Nur wenige AAA-Titel entzweiten die Spielergemeinschaft derart, wie der 2014 erschienene MMO-Shooter Destiny. Die einen verloren sich in der Suche nach immer besserer Ausrüstung und investierten hunderte von Stunden in die Perfektionierung ihrer Spielfigur. Andere strichen nach Abschluss der knappen Kampagne achselzuckend die Segel und fragten sich verwundert, ob es das schon gewesen sein sollte. Dafür der ganze Hype? Die Kritik war durchaus berechtigt und auch wenn die folgenden DLC sehr gelungen ausfielen, gelang es nicht, die Destiny-Deserteure wieder aufs Schlachtfeld zu treiben. Mit dem zweiten Teil soll nun aber alles besser werden. Und dafür wagen die Macher einen mutigen Schritt: Sie setzen alles wieder auf Null!

Darum geht’s:

Im Wesentlichen handelt es bei Destiny 2 um einen Ego-Shooter, dessen offene Welt ihr euch zu großen Teilen in kooperativem Einverständnis mit anderen Spielern teilt. Daneben gibt es spezielle Gebiete, die ihr entweder ganz alleine oder in Begleitung ausgewählter Koop-Kumpels absolvieren könnt. Destiny 2 stellt es euch grundsätzlich frei, ob ihr Solo oder im Team kämpft. Für einige Aufgaben abseits der Hauptstory benötigt ihr jedoch zwingend Feuerunterstützung.

Dabei seid ihr in der Rolle eines sogenannten Hüters unterwegs, dessen Klasse (Warlock, Titan oder Hunter) und Aussehen ihr zu Beginn des Spiels festlegt, so ihr nicht auf eure für den Vorgänger erstellte Figur zurückgreifen möchtet. Neulinge müssen jedoch nicht befürchten, im Nachteil zu sein. Denn nach einem verheerenden Angriff auf die Basis der Hüter gelingt es den Kabalen unter der Führung von Oberbösewicht Dominus Ghaul nicht nur, die Stadt in Schutt und Asche zu legen, sondern auch den „Reisenden“, eine Art Überwesen, gewissermaßen gefangen zu nehmen, und euch damit eures Lichtes zu berauben.

Klingt für Neueinsteiger womöglich etwas spacig, bedeutet letzten Endes jedoch bloß, dass alle Hüter zu Beginn ihre Macht verlieren. Passiert Hauptfiguren in Fortsetzungen ja gerne mal. Wobei es diesmal inhaltlich tatsächlich Sinn ergibt und Spielern, die viel Mühe ins erste Destiny investiert haben, womöglich ein kleines Tränchen abringen mag.

Gezwungenermaßen kehrt ihr eurer brennenden Heimat den Rücken und flüchtet, findet jedoch bald Unterschlupf in einer fortan als neuer Spieler-Hub fungierenden Farm. Von dort aus startet ihr die Story-Kampagne, im Zuge derer ihr nicht nur als einziger Hüter euer Licht zurückerlangt, sondern auch nach und nach an alles herangeführt werdet, was es über Destiny 2 zu wissen gibt.

Das ist gut:

Zwar habt ihr die gut inszenierte Kampagne nach gut 8 Stunden schon durch, doch Kenner des ersten Teils wissen, dass sich ein Destiny erst dann so richtig öffnet. Mit dem Erreichen der Maximalstufe von 20 beginnt die Jagd nach der wirklich guten Ausrüstung, um sein Lichtlevel auf 300 zu hieven. Zuvor nahezu unmöglich erscheinende Raids und Strike-Einsätze wollen bezwungen, versteckte Areale erforscht, die PvP-Arena dominiert und der eigene Ruf über zufällig stattfinden öffentliche Events, wie beispielsweise die Zerstörung eines riesigen spinnenartigen Roboters, gesteigert werden.

Kommt einem bekannt vor, doch Destiny 2 bietet vom Start deutlich mehr Umfang als der Vorgänger. Zudem werden selbst kleinere Nebenquests gekonnt mit der Hauptstory verwoben, so dass ein wesentlich stimmigerer Gesamteindruck entsteht.

Während man also an den richtigen Schrauben gedreht hat, blieb das über jeden Zweifel erhabene Spielgefühl unangetastet. Das Handling der Waffen, deren individuelle Sounds, das befriedigende Feedback und die dynamischen Kämpfe spielen ganz klar in der ersten Liga. Wer auch nur im Geringsten was mit Shootern anfangen kann, verfällt bereits nach kurzer Spielzeit in einem Gameplayflow, der im Genre seinesgleichen sucht und dank der stets flüssigen Bildrate von nervigen Rucklern verschont bleibt.

Und auch sonst greift bei Destiny 2 ein Rädchen sauber ins andere. Das Spiel nimmt euch sanft an die Hand, ohne dabei zu zerren, und führt euch nach und nach zu den wichtigen Locations der verschiedenen Spielgebiete, während ihr quasi im Vorbeigehen neue Fähigkeiten erlernt und euch immer besser werdende Ausrüstung verdient. Und ehe man sich versieht, hat man auch schon den Ereignishorizont der Loot-Suchtspirale überschritten.

Grafisch wird in den vier verfügbaren Sternensystemen viel Abwechslung geboten, wobei der dezente Comic-Look dem Thema entsprechend diesmal eine Spur düsterer daherkommt. Und in Sache Sound macht den Herrschaften von Bungie sowieso niemand vor. Immerhin haben die Jungs Halo gemacht – und dessen Melodien hat ja wohl jeder Zocker noch im Ohr.

Das ist schlecht:

In Sachen Optik hätten wir und einen größeren Sprung nach vorne gewünscht. Abwechslung hin und schicke Panoramen her, Destiny 2 wirkt im Vergleich zu Grafikbomben wie einem Horizon Zero Dawn förmlich statisch und leer. Das nehmen wir im Falle eines Shooters zugunsten einer guten Levelarchitektur und einer flüssigen Bildrate billigend in Kauf, und beides kann Destiny 2 für sich beanspruchen. Dass man jedoch gegen die gleichen Gegner wie im Vorgänger kämpft, finden wir äußerst schade. So unterschiedlich die erforderlichen Taktiken im Kampf gegen Kabale, Besessene und Vex auch sein mögen, kennt man diese doch schon zur Genüge aus dem Vorgänger, sodass sich in dieser Hinsicht eine gewisse Langeweile bemerkbar macht.

Ob dies auch generell für den Rest des Spieles gelten mag, können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht sagen. Das Ganze steht und fällt mit der regelmäßigen Versorgung an neuen Inhalten seitens der Macher. Aber was das betrifft, hat man ja schon Erfahrungen mit dem Vorgänger sammeln können, so dass wir vorsichtig optimistisch sind. Außerdem soll man nicht über den Weg schimpfen, wenn die Reise gerade erst begonnen hat.

Destiny 2 ist ab sofort für Playstation 4 und Xbox One erhältlich. PC-Spieler müssen sich noch bis zum 24. Oktober gedulden.

Destiny 2 wetzt die größte Scharte des Vorgängers aus und bietet vom Start weg mehr Umfang und Abwechslung. Das butterweiche Gameplay hat abermals Referenzklasse, die Motivation bewegt sich dank geschickter Spielführung und einem starken Loot-System auf enorm hohen Niveau. Ob das alles auch auf Dauer bei der Stange hält, wird sich zeigen, wir sind aber guter Dinge, dass Destiny mit dieser Fortsetzung doch noch der MMO-Shooter-Hit werden könnte, der es immer sein wollte.