Das ist gut/schlecht:

Genau das bietet nämlich das neue „Siedler“. Hier ploppen Häuser nicht einfach nur auf, sondern werden gebaut. Dazu müssen aber erst mal Bäume gefällt, das Holz dann transportiert und bearbeitet werdet. Siedler, die harter Arbeit nachgehen, entwickeln immer mehr Muskeln, ihr könnt den Soldaten in der Kaserne beim Trainieren spezifischer Fähigkeiten zusehen, ein alteingesessener Hausbesitzer pflegt seinen Rasen, frisch geschmiedete Schwerter werden in einem Wasserbecken abgekühlt … wir könnten ewig so weitermachen.

Die Liebe zum Detail ist einfach nur verblüffend und dank der Snowdrop-Engine, die bereits bei „The Division“ zum Einsatz kam, in ein zeitgemäßes Grafikgewand gekleidet worden. Den für die Reihe typisch knubbeligen Comic-Charakter hat man glücklicherweise beibehalten, so dass hier alles etwas putziger wirkt als bei dem vergleichsweise ernsten „Anno“.

Spielerisch besinnt man sich auf die Ursprünge und reichert das komplexe Wirtschaftssystem lediglich mit ein paar Neuerungen an. Allen voran dienen Wohnhäuser nun nicht mehr einfach nur der Vermehrung eurer Einwohner, sondern sind essentiell für die Verpflegung. Siedler die hungern, arbeiten langsamer, bis sie schließlich umkippen und ihr am Ende womöglich eine Revolution an den Backen habt. Auch wenn der fackelschwingende Mob wie alles andere einfach herzallerliebst anzuschauen ist, solltet ihr es nicht darauf ankommen lassen.

Eure Soldaten bemannen die von euch frei positionierten Wehrmauern und -türme eigenständig und ziehen im Kriegsfall, angeführt von einem General, als Verband in die Schlacht. Dieser bringt sogar eine Spezialfähigkeit, wie zum Beispiel einen Schild mit, kann in der Arena den feindlichen Befehlshaber aber auch einfach zu ein Duell Mann-gegen-Mann fordern. Im Idealfall wechseln dann die demoralisierten Bewohner der Gegenseite mit Sack und Pack in euer Lager. Eine begrenzte Einwohnerzahl gibt es nicht, und wir sind schon jetzt irre gespannt auf die ersten Videos von Spielern, die die vorgeführte 3.000er-Marke knacken.

Wie gut das Wirtschaftssystem oder auch die Kriegsführung letzten Endes funktioniert, und wie viel spielerische Tiefe in den neuen Siedlern steckt, können wir noch nicht beurteilen. Wohl aber, dass Entwickler Blue Byte den Aquariumseffekt neu definiert hat. Wenn das Spiel auch nur ansatzweise so gut wird, wie unser erster Eindruck erhoffen lässt, dann solltet ihr schon mal einen langen Urlaub einplanen.

„Die Siedler“ erscheint im Herbst 2019 für PC. Zuvor erscheint am 15. November 2018 aber noch die „History Collection“, die alle bisher erschienenen „Die-Siedler“-Teile nebst Erweiterungen enthält. Alternativ könnt ihr die Spiele auch einzeln erstehen. „Die Siedler 1 – History Edition“ ist bereits erhältlich.

Die Renaissance des Wusel-Faktors. Das neue „Die Siedler“ kehrt spielerisch zu seinen Wurzeln zurück und präsentiert sich fast schon unverschämt liebevoll animiert. Wenn nun auch noch das Wirtschaftssystem gut funktioniert, wird’s garantiert ein Hit!