Es ist keine Schande, wenn man beim ersten Blick auf Dying Light glaubt, es mit einem Nachfolger von Dead Island zu tun zu haben. Immerhin hat der Titel die gleichen Eltern. Doch dem jüngsten Kind von Techland wurde gewissermaßen eine andere Erziehung zuteil, und es weist somit genug Alleinstellungsmerkmale auf, um als eigenständige Marke zu gelten.

Darum geht's:

Warum wir nun in einer großen von Zombies verseuchten Stadt herumirren, und wo die Biester überhaupt herkommen, wissen wir nicht, ist aber eigentlich auch ziemlich wurscht. Wichtig ist, dass wir unsere täglichen Streifzüge ordentlich nutzen, um uns auf die Nacht vorzubereiten. Sei es durch das Installieren von Fallen, das Aufrüsten unserer Todbringer – wir bekamen beispielsweise eine elektrifizierte Machete zu Gesicht – oder das schlichte Aufleveln unseres Charakters durch absolvierte Missionen. Denn wenn erst die Sonne untergeht, ist Schluss mit der relativen Sicherheit. Haben wir am Tage noch relativ locker Zombies im Dutzend in ihre Einzelteile zerlegt, werden unser aller Lieblingsgegner bei Nacht deutlich zäher, stärker und agiler. Zudem kriechen in der Dunkelheit die lichtscheuen Predatoren aus ihren Löchern und machen bei Entdeckung gnadenlos Jagd auf uns. Also ist Flucht angesagt, wobei wir die Freerunning-Künste unseres Charakters nutzen, um zu entkommen. In diesen Sequenzen erinnert Dying Light stark an Mirror's Edge, nur dass uns hier der Angstschweiß in die Augen rinnt. Wohl dem, der zuvor Autobomben scharfgemacht hat, die er im Vorbeilaufen per Fernbedienung zündet, oder am Tag das Kraftwerk wieder ans Netz brachte, um herabgestürzte Elektrozäune hinter sich unter Strom zu setzen.

Das ist gut:

Für die Verhältnisse einer Zombieapokalypse verläuft der Tag recht chillig. Klar müssen auch hier Zombiehorden umgangen oder mühsam niedergeknüppelt werden, und natürlich sorgen diverse Missionen für Stress, doch die Motivation, die riesige Stadt Harran zu erforschen, ist groß. Wer sich dabei nun zu weit vom Safehouse entfernt, der darf in der Nacht vor der wahren Stärke von Dying Light erzittern: das erstaunlich greifbare Gefühl einer echten Bedrohung und die damit einhergehende panische Flucht! Zwar kann man umherschleichen, die Herden meiden oder Köder werfen, doch wimmelt es derart von Untoten, dass man auf kurz oder lang entdeckt wird. Und nein, ihr werdet nicht stehenbleiben und kämpfen können. Versucht das, und ihr seid tot. Punkt! Also wird gerannt, geklettert, geslidet, jede Falle ausgelöst, die man findet, bis man denn endlich in Sicherheit ist, um im Einklang mit dem digitalen Alter Ego seinen Atem wieder zu beruhigen.

Das ist schlecht:

Während unserer Anspielsession hatten wir so unsere Probleme mit der etwas hakeligen Steuerung. Die Sprung- und Kletteraktionen ausgerechnet auf den rechten Trigger zu legen, ist alles andere als komfortabel. Aber gut, man wird die Steuerung sicherlich konfigurieren können oder sich eben dran gewöhnen. Man lernt schnell, wenn das Hirn auf 'Überleben' schaltet!

Man mische Dead Island mit Mirror's Edge, füge einen ordentlichen Schuss Panik hinzu, und schon hat man den Salat: Eine ansehnliche Open-World-Zombieapokalypse, die besonders bei Nacht eine äußerst bedrohliche Atmosphäre aufbaut und wilde Hetzjagden vor dem Kampf zum zentralen Spielelement erhebt.