Der durchschnittliche Zocker rettet Welten am laufenden Band, befreit zwei Prinzessinnen pro Monat und legt mehr Endbosse als Hugh Hefner zu Lebzeiten Bunnys. Damit all dieses Heldentum nicht zur tumben Routine verkommt, sollte man sich ab und an auch mal einen Urlaub an der Küste des Bösen gönnen. Das findet auch das deutsche Studio Realmforge und bietet müde gewordenen Gut-Menschen schon seit 2011 kurzweilige Trips ins Reich der Dunkelheit an. Mit „Dungeons 3“ beginnt die Kerker-Saison nun aufs Neue. Ausflüge in die Oberwelt stehen natürlich wieder mit auf dem Programm und auch der bekannte Reiseleiter ist abermals mit an Bord.

Darum geht’s:

„Dungeons 3“ versteht sich als Hommage an das altehrwürdige „Dungeon Keeper“. Soll heißen, dass ihr im Untergrund einen Kerker aushebt, den ihr mit fiesen Lakaien bevölkert und nach und nach erweitert. Dabei lasst ihr eure treuen Schnodderlinge nicht nur diverse Räume ausheben, welche unter anderem neuen Einheiten erschaffen oder vorhandene verbessern, sondern spickt die Gänge auch mit Fallen, um dem immer wieder eindringenden Heldenpack den Vormarsch so schwer wie nur irgend möglich zu gestalten.

Im Gegensatz zum großen Vorbild dürft ihr aber auch die fröhlich-bunte Oberwelt mit euren Truppen in kurzweiligen Echtzeit-Strategie-Scharmützeln brandschatzen und schließlich in ewige Finsternis stürzen. Zwar habt immer noch ihr als schwebende Hand des absoluten Bösen die Geschicke eurer Armee wortwörtlich im Griff, doch Anführerin auf den Feld ist diesmal die Dunkelelfin Thalya. Das übellaunige Mädel steht zu Beginn noch unter der Knute ihres unerträglich heldenhaften Ziehvaters König Thanos, lässt sich jedoch rasch korrumpieren und auf die dunkle Seite der Macht ziehen. 

Wir begleiten den jungen Sprössling der Finsternis fortan durch 20 Missionen und ziehen dabei eine Schneise aus Chaos und Verderben hinter uns her, die geradewegs auf Thaons‘ Entmachtung zuführt.

Das ist gut:

Die einzelnen Missionen erzählen dabei alle eine kleine Geschichte im Gesamtkontext und sind äußerst abwechslungsreich geraten. Hier wollen Wachen ausgehungert, hier Brunnen vergiftet und dort ein dämonisches Riesenvieh auf ein Stadttor gehetzt werden. All dem geht jedoch stets der Bau des eigenen unterirdischen Hauptquartieres voraus, und der gestaltet sich dank vieler kleiner Verbesserungen nun einfacher als je zuvor.

Kasernen, Folterkammern und selbst Friedhöfe wählen wir nun ganz bequem aus einem sinnvoll überarbeiteten und sich stetig erweiternden Forschungsmenü in Form eines übersichtlichen Tech-Trees. Wieder mit dabei sind die drei aus dem Vorgänger bekannten Fraktionen Horde, Dämonen und Untote, die ihr nun allerdings frei kombinieren dürft. Dadurch könnt ihr eure Truppenzusammensetzung frei den Bedürfnissen der jeweiligen Mission anpassen. Sadistische Naturen können zudem gefangen genommene Helden von Sukkubi so lange auspeitschen lassen, bis sie einsehen, dass es viel schöner ist, böse zu sein.

Auch die Schnodderlinge arbeiten nun schneller und zuverlässiger als noch im Vorgänger, was den Kerkerausbau zu einer flotten Angelegenheit macht, die viel Zeit lässt, sich um andere, wichtige Dinge zu kümmern. Dazu gehören natürlich besagte Ausflüge an die Oberwelt, die sich ebenfalls deutlich bequemer organisieren lassen. Das ist auch wichtig, da ihr nur unter freiem Himmel die neue Ressource „Boshaftigkeit“ findet, die neben dem unter der Erde versteckten Gold als Währung für den Basis-Aufbau dient.

Bei allem, was ihr tut, wird euer Treiben stets von einen um keinen Scherz verlegenen Erzähler kommentiert, der abermals von dem Schauspieler Monty Arnold gesprochen wird. Die Texte triefen dabei nur so vor Selbstironie und richten sich gerne auch mal direkt an den Spieler oder verballhornen gar die Entwickler des Spieles selbst. Es kann aber auch genauso gut vorkommen, dass ein Streit mit der ebenfalls äußerst geschwätzigen Thalya entbrennt. Bei alledem wird Humor stets großgeschrieben, der vor so ziemlich keinem popkulturellen Klischee Halt macht.

Auch die bunte Grafik im Comicstil, die vor allem mit ihren liebevollen Animationen und dem coolen Wandel der guten Welt ins Böse überzeugt, trägt ihren Teil zur Gute-Laune-Stimmung bei. Auf technischer Seite läuft das wuselige Geschehen diesmal zudem deutlich flüssiger ab. Wer mag, kann außerdem die Kampagne gemeinsam mit einem Kumpel komplett im Koop-Modus spielen. Kompetitive Naturen stürmen online die Dungeons anderer Spieler.

Das ist schlecht:

Wie schon im Vorgänger vermissen wir die Möglichkeit, unserem Bautrieb auch oberirdisch nachzugehen. Zwar machen die kurzweiligen Echtzeit-Strategie-Ausflüge durchaus Spaß, aber eine Prise Tower-Defense hätte den Missionen zusätzliche Würze verliehen. Schade auch, dass man im Zuge der Kampagne keine anderen Kerkermeister als Gegner vorgesetzt bekommt, um deren unterirdische Festungen zu stürmen. Gerade auf der Oberwelt ist also noch viel Luft nach oben, zumal die Schlachten insgesamt recht oberflächlich und einfach ausfallen.

Was den geradezu verschwenderisch eingesetzten Humor betrifft, werden sich die Gemüter abermals scheiden. Wer mit den Sprüchen und Witzen des Vorgängers nichts anfangen konnte, wird auch hier nicht glücklich, denn „Dungeons 3“ legt noch einmal eine Schippe drauf. Zwar lässt sich der Erzähler auch deaktivieren, allerdings fehlt dem Spiel dann doch ein fundamentales Alleinstellungsmerkmal, welches enorm viel von dem Charme des Titels ausmacht.

Eines noch: Wer mit dem Bedien-Interface nicht so recht klarkommt, der verteilt die Befehle einfach frei auf seiner Tastatur. Mit Shortcuts spielt es sich gleich viel angenehmer!

„Dungeons 3“ ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Noch nie hat böse sein so viel Spaß gemacht! In spielerischer und technischer Hinsicht läuft der Mix aus unterirdischem Kerkerbau und Echtzeit-Strategie auf der Oberwelt nun deutlich flüssiger, und auch in Sachen Abwechslung hat „Dungeons 3“ mehr zu bieten als sein Vorgänger. Eindeutig der beste Teil der Reihe, der aber immer noch viel Luft nach oben lässt.