Ja, Zombies sind mittlerweile out. Allerdings muss man den Mannen des polnischen Entwicklerstudios Techland einerseits zugutehalten, dass sich die kommende Action-RPG-Hatz „Dying Light 2“ schon längst in Entwicklung befand, als die Welt beschloss, „The Walking Dead“ nicht mehr zu gucken, und andererseits, dass sich hier der krönende Abschluss eine Genre-Ära anbahnt. Denn nach der Gameplay-Präsentation auf der diesjährigen Gamescom sind wir sicher, das Spiel wird wie ein verdammt gutes Steak: Fett und blutig!

Selber Hand anlegen durften wir allerdings nicht. Das erledigte der angeblich „beste Dying Light Spieler der Welt“, während uns ein weiterer Mitarbeiter verbal durch die Demo begleitete. Dazu stimmte er uns gleich zur Begrüßung auf das sogenannte Modern Dark Age ein, welches den stilistischen Hintergrund zu „Dying Light 2“ darstellt. Soll heißen, rund 15 Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers, haben sich die Zombies ebenso weiter- wie die Zivilisation zurückentwickelt. Wir befinden uns quasi wieder im Mittelalter, nur halt eben auf dem Fundament einer untergegangenen Moderne.

So schick wir diesen Ansatz auch finden, haben wir es auf den ersten Blick aber zunächst einmal mit der typischen Zombieapokalypse zu tun. Diese ist optisch allerdings schon äußerst ansehnlich in Szene gesetzt, beeindruckt mit toller Weitsicht und vielen Details, soll rund vier Mal so viel Spielfläche bieten wie der Erstling und hat von den Entwicklern die Bezeichnung „narrative Sandbox“ verpasst bekommen. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, dass sich die Spielwelt durch eure Entscheidungen fundamental und unumkehrbar verändert. Und das sieht in der vorgeführten Praxis dann so aus:

In der Haut eines Parkour-Athleten namens Aiden Coldwell ist es eure Aufgabe, die Wasserversorgung in eurem Stadtteil wieder herzustellen. Dummerweise dient das dazu nötige Pumpwerk einer verfeindeten Fraktion als Bastion, die dazu auch noch die Frechheit besitzt, uns zu Beginn der Demo auf eigenem Terrain anzugreifen. Ein willkommener Vorwand, das bewusst auf Nahkampfwaffen beschränkte Kampfsystem zu demonstrieren, das wie gehabt reichlich martialisch daherkommt. Körperteile fliegen umher, Blut spritzt und kurz darauf haben wir die Angreifer in die Flucht geschlagen.

Dabei ist einer unserer Kumpels schwer verletzt worden und wir werden vor die Entscheidung gestellt, bei ihm zu bleiben und Hilfe zu leisten, oder die Invasoren zu verflogen. Natürlich will man uns das im Vergleich zum Vorgänger erweiterte Moveset vorführen, und entscheidet sich für letztere Option. Was folgt, ist eine atemlose Hetzjagd quer durch die Stadt, durch Häuser hindurch, über Dächer und Zombieköpfe hinweg. Aiden läuft dabei agil wie eine Raubkatze an Wänden entlang, zieht sich per Enterhaken einen Kran empor, schwebt mit seinem Gleitschirm über Abgründe hinweg, balanciert auf Seilen und stürzt sich mit einem Zombie als Sprungkissen todesmutig vom Dach.

Das alles sieht irre dynamisch und flüssig aus, selbst als Aiden versehentlich in ein Zombienest stürzt, aus dem er sich nur dank seiner UV-Lampe rechtzeitig befreien kann. Irgendwann ist der fliehende Van tatsächlich eingeholt und eine rabiate Actionsequenz später sitzen wir neben dem verängstigten Fahrer, der seine Unschuld beteuert und um sein Leben zu retten anbietet, uns zu helfen. Natürlich könntet ihr den Knaben einfach abmurksen, allerdings kann er euch im Van auch Zugang zur Pumpwerk-Festung verschaffen. Wir nehmen das Angebot an und konfrontieren alsbald den Chef der Bande. Auch dieser behauptet, mit dem Mord an eurem Kumpel nichts zu tun zu haben, und warnt ausdrücklich davor, die Pumpen wieder in Betrieb zu nehmen.

Aiden pfeift jedoch darauf, drückt den Knopf und wir erleben in einer Cutscene, wie unter den umgeleiteten Wassermassen des Stausees ein zuvor überfluteter Stadtteil und damit ein gänzlich neues Spielareal zum Vorschein kommt. Eigentlich eine feine Sache, wenn am Ende der Demo nicht ein stachelbewehrter Arm aus der feuchten Erde hervorgebrochen wäre und uns damit bedrohlich vor Augen geführt hätte, dass jede vermeintlich gute Entscheidung auch ihre Kehrseite hat.

Es sieht ganz danach aus, als ginge das Konzept der Macher auf. Um alles in „Dying Light 2“ zu sehen, wird man es unweigerlich mehr als einmal zocken müssen. Aber wenn die Nummer sich am Ende tatsächlich so spaßig spielt, wie die Vorführsession versprochen hat, dann machen wir das nur allzu gerne. Am besten im guten alten Koop-Modus mit bis zu vier Kumpels. Hoffen wir mal, dass das Game am Ende nicht ganz so arg durchgescripted ist, wie es die dann doch sehr cineastische Demo vermuten ließ.

„Dying Light 2“ erscheint 2020 für PlayStation 4, Xbox One und Microsoft Windows.