Immer nur der Gute sein, nervt tierisch. Welten retten, Prinzessinnen befreien, Bedürftigen helfen, bla, bla, bla. Wer in dieser unserer Zeit lebt, weiß, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man am liebsten eine Armee von bösartigen Kreaturen auf die Menschheit hetzen möchte, um diese gnadenlos zu unterjochen. Wer sich wehrt, wird vernichtet, fertig! Ihr kennt derlei Allmachtsfantasien, habt aber keine dämonischen Untergebenen, die für euch in die Schlacht ziehen? Kein Problem, Dungeons 2 kommt ja bald.

Darum geht's

Vielleicht erinnert sich ja noch der Eine oder Andere an den Vorgänger, einen Dungeon-Keeper-Klon aus deutschen Landen. Das Spiel kam nur mäßig bei Presse und Publikum an, doch die Entwickler von Realmforge nahmen dies zum Anlass, ihren Titel einer genauen Analyse zu unterziehen, um im zweiten Teil alles besser zu machen. Nach wie vor geht es darum, als fieser Herrscher seinen Dungeon im Untergrund nach und nach auszubauen und zu verschönern. Zwar klebt euer Avatar aus irgendeinem Grund an seinem Thron fest, doch wofür hat man Minions, welche die Arbeit für einen erledigen!?

Allen voran wären da die Schnodderlinge, die, wenn sie gerade nichts zu tun haben, brav im Thronsaal knien, um euch anzubeten. Da man sich dafür aber nichts kaufen kann, lässt man die Kollegen buddeln und bauen, um nach und nach verschiedene Räume und damit auch weitere Kreaturen freizuschalten. So ist es zum Beispiel sinnvoll, zunächst eine Brauerei in Betrieb zu nehmen, da Orks, die kein Bier bekommen, schnell zornig werden – und anstatt zu arbeiten lieber Schnodderlinge verprügeln, wodurch der Goldabbau stagniert, und so weiter und so fort.
Die Vielzahl der Räume und Möglichkeiten aufzuzählen, würde hier den Rahmen sprengen, weswegen wir gleich zur nächsten wichtigen Neuerung kommen: der Oberwelt. Wer im Vorgänger genervt war von den ewig hereinströmenden Heldengruppen, der darf sich nun endlich rächen und den Menschen seinerseits einen Besuch abstatten. Entsendet dazu eure Einheiten an die Oberfläche und macht alles nieder, was euch in den Weg kommt: Menschen, Elfen und sogar Einhörner, unter deren Hufen Blumen sprießen. Igitt!

Das ist gut

Endlich ist der eigene Dungeon nicht mehr nur ein Vergnügungspark für Helden. Natürlich spielen der Ausbau und die Verteidigung des eigenen Heimes immer noch eine wichtige Rolle, aber die Erforschung der Oberwelt mit Echtzeitstrategiefokus verspricht viel spielerische Abwechslung zur gewohnten Aufbaustrategie. Schön auch der optische Kontrast: Bewegt ihr euch an der frischen Luft zunächst noch durch ein farbenfrohes und lebensbejahendes Setting, unterwerft ihr auch dieses nach und nach eurer Boshaftigkeit. Mit zunehmendem Fortschreiten eurer Truppen und nach siegreichen Kämpfen wird aus glasklaren Gebirgsbächen ein glühender Lavastrom, schwarze Risse durchziehen einstmals grüne Wiesen und Dornenranken ersetzen Blumen. Dabei wird deutlich, mit wie viel Humor die Macher an die Sache herangehen. Traditionelle Rollenbilder des Fantasygenres werden herrlich augenzwinkernd karikiert, was all denen besonders gut gefallen dürfte, die schon immer der Meinung waren, dass Elfen irgendwie … na ja … ihr wisst schon.

Das ist schlecht

In Dungeons 2 gibt es zweifelsohne viel zu tun. Vielleicht sogar zu viel. Denn es könnte durchaus sein, dass es aufgrund des Zweifrontenkampfes an der Oberfläche und im eigenen Dungeon mit zunehmender Spieldauer hektisch wird. Allerdings ist das nur eine Mutmaßung, die erst der Test bestätigen oder widerlegen wird.

Dungeons 2 merzt konsequent die Macken des Vorgängers aus und kommt dem geistigen Vorbild, Dungeon Keeper, damit deutlich näher. Eine gehörige Prise Humor und die zu erobernde Oberwelt heben den Titel dennoch klar aus der Masse der Klone heraus.