Die Urlaubsangebote des Reiseveranstalters Techland führten bei der Kundschaft bisher zu geteilten Meinungen. Die einen hatten mit den Freizeitmöglichkeiten auf der Insel einen Heidenspaß und zogen gut gelaunt mit ihren Kumpels los, um die Einheimischen zu begrüßen, während die anderen stur im Hotel sitzen bleiben, weil ihnen nicht gefiel, was sie draußen sahen oder ihnen das Ganze ganz einfach zu blöd war. Nun haben die Entwickler aus Polen ein neues Reiseziel in petto, und auch das wird dazu führen, dass ein Teil der Familie meckert. Denn Entspannung am Strand ist diesmal nicht. In Harran steht der Sport im Vordergrund!

Darum geht's:

Wer im Leben auch nur einen Zombiefilm gesehen hat, der weiß im Kern, worum es in Dying Light geht. In der fiktiven türkischen Stadt Harran verwandelt ein Virus die Einwohner in blutrünstige Bestien. Natürlich wird das Gelände weiträumig abgeriegelt, und während Wissenschaftler verbissen nach einem Heilmittel suchen, plant das Militär die komplette Vernichtung. Im Auftrag einer Hilfsorganisation, welche Lebensmittel und den Hemmstoff 'Antizin' per Luftbrücke an die Überlebenden verteilt, springt ihr in der Rolle des Agenten Kyle Crane über Harran ab, um die gestohlene Formel für einen designierten Impfstoff sicherzustellen. Gleich nach der Landung werdet ihr gebissen, und seid fortan auf Antizin und damit auf die Hilfe der anderen Überlebenden angewiesen. Doch damit diese euch beistehen, müsst ihr erst mal ihnen helfen.

Das bedeutet in der Praxis, dass ihr in Ego-Sicht durch die zombieverseuchte Stadt gescheucht werdet, und dabei versucht, möglichst heil von A nach B zu kommen. Dazu stehen euch nicht nur die Techland-typischen Nahkampfwaffen wie Gasrohre, Schraubenschlüssel oder Macheten zur Verfügung, sondern vor allem eure enorme Agilität. Ein Knopf auf die R1-Taste reicht aus, und Kyle nutzt jeden erdenklichen Vorsprung, um sich in die Vertikale zu ziehen und in bester Parcoursmanier über die Dächer zu flüchten. Als altgedienter Zombieschlächter mag das an eurer Ehre kratzen, doch spätestens wenn die Nacht einbricht, seid ihr kein Jäger mehr, sondern die Beute!

Das ist gut:

Der Tag ist dem Spaß vorbehalten, und sobald ihr die Parcoursmechanik erst mal verinnerlicht habt, wird Harran zu einem gigantischen Spielplatz für vergnügliche Stunden. Wenn ihr dann im weiteren Spielverlauf auch noch den Greifhaken erhaltet, gibt es keine Hindernisse mehr. Doch so richtig dreht das Spiel erst in der Nacht auf, wenn das Endorphin in eurem Körper durch Adrenalin ersetzt wird. Sobald die Sonne untergegangen ist, trefft ihr nämlich auf die Schattenjäger, eine Zombiegattung, die ähnlich agil daherkommt wie ihr, euch mit nur einem Angriff tötet und gnadenlos jagt, seid ihr erst einmal entdeckt worden. Das führt zu äußerst schweißtreibenden und spannenden Verfolgungsjagden, da eure UV-Lampe nur bedingt Schutz vor den lichtempfindlichen Kreaturen bietet. In diesen panischen Situationen zeigt sich dann auch, wie gut die Steuerung funktioniert und ob man am Tage faul war. Wohl dem, der vor Einbruch der Dunkelheit möglichst viele Safe-Zones freigeschaltet hat, die neben Sicherheit auch einen Schlafplatz bieten, um die Nacht heil zu überstehen.
Bei allem was ihr tut, erntet ihr Erfahrungspunkte für das motivierende Talent-System. Wer viel rennt, springt und klettert, erhält Punkte für Akrobatik und erlernt entsprechend neue Fähigkeiten, um sein Bewegungsrepertoire zu erweitern. Wer oft das Messer schwingt, verdient sich längere Waffenhaltbarkeit sowie Spezialschläge, und wer fleißig Aufträge erfüllt und Überlebenden in der Not zur Hilfe eilt, erweitert sein Inventar und erhält neue Baupläne für das Crafting-System. Letzteres ähnelt dabei sehr dem des geistigen Vorgängers und macht aus einem Hammer plötzlich einen Elektroschocker, mit dem Zombiehorden in unterhaltsamen Kettenreaktionen effektiver beizukommen ist.

Auch optisch macht Dying Light eine überraschend gute Figur - im Übrigen auf Playstation 4 und Xbox One gleichermaßen. Tolle Lichteffekte, eine klare Weitsicht und knackige Texturen überzeugen nicht nur in technischer Hinsicht, sondern verleihen dem Spiel eine äußerst dichte Atmosphäre, der man sich immer wieder gerne hingibt. Das ist auch gut so, denn Dying Light ist mit der riesigen Spielwelt und den vielen Haupt- und Nebenmissionen äußerst umfangreich geraten.

Das ist schlecht:

Dying Light legt den Fokus trotz derber Splattereffekte nicht aufs Kämpfen, dennoch ist es äußerst störend und dem Spielfluss nur bedingt dienlich, dass sich die Waffen wie in Dead Island im Laufe der Zeit abnutzen. Den Effekt kann man mit speziellen Skills abmindern, beziehungsweise seine Todbringer mit entsprechenden Gegenständen haltbarer und stärker machen, irgendwann ist euer Lieblingsspielzeug jedoch kaputt. Das mag bei einem Tischbein ja noch realistisch sein, aber was sind denn das bitte für Stahlrohre? Und selbst wenn man sich damit noch arrangieren kann, sind die Kämpfe im Kern äußerst ideenlos inszeniert, da es schlicht nur einen einzigen Schlagknopf gibt, und keinerlei Möglichkeiten, seine Attacken zu variieren. Da hatte Dead Island mehr zu bieten. Auch in anderen Belangen mangelt es Dying Light an Abwechslung. So hübsch die Technik auch daherkommt, kann sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass Harran recht ideenlos gestaltet wurde. Das gilt auch für die immer gleichen Zombiehorden und die repetitiven Aufträge.
Ihr braucht im Übrigen in Deutschland gar nicht erst nach Dying Light suchen, da es hierzulande auf Grund der blutigen Gewaltdarstellung nicht erscheint. Aber wozu gibt es Importhändler …

Lieber fünf Minuten feige – als ein ganzes Leben tot! Am Tag ebenso spaßige wie in der Nacht spannende Zombiehatz, die trotz derber Splattereffekte mehr Wert auf eine gut funktionierende Parcours-Mechanik als auf die Kämpfe legt. Ein blutiger Zombiespaß für Männer, die den Adrenalinrausch suchen!