebenfalls vollständig auf links gedreht. Diese gerieren sich nun weitaus realistischer und können an den vorgesehenen Stellen problemlos überfahren werden, um die letzten Hundertstel herauszukitzeln.

Auch der KI wurde ein Feintuning verpasst, so dass diese nun adaptiv agiert. Die künstlichen Fahrer lernen nun dazu und verhalten sich ähnlich ihren menschlichen Vorbildern. Dadurch kommt es auf der Strecke vermehrt zu spannenden Duellen. Während die KI in vergangenen Ablegern meist beinahe Carrera-Bahn-ähnlich die immer gleichen Linien fuhr, attackieren die computergesteuerten Fahrer sich nun auch gegenseitig. Das sorgt für mehr Abwechslung und führt gelegentlich zu Fehlern, die der Spieler für sich nutzen kann.

Motorsportliebhaber werden sich besonders am verbesserten Sound der Motoren erfreuen. Vorbei die Zeiten, in denen man sich fühlte, als würde man einen verdammt schnellen Staubsauger über die Strecken jagen. Wenn der Ferrari V6 Turbomotor nun zum ersten Mal aufheult, ist Gänsehaut vorprogrammiert.