Man mag nicht ganz zu Unrecht infrage stellen, wie groß der Kaufanreiz eines dieser alljährlichen Sportspiel-Updates überhaupt ist. Abseits einer meist eher geringfügigen technischen Verbesserung und mal mehr, mal weniger gelungenen neuen Modi gibt es meistens nicht viel Neues. Bei der offiziellen Formel-1-Reihe sieht das allerdings anders aus. Nach dem reichlich mageren Start auf der seinerzeit noch recht neuen Konsolengeneration, der viele (gute) Features der Vorgänger vermissen ließ, war noch reichlich Platz nach oben. Haben die Herrschaften aus dem Hause Codemasters die letzten 12 Monate also genutzt, um für ‘F1 2016’ die Karre wieder flottzukriegen?

Darum geht's:

Als offizielles Abbild des populären Rennzirkus versteht sich ‘F1 2016’ als waschechte Simulation. Arcade-Raser werden hier wohl weniger Freude finden, dafür kommen Fans von zig Konfigurationsmöglichkeiten voll auf ihre Kosten. Aber keine Sorge, auch Anfänger haben dank optionaler Fahrhilfen, Rückspulfunktion und Traktionskontrolle durchaus eine Chance. Es steht euch ohnehin frei, unter welchen Bedingungen ihr den endlich wieder vorhandenen Karrieremodus angeht. Denn abgesehen vom grundsätzlichen Schwierigkeitsgrad, entscheidet schon die anfängliche Wahl des Rennlagers über die an euch gestellten Anforderungen. Die Mannen von Ferrari erwarten natürlich konsequente Siege von Beginn an, während euch ein Vertrag bei Renault zum Beispiel ganze 10 Saisons Zeit lässt, um das Treppchen zu bestiegen. Hüben wie drüben sammelt ihr Karrierepunkte, an der sich euer Fortschritt und das fahrerische Können messen lassen und die sogenannten Ressourcen-Punkte, mittels derer ihr euer Fahrzeug nach und nach verbessern könnt. Dabei gilt: Je härter die Bedingungen, unter denen ihr das Rennen bestreitet, desto mehr Punkte gehen auf eurem Konto ein. Wer sich von der umfangreichen Karriere eine Pause gönnen möchte, dreht seine Runden in Einzel- und Zeitrennen, oder geht online gegen bis zu 21 weitere menschliche Gegner an den Start.

Das ist gut:

So macht die Formel 1 wieder Spaß! Die Mannen von Codemasters bügeln nahezu alle Schwächen des Vorgängers aus und präsentieren wieder ein vollwertiges Gesamtpaket. Das Handling der Boliden ist je nach Können individuell einstellbar, aber immer feinfühlig und knackig. Der Karrieremodus motiviert nicht zuletzt dank der sammelbaren Ressourcenpunkte, eines prominent besetzten und komplett animierten Fahrerlagers sowie seines Umfangs für Wochen. Das Safety-Car ist wieder zurück, ihr könnt auf Wunsch eine Einführungsrunde fahren und einen manuellen Start hinlegen. Auch optisch gibt sich ‘F1 2016’ dank toller Licht- und Wettereffekte, detaillierter Fahrzeuge und originalgetreu nachgebildeter Kurse keine Blöße. Insbesondere der neu hinzugekommene Stadtkurs Baku in Aserbaidschan macht in grafischer wie auch in spielerischer Hinsicht eine tolle Figur. Glücklicherweise hat auch die KI dazugelernt und fährt nun nicht mehr, als sei sie Bestandteil eines Rüpel-Rasers wie ‘Need for Speed’.

Das ist schlecht:

Bei all der gebotenen Qualität bleiben dennoch auch bei ‘F1 2016’ einige Wünsche offen. So kommt es trotz der erwähnten Verbesserung immer noch zu vereinzelten unverständlichen Remplern des CPU-Fahrerfeldes. Vor allem aber vermissen wir einen Splitscreen für gesellige Runden auf der Couch und den beliebten Classic-Modus. Des Weiteren wiederholen sich die Audiokommentare sowie die Animationen der NPC viel zu schnell, deren Gesichter außerdem gerne etwas mehr Lebendigkeit und Lippensynchronität hätten vertragen können.

Fazit: Rundum verbesserte F1-Simulation, die den abgespeckten Vorgänger vergessen macht. Eine ebenso umfangreiche wie motivierende Karriere? Check! Zig Einstellungsmöglichkeiten und Upgrade-System? Check! Online-Rennen mit 22 Fahrern, schicke Grafik und gutes Handling? Alles drin in ‘F1 2016’! Trotzdem vermissen wir nach wie vor einen Splitscreen- sowie Classic-Modus.F1 2016 ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.