Entwickler BioWare kann einem schon leidtun. Auf der einen Seite von der Rollenspielgemeinde für Perlen wie Baldurs Gate und Mass Effect geliebt, hassen einen genau diese Leute, wenn man mal versucht ein wenig über den Tellerrand zu schauen. So geschehen im Falle von Dragon Age 2, welches aber auch wirklich vieles falsch machte, wenn man es mit den Vorgängern verglich. Um die Fans nun wieder milde zu stimmen, ließen sich die Kanadier für den dritten Teil entsprechend viel Zeit, und erschufen ein Werk, welches ihren eigenen Aussagen nach die Stärken des Erstlings wieder aufgreift. Schauen wir mal.

Darum geht’s

Die Fantasywelt Thedas droht im Chaos zu versinken. Aufgrund der Ereignisse in jüngerer Vergangenheit, welche ihr euch am besten von Kennern des Vorgängers erklären lasst, bekriegen sich der Zirkel der Magier und der Templerorden, und reißen dabei den ganzen Kontinent mit runter. Da alle Assassinen ja derzeit in Paris rumlungern und gegen Magie eh kein Kraut gewachsen ist, ruft die Kirche kurzerhand alle Streithähne an einen Tisch, um endlich für Ruhe im Karton zu sorgen. Blöd nur, dass es ausgerechnet während der Friedensverhandlungen zu einer magischen Explosion kommt, und sich daraufhin überall in Thedas Dimensionsrisse auftun, aus denen Dämonen ins Land strömen. Kurz darauf stellt ihr nicht nur fest, dass ihr überlebt habt, sondern auch dass ihr nun ein magisches Mal in der Hand tragt, mit dem ihr in der Lage seid, die Risse zu schließen. Und damit ist klar, wer mal wieder die Welt retten darf.

Dazu tut ihr einfach das, was klassische Rollenspielhelden am besten können: Missionen erfüllen! Während euch die Hauptquest um die 30 Stunden beschäftigt, könnt ihr die Spielzeit durch die unzähligen Nebenaufgaben locker verdreifachen. Immerhin winken bessere Waffen, Ausrüstungsgegenstände und allerlei Werteverbesserungen auf euch und eure Begleiter, die ihr im Laufe des Spieles trefft. So mancher davon dürfte Fans übrigens bekannt vorkommen.
Business as usual im RPG-Sektor? Nicht ganz, denn um wirklich jeden glücklich zu machen, hält BioWare einerseits an einem actionlastigen direkten Kampfsystem fest, bietet alternativ aber auch eine taktische Draufsicht an, während der die Zeit stillsteht und ihr eure Figuren Zug um Zug agieren lasst. Zweifelsohne Geschmackssache, auf den höheren Schwierigkeitsgraden jedoch durchaus nützlich, ganz besonders wenn ihr auf einen der zehn im Spiel verborgenen Drachen trefft. Drachen? Verborgen? Wie soll man diese Viecher denn übersehen? Tja, in einer derart großen Welt passiert das schon mal.

Das ist gut

BioWare ist in erster Linie bekannt für tolle Figuren, für interessante, tiefgründige und auch witzige Dialoge vor einem glaubhaften erzählerischen Hintergrund. Dies ist aber nicht die Stärke von Inquisition. Zwar sind die Figuren und Gegner schick gestaltet, allen voran besagte Drachen, doch der wahre Star von Dragon Age: Inquisiton ist die gigantische offene Welt. Diese ist in einzelne Sektoren unterteilt, die ihr freischaltet, indem ihr euch im Hauptquartier mit euren Beratern an den sogenannten War Table setzt, und ähnlich wie in dem aus Mass Effect bekannten Modus 'Galaxy at War' die Geschicke eurer wachsenden Organisation lenkt. Das ist nicht nur recht unterhaltsam, sondern auch mit dem Rest des Spieles clever verzahnt, so dass eine Rückkehr ins Hauptquartier unumgänglich ist, möchte man im Spiel vorankommen. Das könnte allerdings dauern, denn jeder Sektor ist gelinde ausgedrückt schweinegroß und bietet derart viel Beschäftigung, dass es in anderen Entwicklerhäusern für ein eigenes Spiel gereicht hätte. Dazu sind die Landschaften auch noch äußerst abwechslungsreich und stimmungsvoll in Szene gesetzt, so dass man einfach nur stundenlang herumwandern und staunen könnte, wenn da nicht besagte – und wir können es nicht deutlich genug betonen – Unmengen an Nebenaufgaben wären, die den Helden in uns zum Handeln zwingen. Aber das macht man in einem so stimmungsvollen Setting doch gerne. Da die meisten Sprecher dazu auch noch einen hervorragenden Job machen und die schöne Musik gut ins Ohr geht, wird auch auf der akustischen Seite einiges geboten.

Das ist schlecht

Leider sind viele davon äußert lahm und arten eher in Fleißarbeit denn in Spaß aus. Dieses ewige 'Sammle-10-mal-irgendwas' oder 'Bringe-A-Nach-B' muss man natürlich nicht gezwungenermaßen über sich ergehen lassen, aber welcher Rollenspieler erträgt schon eine unaufgeräumte Karte?! Noch viel schwerer wiegt allerdings, dass Dragon Age: Inquisition im Gegensatz zum Vorgänger förmlich einen Schmusekurs fährt, und wir kaum wirklich böse sein dürfen. Schade, hat doch die ordentliche Portion Schmutz einen gehörigen Teil der Atmosphäre dieser Fantasywelt ausgemacht. So kommen dann auch unsere Begleiter wesentlich belangloser rüber, als man es von BioWare gewohnt ist. Dafür macht die KI in den Kämpfen insgesamt einen so guten Job, dass es vollkommen ausreicht, wenn wir einfach auf die Viecher draufkloppen. Zwar gibt es diverse nützliche Fähigkeiten, die wir mit den doppelt belegten Knöpfen aktivieren, besonders tiefsinnig ist das Ganze jedoch nicht. Wer sich daran stört, kann aber ja immer noch zur Taktikansicht wechseln.
Ein dickes „Buh!“ gibt es übrigens für die blöden und unnötig umständlichen Menüs. Wenn man als Rollenspieler schon gezwungen ist, Listen zu wälzen wie ein Buchalter, dann sollte das wenigstens komfortabel sein!

Ein Monster von einem Rollenspiel! Bis in den letzten Winkel vollgestopft mit Aufgaben, vermag euch die gigantische und abwechslungsreiche Fantasywelt Thedas über Wochen zu beschäftigen. Fans werden zu Recht monieren, dass der dreckige Charme der Vorgänger dem Massenmarkt geopfert wurde, dennoch liefert BioWare mit Inquisition endlich das Next-Gen-Rollenspiel, auf das wir so lange warten mussten.