Das ist gut/schlecht:

Die Formel 2 gilt ja bekanntlich als Backform für neue Formel-1-Piloten und fungiert von daher als idealer Einstieg in den neuen Karriere-Modus. Nachdem ihr euch einen eigenen Fahrer gebastelt habt, erlebt ihr mit diesen eine anhand von Zwischensequenzen erzählte Story rund um euren Teamkollegen Lukas Weber und euren erbitterten Konkurrenten Devon Butler. Über altgediente Klischees kommt diese jedoch nicht heraus, was aber eigentlich egal ist, da nach gerade mal drei Events bereits der Einstieg in die Königsklasse ansteht, und die Geschichte von da an wieder stark in den Hintergrund rückt.

Dass sich die grundsätzlich lobenswerten Cutscenes nicht durch die gesamte Karriere ziehen, und der narrative Part bald im Wesentlichen auf Interviews und Texteinblendungen zusammenschrumpft, hat uns zwar befremdet, aber wir sind ja schließlich zum Fahren hier. Und was das betrifft, leistet sich „F1 2019“ erwartungsgemäß keine Schnitzer. Der Anspruch an die Steuerung lässt sich dank vieler Fahrhilfen von Arcade bis Simulation verschieben, wobei die Lenkung stets präzise und sauber reagiert.

Während sich Anfänger von Ideallinie oder Rückspulfunktion für ein flottes Rennen unter die Reifen greifen lassen, schalten Profis Tinnef wie Traktionskontrolle oder ABS direkt ab, absolvieren komplette Trainingsläufe, Qualifyings und spielen die volle Renndistanz stilecht  mit Lenkrad. Echte Könner justieren während des Rennens sogar Faktoren wie die Aerodynamik und wählen einen Schwierigkeitsgrad im oberen Drittel der mit 110 verschiedenen Stufen abermals enorm fein zu justierenden KI.

Mit den Boliden der Formel 2 (derzeit sind noch die Teams und Fahrer von 2018 am Start, die Daten der aktuellen Saison werden im Laufe des Jahres kostenlos via Update nachgereicht) fährt es sich aufgrund des geringeren Gewichtes dabei natürlich gleich ganz anders. Noch extremer fällt der Unterschied jedoch bei den Classic Cars aus, die mit einem wöchentlich stattfindenden Event während der Karriere zwar für Abwechslung sorgen, eine davon losgelöste eigene Saison jedoch vermissen lassen.

Wie bereits im Vorjahr hat die Wahl eures Teams großen Einfluss auf die von euch verlangten Leistungen. Wer es wagt, bei Mercedes anzuheuern, sollte schon regelmäßig eine Champagnerdusche nehmen, während kleinere Teams euch bereits für ein paar Punkte feiern. Hüben wie drüben sammelt ihr durch eure Leistungen Erfahrungspunkte, die ihr in die Entwicklung eures Wagens investiert, und feilt abseits der Strecke in den Interviews an eurem Ruf. Letzteres Feature ist jedoch abermals arg durchschaubar und damit reichlich oberflächlich geraten.

Dafür ist die Grafik in diesem Jahr nochmals einen Zacken realistischer und edler. „F1 2018“ sah ja schon fett aus, aber die 2019er-Inkarnation übertrumpft den Vorgänger mit äußerst sehenswerten Reflexionen auf den Rennwagen, einer rundum überarbeiteten Ausleuchtung der Strecken, was vor allem die Nachtrennen wie zum Beispiel in Singapur zu einem spektakulären Erlebnis macht, und fantastischen Wettereffekten – insbesondere bei Fahrten im Regen. Beim Vergleich der Konsolenversionen geben sich die beiden Primusse Xbox One X und PS4 Pro nicht allzu viel. Ansonsten gilt wie so oft: Xbox One X schlägt PS4 Pro schlägt PS4 schlägt Xbox One. Schämen muss sich aber keine Version.

Online könnt ihr euch nach wie vor in Einzelrennen und Meisterschaften Erfahrungspunkte und Credits zum Individualisieren von Avatar und Rennsemmel verdienen. Letztere lässt sich dabei erstmals auch mit einer über einen Editor selbst erstellten Lackierung versehen. Darüber hinaus tretet ihr in wöchentlichen Events an oder beweist euch im neu eingeführten Ligen-System, welches sich dank der Fülle an Optionen hinsichtlich der Rennbedingungen vor allem bei Wettbewerbs-Spielern großer Beliebtheit erfreuen dürfte.

Der König ist tot, es lebe der König! „F1 2019“ übertrumpft den Vorgänger mit vielen klugen Detailverbesserungen, noch mehr Realismus und noch edlerer Grafik souverän. Dank der neuen Formel-2-Lizenz und dem starken Online-Auftritt stimmt auch der Umfang. In Sachen Story gibt es zwar noch Verbesserungsbedarf, ansonsten schrammt „F1 2019“ hart an der Perfektion.

„F1 2019“ ist für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.