Das ist gut:

Sackboys vorherige Auftritte in der „Little Big Planet“-Reihe gingen bislang mit einem komplexen Leveleditor einher, der es Spielern erlaubte, ihrer Fantasie beim Bau kreativer Welten freien Lauf zu lassen. Die vorgefertigten Jump-’n’-Run-Passagen der Entwickler dienten dabei eher dem Zweck, zu demonstrieren, was mit dem mächtigen Tool alles möglich ist.

„Sackboy: A Big Adventure“ ignoriert den Selbstbau-Aspekt jedoch vollkommen und kommt als waschfester Plattformer daher, der sich von Haus aus als wilde Bastel-Kapriole mit Wollfühl-Stimmung gestaltet. Denn nicht nur unser kleiner Held besteht aus Stoff, auch die ganze Welt ist ein Flickwerk diverser Bastelmaterialen und erinnert damit pappierend an „Yoshi’s Crafted World“ aus dem Hause Nintendo.

Mit diesem neuen Fokus kann sich Sackboy nun auch endlich auf seine Aufgabe als Jump-’n’-Run-Held konzentrieren. Und siehe da: Endlich hüpft es sich präzise und bei Weitem nicht mehr so schwammig wie in den diesbezüglich stets unausgereift wirkenden Vorgängern. Die an Perfektion grenzende Präzision eines „Super Mario“ wird dabei zwar nicht erreicht, das Move-Set des kleinen Sacks (sorry, aber der musste einfach einmal sein) ist aber dennoch beeindruckend.

Mit putzig zappelnden Beinchen haltet ihr euch nach einem Sprung kurz in der Luft, nach einer Ausweichrolle mit Heldengütesiegel könnt ihr noch weiter durch die Level purzeln, ihr könnt eine Sturzattacke vollführen, einen Drehschlag, Sachen ziehen oder schieben, auf Seilen balancieren, euch durch enge Passagen kugeln, einen Greifhaken werfen, auf Plattformen surfen und natürlich auch ganz klassisch den ulkigen Feinden auf den Kopf hüpfen oder Vex in Bossfights Explosivfässer an den Kopf knallen.

Dazu bewegen wir uns bei wechselnden, aber stets fest vorgegebenen Kameraperspektiven durch bunte und thematisch abwechslungsreiche 3D-Welten, die vor Einfallsreichtum nur so sprühen. Mal müssen wir vor einem riesigen rollenden Yeti fliehen, dann wird auf dem Dach eines Spielzeugzuges eine Berg- und Talfahrt gemacht, kleine Monsterschäfchen wollen gehütet werden und so weiter und so fort. Doch auch wenn die zum vorankommen nötigen Aufgaben und Herausforderungen in den Levels immer wieder wechseln, gilt es stets die Augen nach den sogenannten Traumkugeln offen zu halten, die teils recht clever versteckt sind.

Um im Spiel voranzukommen, müsst ihr auf der Weltkarte nämlich immer wieder ölige Hindernisse aus dem Weg räumen, wofür ihr eine bestimmte Menge dieser Kugeln benötigt. Für eine hohe Punktzahl sackt ihr indes Murmeln in rauen Mengen ein, während die Sammelschellen als Währung für neue Kostüme dienen.

Diese könnt ihr beim Händler erstehen, der euch nicht darauf beschränkt, euch von Maschenanschlag bis zur Randmasche als Raupe, Yeti oder Tiger zu verkleiden. Ihr dürft die Kostüme auch wild kombinieren und sogar die Farbe eures Stoffs ändern. Dies kommt natürlich vor allem im lokalen Koop-Modus zur Geltung, in dem ihr das gesamte Abenteuer gemeinsam mit bis zu drei weiteren Spielern angehen dürft.

Manche Level sind gar eigens für den Koop-Modus entworfen worden und nur mit mehreren Sackboys zu schaffen. Online dürfen wir zwar erst zum Ende des Jahres ran, wenn der entsprechende Patch bereitsteht, dafür dürfen PS5-Zocker dann aber auch gemeinsam mit PS4-Spielern gemeinsam an einem Faden ziehen. Nun ja, oder eben nicht, denn schon in „Little Big Planet“ konnte man sich gegenseitig wunderbar sackboykottieren und das ist in „A Big Adventure“ nicht anders. Eine Mordsgaudi! 

Ausdrücklich lobend erwähnt werden muss an dieser Stelle noch der fantastische Gute-Laune-Soundtrack, dessen schmissige Rhythmen und schwungvolle Beats uns stets haben mitwippen lassen. Da kommen wohlige „Rayman“-Erinnerungen auf, erst recht wenn plötzlich das Gameplay eines kompletten Abschnittes auf einen lizensierten Song von Bruno Mars, Britney Spears oder a-ha zugeschnitten ist, und das Level selber im Takt mitwippt. Wer da ruhig sitzen bleibt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.