Da legt man schon eine zehnmonatige Extrarunde ein und dann kommt das Spiel nicht mal fertig auf den Markt. Die Nachricht, dass der einst als Launchtitel geplante PS4-exklusive Raser DriveClub zunächst ohne Wettereffekte auskommen muss, mutet ein wenig an, wie ein Bewerber, der nicht nur zu spät zum Vorstellungsgespräch erscheint, sondern auch noch seine Schuhe vergessen hat. Aber gut, wenn er denn schon da ist, dann hören wir uns doch wenigstens an, was er zu sagen hat.

Darum geht's

Als Grund für die Verspätung gaben die Entwickler an, das Spiel erst auf den Markt werfen zu wollen, wenn die vielgepriesenen Social-Features funktionstüchtig implementiert wurden. Ein lobenswerter Ansatz. Doch bereits am ersten Tag gab es Probleme mit den Servern. Ein Umstand, der sich sicherlich bald ändern wird, denn im Kern handelt es sich bei DriveClub um einen teambasierten Racer, in welchem ihr mit Freunden einen namensgebenden Club gründet, gegen Konkurrenten aus aller Welt antretet und dabei sogar Club-exklusive Autos freischaltet. Wer will, kann auch offline ran, aber das ist ja, als würde man alleine ins Kino gehen.
So oder so folgt DriveClub nicht dem Trend einer offenen Welt, sondern findet stets auf festgelegten Kursen statt. Die verschiedenen Events führen euch dabei durch Kanada, Chile, Indien, Norwegen und Schottland mit jeweils 11 Strecken. Zur Wahl stehen die Kampagne, individuell konfigurierbare Einzelläufe in Form von Zeitrennen, Drift-Herausforderungen und Rennen gegen elf KI-Gegner, und natürlich die Multiplayersause. Diese findet übrigens ausschließlich online statt. Splitscreen ist nicht.

Das ist gut

DriveClub präsentiert sich in der Optik zwar etwas unterkühlt, aber durchaus ansehnlich. Wer will schon die aufgedonnerte Kleine aus der Bar, die sich jedem an den Hals wirft!? Besonders die tollen Lichtstimmungen lassen die Grafik sehr realistisch erscheinen. Das griffige Fahrgefühl bewegt sich souverän auf einem schmalen Grad zwischen Realismus und Arcade. Zwar muss man nicht ewig trainieren, bis man die Kisten im Griff hat, und doch ist das Gewicht der Boliden zu spüren und das Verhalten auf dem Asphalt nachvollziehbar. Und wer dabei so richtig Spaß haben will, der schaltet auf die coole Cockpitsicht. Lobenswert auch die Idee, PlaystationPlus-Mitgliedern kostenlos eine reduzierte Version des Spieles zur Verfügung zu stellen. Mehr als eine Demo, weniger als das Hauptspiel, auf welches ihr für knapp 40 Euro upgraden dürft. Zudem sollen bis Juni 2015 jeden Monat neue Strecken und Autos erschienen.

Das ist schlecht

Der überschaubare Fuhrpark erschließt sich euch durch das Sammeln von Erfahrungspunkten in den einzelnen Läufen. An sich eine motivierende Sache, leider werden aber neben anfänglich regulären Straßenkarren lediglich Super-Sportwagen angeboten. Abwechslung in Form von Muscle Cars oder Oldtimern gibt es nicht. Zudem erscheinen gerade mal 50 Wagen in heutigen Zeiten recht mager. Aber gut, in diesem Bereich soll ja wie gesagt per Update regelmäßig nachgebessert werden. Äußerst schmerzhaft ist jedoch die Tatsache, dass man seine Autos nicht individuell konfigurieren kann. Im Rennspielgenre an sich schon Standard, verzichtet DriveClub fernab der Lackierung auf technische Individualisierung oder Tuning. Dies ist sicherlich dem Gedanken der Chancengleichheit geschuldet, allerdings entscheidet auch im wirklichen Leben oft die richtige Einstellung des Getriebes oder die Wahl der Reifen über Sieg oder Niederlage. Auch ansonsten übliche Features wie zuschaltbare Fahrhilfen, einblendbare Ideallinien, Replays oder eine Rückspulfunktion sucht ihr vergeblich.

Teambasierter Racer, der trotz der herben Verspätung viele Standardfeatures vermissen lässt. Fühlt sich gut an und sieht auch gut aus, allerdings mangelt es insgesamt an Abwechslung, was jedoch durch ein vielversprechendes Onlinegerüst im Laufe der Zeit kompensiert werden könnte.