Wenn die Entwicklung eines Spieles unglaubliche 500.000.000 Dollar verschlingt, dann muss es groß sein, sehr groß sogar. Größe allein ist aber nicht alles. Um die Kosten wieder reinzuspielen, muss es gut sein, sehr gut sogar. Und da man sich dessen als Day-One-Käufer nie so ganz sicher sein kann, verlässt man sich auf die Vorberichterstattung, die im Falle von Destiny voll des Lobes war. Und so generierte das Spiel bereits am Erscheinungstag die gleiche Summe an Umsatz, welche man zuvor investiert hatte. Ein gelungener Start, doch kommt die angebliche Onlineshooter-Verheißung auch ans Ziel?

Darum geht's

Wir befinden uns im Jahre 2700. Keine gute Zeit für ein friedliches Leben auf der Erde, wurde diese doch nahezu komplett von Aliens überrannt. Nur ein mysteriöses,  riesengroßes kugelförmiges Raumschiff, der 'Traveller' genannt, ist noch in der Lage die letzte Bastion der Menschen mit einem Schild zu schützen. Da die Energie-Reserven des Travellers schwinden, hat er in einem letzten Kraftakt die 'Geister' erschaffen, mit Intelligenz beseelte Minidrohnen, die als seine Vertreter fungieren. Ihre Order: Diejenigen zu finden, die in der Lage sind, den Krieg zu gewinnen, und sich im Auftrag der Sache Hüter nennen dürfen. Euch! Entscheidet euch dazu je nach favorisierter Spielweise für eine der drei Klassen. Rennt als schwer gepanzerter Titan mitten in die Gegnerhorden, attackiert als agiler Jäger aus dem Hinterhalt oder werft als magiebegabter Warlock mit arkaner Energie um euch. Die darauffolgende Wahl der Rasse (Mensch, Erwachter oder Exo) ist dagegen lediglich kosmetischer Natur.

Ausgetragen wird der sonnensystemumspannende Konflikt in Form eines First Person Shooters im MMO-Stil. Soll heißen: Ihr befindet euch stets in einer Online-Welt, deren verschiedenen Gebiete ihr mit anderen Spielern teilt. Dies folgt zunächst einem kooperativen Gedanken. Bildet Einsatztrupps mit Freunden oder Hütern, die ihr auf eurem Weg trefft, und geht gemeinsam auf Erkundungstour. Alternativ könnt ihr die Leute aber auch einfach links liegen lassen und Destiny als einsamer Wolf erleben. Dies ist allerdings wenig ratsam, da das Ende der Storymissionen stets in einem privaten Bereich mit eingeschränktem Rücksetzungspunkt stattfindet. Sterbt ihr in einem solchen Areal, müsst ihr wieder von vorne beginnen, sofern euch kein Kamerad wieder auf die Beine hilft. Insofern ist Destiny ganz klar auf das gemeinsame Spielerlebnis ausgelegt. Trotz der Ankündigung, auch Solo-Spielern viel bieten zu wollen, sollten Hardcore-Teamverweigerer dementsprechend die Finger von dem Spiel lassen.

Habt ihr keine Lust mehr darauf, die immer gleichen NPC-Gegner niederzumähen, begebt ihr euch in den Schmelztiegel, die Player vs Player Arena, und messt euch in vier Disziplinen mit menschlichen Kontrahenten. Wer sich hierbei geschickt anstellt, sammelt neben den obligatorischen Erfahrungspunkten sogenannte Schmelztiegel-Marken, welche dann gegen spezielle Ausrüstung getauscht werden können, auf die ihr ansonsten keinen Zugriff hättet. Pazifisten nehmen in der offenen Welt Nebenmissionen an und sammeln alternativ Vorhut-Marken, welche ebenfalls als Währung für spezielle Gegenstände dienen.
Vieles findet ihr aber auch auf dem Schlachtfeld, üblicherweise nach dem Ableben eines besonders wehrhaften Bosses, und schon befindet man sich in der süchtigmachenden Spirale der allseits beliebten Loot-Komponente.

Das ist gut

Also schick isses ja dieses Destiny. Knackige Texturen, herrliche Weitsicht, wunderschöne Panoramen, tolle Lichteffekte, in technischer Hinsicht wird auf Xbox One und PS4 gleichermaßen ordentlich Next-Gen-Flair versprüht. Lediglich die Ladezeiten ziehen sich gerne mal auffallend in die Länge.
Auch in Sachen Spielbarkeit merkt man dem Titel einfach an, dass er von Eltern großgezogen wurde, die schon einmal Kinder hatten. Die Steuerung ist sofort verinnerlicht und fühlt sich herrlich direkt an. Die Waffen haben entweder ordentlich Wumms oder erfreuen die zukunftsorientierte Sci-Fi-Ecke. Einige der Ballermänner und Rüstungsteile lassen sich sogar, wie euer Charakter auch, hochleveln, sodass ihr von Bonusattributen profitiert. Auch der Nahkampf funktioniert tadellos und stellt eine mächtige Alternative zum Schießen dar. Habt ihr dann noch den Doppel- bis Dreifachsprung erlernt, turnt ihr durch die detailverliebten Level, als hättet ihr nie etwas anderes gemacht. Genau so muss sich ein moderner Shooter anfühlen!

Das ist schlecht

Wo Licht ist, da ist leider auch Schatten. All die genannten Vorzüge können nicht verschleiern, dass man sich bei Bungie offenbar wenig Gedanken um ein kreatives Missionsdesign gemacht hat. Letzten Endes wehrt man immer wieder bloß Welle um Welle ab, ohne dabei einen großen emotionalen Bezug zum Geschehen zu entwickeln. Das mag ja mit Kumpels durchaus Spaß machen, hat bei Diablo ja auch funktioniert, wird aber den hochtrabenden Ankündigungen letzten Endes nicht gerecht. Denn Solo-Spieler wollen eine packende Geschichte und viel Abwechslung. Beides findet man bei Destiny nicht. Dass sich die verschiedenen Klassen dann auch noch sehr ähnlich spielen, passt da gut ins Gesamtbild.

Äußerst schicker MMO-Edelshooter mit perfekter Spielbarkeit, der sich durch uninspiriertes Missionsdesign und mangelnde Abwechslung jedoch weit unter Wert verkauft und den hohen Erwartungen somit nicht vollends gerecht werden kann.