Hand an das 2016 erschienenen Doom-Reboot zu legen, war seinerzeit ein wenig so, als wolle man sich an einen fahrenden Zug festhalten. Für unsere anfängliche Skepsis hatten wir im wahnwitzigen Blutrausch bald schon keinen Blick mehr und pflügten stattdessen wie ein Feuersturm mit Windstärke 5000 begeistert durch die Horden der Hölle. Und so waren wir diesmal auch voller Vorfreude, auf der diesjährigen Gamescom die Demo des Nachfolgers ausprobieren zu dürfen. Hier unsere Eindrücke zum kommenden Schlachtfest „Doom: Eternal“.

Anstatt unseren Weg direkt mir zerfetzten Leichen pflastern zu dürfen, bremste ein für Doom-Verhältnisse recht umfangreiches Tutorial unsere Mordlust zunächst jedoch aus. Der Demon Slayer hat nämlich dazugelernt, beherrscht nun einen Doppeldash, der ihn selbst in der Luft nach vorne katapultiert, kann an bestimmten Stellen Wände emporklettern und sich sogar von Rohr zu Rohr schwingen. Die neuen Fähigkeiten machen das ohnehin schon dynamische Spielgefühl damit noch agiler und erlauben euch, den nun vermehrt vertikal angelegten Level blitzschnell in Parcours-Manier zu durchqueren.

Doch kleine Sorge, „Doom: Eternal“ mutiert trotz einiger Kletterpassagen noch lange nicht zum Jump n‘ Run. Im Wesentlichen waren wir nach wie vor damit beschäftigt, blutige Dämonensteaks zuzubereiten, was sich trotz ausgiebiger Erfahrung mit dem Vorgänger unerwartet fordernd gestaltete. Wie gehabt verlangt das Spiel ein offensives Vorgehen, da sich diesmal jedoch deutlich weniger helfende Items in den Level finden lassen, geht „Eternal“ noch einen Schritt weiter.

Angeschlagene Gegner zerfetzt ihr abermals im Nahkampf mit derb in Szene gesetzten Glory-Kills und verdient euch damit Lebensenergie. Mit dem Flammenwerfer auf eurer Schulter gebrutzelte Feinde hinterlassen Rüstung, mit der Kettensäge sägt ihr dem Dämonenvolk Munition aus den entstellten Leibern. Das alles im Blick zu behalten, und dabei auch noch am Leben zu bleiben, erfordert eine gute Übersicht über das Schlachtfeld, schnelle Reflexe und einen ausgeprägten Killerinstinkt. Wer bremst, der stirbt!

So wie wir nur allzu oft, vor allem, wenn dicke Brocken mitmischten. Unser Unvermögen mag aber auch schlicht der Tatsache geschuldet sein, dass uns das alte „Doom“ noch zu sehr in den Knochen steckt, und wir reichlich großmäulig an die Sache herangegangen sind. „Eternal“ erfordert kein Umdenken im eigentlichen Sinne, baut das etablierte Gameplay aber doch zumindest soweit aus, dass auch für erfahrene Schlachter weitere Eingewöhnungszeit vonnöten ist.

Auf die freuen wir uns ob der fetten Inszenierung allerdings schon diebisch. Die Wummen machen ordentlich Krach und bringen mit ihren Zweitfunktionen zusätzliche Taktik ins Spiel (die Schrotflinte verfügt zum Beispiel über einen Enterhaken, mit dem ihr euch zu den Gegnern ziehen könnt), dank des neuen Schadensmodells schießt ihr dem Feindespack nicht nur die Waffen weg, sondern reißt im Kugel oder Plasmahagel auch ganze Fleischbrocken aus den Körpern während euch die Mucke mit fetten Elektro-Beats und harten Metal-Riffs unentwegt voran treibt.

Diese selbstreferenzielle „Aufs Maul“-Mentalität findet sich nicht nur im Spielsystem, sondern auch in der Inszenierung wieder. Gleich zu Beginn stapft unser Doom Guy vom ehrfürchtigen Raunen der Angestellten begleitet durch eine Kontrollstation wie ein übellauniger Macho-König, und schießt sich später als lebendiges Projektil sogar selbst aus einer gigantischen Space-Kanone. Natürlich erwarten wir nicht ernsthaft so etwas wie eine Story, aber das Gesehene verspricht durchaus unterhaltsame Kurzweil und macht vor allem verdammt viel Lust auf mehr.

„Doom: Eternal“ erscheint am 22. November 2019 für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch PC und Google Stadia.