Expeditions: Rome im Test: Packendes Rundentaktik-RPG im Alten Rom – Nunmehr drei Teile existieren mit dieser neuen Veröffentlichung zur „Expeditions“-Reihe. Nachdem sich Vorgänger „Expeditions: Viking“ wenig überraschend als taktischer Ausflug in die Wikingerzeit erwies, trägt auch „Expeditions: Rome“ die Ära im Namen. Es geht ins Alte Rom – genauer: In die Zeit des Feldherren Lukull. Als junger römischer Legat müssen wir in Hexfeld-Gefechten unserer rundentaktisches Geschick unter Beweis stellen und einer Geschichte um den Verrat an unserem Vater auf den Grund gehen. Ob der neueste Ableger ein glorreicher Triumphzug über die Langeweile oder doch eine vernichtende Niederlage ist, verrät unser Test.

Darum geht es:

Es ist die Glanzzeit des Feldherren Lucius Licinius Lucullus: Lukull. Während er auf dem Schlachtfeld brilliert, kommt es zu Anfang der Handlung des Spiels zu einer Tragödie, welche den Lauf unseres selbstkreierten Spielcharakters beeinflusst: Unser Vater stirbt und alles sieht danach aus, als habe ein Senator, welchen es nach unserer Schwester gelüstet, seine manikürten Finger im Spiel. Nach dieser kurzen Einführung machen wir uns auch schon daran, unseren Charakter (wahlweise männlich oder weiblich) zu erschaffen.

Der muss aus Furcht vor dem Zorn besagten Senators die Heimat verlassen. Zusammen mit unserem alten griechischen Berater fliehen wir gen Lesbos, wo wir uns als Tribun Lukulls Armeen anschließen sollen. Wir wählen dafür aus einer Handvoll von Vorgaben Gesicht, Körpermaße und Erscheinungsbild, bevor wir uns – ganz antiker Römer – für Vor- und Familien- sowie Ehrennamen entscheiden. Dann geht es charakterlich ans Eingemachte: Wir selektieren zwischen Ethos, Logos und Pathos, um eine der Weltsichten und Herangehensweisen zu bestimmen, mit denen unser Charakter sein Gegenüber bei Gesprächen zu überzeugen trachtet.

So nutzen wir entweder unsere Autorität, appellieren an Logik und Vernunft oder manipulieren Gesprächspartner geschickt. Bereits unsere Testversion war dabei vorbildlich lokalisiert, sowohl schriftliche als auch voll vertonte Dialoge empfangen uns in gutem Deutsch und in entsprechend der Epoche des Spiels gehobener Sprache, von ein paar unübersetzten Schaltflächen noch abgesehen. Wir gehen aber mal davon aus, dass die in der Finalversion Geschichte sein dürften. Apropos Geschichte: Ehe wir uns versehen, finden wir uns in besagter Handlung auch schon mit unserem Charakter an Bord eines Schiffes wieder.

Hier lernen wir, die ersten Dialoge zu führen – und treffen an Bord auf einen historischen Charakter von höchster Wichtigkeit für Rom, den wir an dieser Stelle aber nicht spoilern möchten. Ehe wir uns versehen, beginnt auch schon das „richtige“ Tutorial – der Kampf: Ein Piratenangriff versetzt uns in die Rundentaktik. Er überlagert ein Hexfeld-System nun das Spielfeld und der Rundentaktik-Part wird uns nahegebracht. Als erstes gilt es, unseren Charakter und seine Mannschaft klug zu platzieren.

Im Wechsel kontrollieren wir unsere verschiedenen Begleiter und unser Alter Ego, lassen Angriffe und taktische Manöver auf die Gegner hageln. Aus dieser Kombination aus relevanten Dialogen, welche die Handlung fortführen, sowie den taktischen Gefechten setzt sich die hauptsächliche Gameplay-Schleife zusammen, aus der „Expeditions: Rome“ gekonnt Langzeitmotivation zieht.

Das ist gut:

Bei den mitreißend vertonten Taktikkämpfen setzen wir nicht nur auf die üblichen Systeme aus Aktionspunkten und Bewegungsreichweiten, wie man sie von etlichen Genre-Schwergewichten Marke „XCom“ und dergleichen kennt. Die Tatsache, dass wir als Legat und nunmehr Tribun von verschiedenen männlichen Begleitern und einer Spionin mit einer ganzen Bandbreite an Ausbildungen, Skills, Manövern und Kampfschwerpunkten gesäumt werden, wurde superb in die Rundentaktik übertragen.

Unser Kumpan Aquillus der Zenturio etwa, setzt auf Turmschild und Gladius, mit denen er sich schützen und zugleich Feinde wuchtig von den Beinen holen kann, Gladiator „Bestia“ macht seinem Namen mit fiesen, besonders schnellen Manövern und seinem Charisma alle Ehre, Spionin Julia Calida tötet flüsterleise mit Pfeil und Bogen und selbst unser alter Berater weiß seinen Wanderstab auch im Kampf vortrefflich zu nutzen. Ein besonders interessantes Detail, welches bei einigen unserer Charaktere deren spezielle militärische Ausbildung widerspiegelt:

Entledigen wir uns solcher Gegner, welche ihrerseits nur Zivilisten oder Aufständische sind, können unsere Berufssoldaten ihren Aktionspool einfach wieder füllen – es hat ihnen kaum Mühe bereitet, Amateure zu bezwingen. Eine ebenso simple wie gelungene Idee, um widerzuspiegeln, dass wir als Trupp von Experten die Antike erkunden. Apropos Expertise: Erst nach diesem ersten Kampf gegen die „Piraten des Mittelmeers“ in der Quest folgt auf einen kurzen Ladebildschirm das nächste Feature der Charaktererschaffung: