Das ist gut:

Dass die eigenen Entscheidungen Auswirkungen auf den Spielverlauf und das mögliche Ende haben, ist seit jeher die Prämisse der Spiele von Quantic Dream. Allerdings hat euer Handeln noch nie einen derart weitreichenden Einfluss auf den Verlauf der Geschichte gehabt, wie in „Detroit: Become Human“. Der Aufwand, den die Entwickler betrieben haben ist enorm, und äußert sich in dem mitunter beklemmenden Gefühl auf Seiten des Spielers, auch tatsächlich etwas bewirken zu können. Im Guten oder auch im Schlechten.

Denn indem ihr abwechselnd die Kontrolle über die drei genannten Figuren übernehmt, tragt ihr maßgeblich zum sozialen Status der unterdrückten Androiden bei. Ihr fragt euch nun vielleicht, ob man eine Maschine überhaupt unterdrücken kann, und seid damit bereits der Kernfrage des Spieles auf der Spur, welches einer Gesellschaft den Spiegel vorhält, die sich von dem real vorherrschenden Status Quo weniger unterscheidet, als einem lieb sein kann. Die schonungslos dargestellten Motive des Rassismus und der Apartheit kommen einem dann doch unangenehm bekannt vor, und so zeichnet „Detroit: Become Human“ ein erschreckend glaubwürdiges Szenario einer durchaus möglichen nahen Zukunft.

Wir verraten nicht zu viel, wenn wir euch sagen das Kara und Markus sich von den Fesseln ihrer Programmierung befreien, und letzterer schließlich zum Anführer eines Aufstandes der Androiden avanciert. Ob dieser friedlich oder gewaltsam verläuft, ist eine der großen Entscheidung die ihr werdet treffen müssen. Aber auch die vermeintlich kleine Wahl, wie man in den zahlreichen Dialogen antwortet, kann weitreichenden Folgen haben, die zunächst noch gar nicht Absehbar sind.

Um das Ganze etwas transparenter zu gestalten, wird euer eingeschlagener Weg nach jeder Szene anhand eines Handlungsbaumes dokumentiert. Dieser lässt sich jederzeit einsehen, so dass ihr beim erneuten Durchspielen gezielt auf die Suche nach alternativen Storyverläufen gehen und etwaige Fehlentscheidungen revidieren könnt. Wir empfehlen jedoch ausdrücklich, beim ersten Anlauf davon abzusehen, und etwaige Fehler zu ertragen. Denn nur dann entfaltet „Detroit“ seine volle emotionale Wucht.

Und wo wir schon bei Wucht sind: Die audiovisuelle Präsentation ist einfach nur umwerfend. Die Szenarien sind größtenteils verschwenderisch detailliert ausgearbeitet, die Mimik der Figuren ist so realistisch, dass ihr immer wieder vergesst, es mit einem Videospiel zu tun zu haben, und die Kameraführung ist auf Blockbuster-Niveau. Auch der atmosphärische Soundtrack und die fantastischen deutschen Sprecher haben dazu beigetragen, dass wir uns förmlich zügeln mussten, das Spiel nicht an einem Stück durchzuzocken. Mit seinen gut 15 Stunden ist es nämlich nicht nur das längste Quantic Dream Spiel bisher, aus unserer subjektiven Sicht ist es auch das Beste.