Das ist schlecht:

Nachdem wir das erste Mal mit Hulk in einer Singleplayer-Mission ordentlich Radau machen durften, war das noch angenehm befriedigend. Wenn wir dann aber in einer der War-Zones mit dem grünen Hünen aufgrund einer geringeren Kraftstufe plötzlich genauso oft auf die feindlichen Roboter einkloppen müsst, wie mit der jungen Kamala, rebelliert das Fan-Herz.

Ja, Iron Man kann fliegen, aber abseits einer speziell dafür ausgelegten Mission auch nur so schnell, wie Black Widow oder Cap laufen. Zwar verfügen alle Figuren über einen ganzen Schwung Talentbäume, die das Moveset erweitern, aber von den zwei kleinen und dem großen Spezialmanöver einmal abgesehen, hat man die Individualität der Heldentruppe spielerisch quasi aufs Kosmetische eingedampft.

Da die Steuerung in den mitunter chaotischen Schlachten dazu noch etwas schwammig geraten ist, und man bei großem Gegneraufkommen ohnehin aufs Geratewohl wild um sich prügelt, während man von allen Seiten beschossen wird, geht auch das im Effektgewitter schnell mal verloren.

Und ausgerechnet da, wo ein optisches Feedback wiederum wichtig gewesen wäre, beschränkt man sich auf ein im Hintergrund arbeitendes Rechenwerk: den Loot. Ihr findet nämlich für alle Figuren individuelle Ausrüstungsstücke in unterschiedlicher Wertigkeit, aus denen sich eure Kraftstufe errechnet. Das kennt man aus ähnlich gearteten Spielen wie „The Division 2“ oder „Destiny“. Doof nur, dass man keines diese Ausrüstungstücke an den Figuren sieht.

Bedenkt man jetzt, dass es auf der anderen Seite unzählige Skins für eure Helden gibt, die ihr entweder Ingame grinden oder eben für Echtgeld erwerben müsst, wird schon recht deutlich, woher der Wind weht. Aber immerhin, ist das alles nicht spielentscheidend, so dass wir es zumindest nicht mit irgendwelchen dubiosen Pay-to-win-Angeboten zu tun haben.

Dennoch kommt dem Loot trotz aller Versuche – mit Elementareffekten hier und passiven Boni dort – wichtig zu wirken, eher untergeordnete Bedeutung bei, womit sich eine der Hauptmechaniken selber aushebelt, die für die Langzeitmotivation doch so irre wichtig ist.

Das Missionsdesign kann es aktuell jedenfalls nicht rausreißen, welches darin besteht, dass ihr euch immer wieder in den gleichen Gebieten mit den immer gleichen Gegnern kloppt. Haltet Punkt A soundso lange, besiege x-Gegner, schnarch.

Im Laufe der Kampagne hofft man teilweise förmlich schon darauf, dass doch bitte endlich die nächste Zwischensequenz beginnen möge. Wie mag es da auf Dauer erst im Multiplayer sein?

Und während die Optik in den schlauchigen Einführungsmissionen zu Beginn noch absolut überzeugt, erfährt man in den grauenhaft generischen War-Zones rasch eine herbe Ernüchterung, die wirken als hätte jemand gelangweilt eine Kiste voller Levelbausteine auf einem Teppich ausgekippt.

Das Spiel lief im Zuge unserer Session recht flüssig, lediglich bei hohem Gegneraufkommen kam es hier und da zu leichten Slowdowns. Optisch hat die One X mit einem schärferen Bild die Nase etwas vorne, dafür erschien uns die Steuerung auf der PS4 hingegen etwas präziser. Von diversen Bugs und Glitches sind indes beide Versionen gleichermaßen betroffen.

Fazit:

Toll inszeniertes Superhelden-Spektakel mit überraschend gut geschriebener Geschichte, bei der sich das Fan-Herz am liebsten begeistert mit Popcorn vollstopfen möchte. Spielerisch verliert sich „Marvel’s Avengers“ jedoch in monotonem Gekloppe auf bestenfalls solidem Niveau.

„Marvel’s Avengers“ ist für PS4, Xbox One, PC und Google Stadia erhältlich.