Was war das doch für ein Tohuwabohu, als Diablo 3 im Mai letzten Jahres an den PC-Start ging. Auf der einen Seite bewies Entwickler Blizzard, dass ein Massenpublikum nicht nur mit Grafikinfernos zu ködern ist, und dass die liebevolle Pflege einer historisch wertvollen Spielserie mehr zählt, als der krampfhafte Versuch, mit der Zeit zu gehen. Andererseits wurde der Tag der Veröffentlichung ebenso legendär, wie die Serie selbst. Da man das Spiel nicht offline zocken konnte – nicht mal im Singleplayer – mussten die Server einen Sturm bewältigen, mit dem man hätte rechnen müssen, wenn man nur mal einen Blick auf die exorbitanten Vorbestellerzahlen auf Amazon geworfen hätte. Hatte man aber offenbar nicht, und so konnten unzählige Käufer am Erscheinungstag nicht spielen und fragten sich, was zur Hölle Fehlercode 37 zu bedeuten habe. Nun kommt Diablo 3 endlich auf Konsole und wir stellen fest: Blizzard hat nicht nur dazugelernt, sondern auch vieles besser gemacht!

Darum geht's:

Im Kern ist Diablo 3 ein klassisches Hack 'n' Slay, ganz in der Tradition von spielerischen Urahnen wie Gauntlet und Co. Hüben wie drüben hetzt man mit einem Schwung Fantasyfigürchen in Iso-Optik durch die Level und zerlegt Unmengen an Gegnern. Heutzutage kommen noch ein süchtig machendes Loot- und ein automatisches Talentsystem dazu, welches uns nach jedem Levelaufstieg eine neue Angriffsvariante oder passiv wirksame Fähigkeiten gewährt. Nach und nach werden so die Knöpfe des Pads mit immer mehr Attacken belegt, während wir einen riesigen Berg an mehr oder weniger nützlichen Ausrüstungsgegenständen zusammensammeln, die es nun effektiv zu kombinieren gilt, um am Ende den Namensgeber Diablo zurück in die Hölle zu schicken. Idealerweise geht man diese Aufgabe mit einem Schwung Freunde an.

Das ist gut:

Eines gleich vorweg: Es gibt keinen Onlinezwang! Halleluja. Das umstrittene – weil dem Spielprinzip widersprechende – Echtgeld-Auktionshaus der PC-Vorlage wurde ebenfalls gestrichen und bisher nicht wirklich vermisst. Dafür hat nun eine direkte Steuerung Einzug erhalten, die uns sogar eine nützliche Ausweichrolle gewährt. Anstatt also mit der Maus einfach auf den Gegner zu klicken, müssen wir uns nun selber dorthin bemühen und angreifen. Eine gute Sache, das. Da es sich so für Konsoleros – und vielleicht auch so manchen indoktrinierten PC-Zocker – einfach natürlicher anfühlt. Die Sorge, dass man die Konsolen-Portierung aufgrund mangelnder Steuerungsanpassung oder auch Menüführung verhunzt, ist also unberechtigt gewesen. Diablo 3 spielt sich mit dem Pad, als wäre es schon immer auf Konsolen zuhause gewesen. Auch mit der gemeinsamen Beutejagd klappt es wunderbar. Wie hättet ihr es denn gerne? Zwei auf der Couch, und einer kommt online dazu? Alle vier auf der Couch mit einem Bildschirm? Nachts mit dem einen Kumpel, der noch wach ist, bis morgens die anderen Kollegen endlich aufwachen und sich einklinken? Alles kein Problem!

Das ist schlecht:

Bei allem Lob ist immer noch Luft nach oben. Speziell den Austausch von Gegenständen zwischen den Charakteren hätte man weniger umständlich gestalten können. Die Menüführung ist zwar insgesamt gut gelungen, jedoch nicht immer intuitiv zu nennen. Zudem ergibt sich im Koop auf einem Bildschirm das Problem, dass alle Spieler warten müssen, sobald einer ins Menü muss, um Ausrüstung und Fähigkeiten anzupassen, was bei einem Loot-Spiel bekanntermaßen recht häufig vonnöten ist.
Den größten Rüffel fängt sich Diablo 3 aber für die popelige Grafik ein. Klar, wie eingangs erwähnt hat das Spiel andere Stärken, doch nach anderthalb Jahren hätte man da gerne noch eine Schippe drauflegen können. So wie es aussieht, wäre es trotz manch liebevoller Details und durchaus vorhandener Atmosphäre vermutlich auch auf der letzten Konsolengeneration umzusetzen gewesen. Mal schauen, was Blizzard diesbezüglich mit der kommenden PS4-Version anstellt.

Die Mutter aller Hack 'n' Slays nun auch auf Konsole! Vorbildlich ans Pad angepasste und von vielen Macken befreite Version des Mega-Sellers, die auch auf der Couch ihre süchtigmachende Loot-Nadel erbarmungslos in unsere Zocker-Vene rammt. Achtet beim Kauf darauf, auf welcher Kiste eure Kumpels zocken, denn dieses Spiel werdet ihr oft und lange gemeinsam spielen.