Das ist gut:

Dass die Einstiegsmission auf der Golden Gate Bridge inszenatorisch was drauf hat, wussten wir ja schon länger, aber dass die Macher für „Marvel’s Avengers“ dann doch eine so potente Singleplayer-Kampagne geschrieben haben, hat uns überrascht. Schon auf der Convention auf dem Heli-Carrier fühlen wir uns der aufgeregten Kamala sehr verbunden, die auch im weiteren Verlauf wunderbar als Bindeglied zwischen dem Spieler und den berühmten Helden fungiert.

Die junge Frau ist nämlich nicht nur mit überbordenden Enthusiasmus gesegnet, sondern auch von den ganz normalen Zweifeln geplagt, mit denen sich Teenager nun mal so rumschlagen, die versuchen zwischen einem Hulk und einem Iron Man zu vermitteln. Ihre optimistische Menschlichkeit mach Kamala zu einer äußerst sympathischen Identifikationsfigur, zumal sich „Marvel’s Avengers“ narrativ auch Zeit für ruhige Zwischentöne nimmt, die der Kampagne ordentlich Popcorn-Kino-Flair verleihen.

Gestützt wird das Film-Feeling durch grafisch aufwendig gestaltete Charaktermodelle mit teils fantastisch detaillierten Animationen. Diese mögen zwar nicht mit den Schauspielern aus dem MCU besetzt sein, fangen den Charme aber dennoch gekonnt ein, so dass man sich zumindest an den „neuen“ Gesichtern nach kürzester Zeit schon nicht mehr stört.

Was die Synchro betrifft, sei an dieser Stelle allerdings nachdrücklich auf die englische Tonspur verwiesen. Denn auch wenn die deutschen Sprecher sich durchaus Mühe geben, gelingt es den originalen Darstellern einfach viel besser, den Figuren Leben einzuhauchen.

Und so macht der Auftakt trotz recht enger Schlauchlevel und strikter Spielerführung dann auch durchaus Lust auf mehr, bis wir einige Stunden später in unserer Basis hocken und sich das Korsett etwas öffnet.

Entweder wir folgen weiter der Geschichte, oder wir starten die Jagd nach besserer Ausrüstung in den diversen Nebenmissionen, gerne auch im Zuge der sogenannten „Avengers Initiative“ im Mehrspielermodus, zu dem ihr jederzeit wechseln dürft.

Im Laufe der Kampagne sind wir natürlich nicht nur auf Kamala beschränkt, sondern übernehmen nach und nach die Kontrolle über die gesamte Heldentruppe. Verwirrung in Sachen Steuerung müsst ihr dabei nicht befürchten, denn zum einen wird euch jede Figur in zig Tutorials genau erklärt, und zum anderen verfügen alle Charaktere im Prinzip über vergleichbare Movesets.

Schwere und leichte Angriffe, Kombos, Fernangriffe und Takedowns sehen zwar bei jeder Figur anders aus, fühlen sich aber stets gleich an. Das dient freilich der Zugänglichkeit, ist aber nur die Spitze der Probleme, mit denen „Marvel’s Avengers“ zu kämpfen hat.