Das ist gut:

Und auch das Reamke wird die Männer von den Jungs trennen. Denn ob ihr es glaubt, oder nicht: „Demon’s Souls“ gestaltet sich in mancherlei Hinsicht sogar noch unzugänglicher und knackiger als seine Nachfolger.

Als Erstes seiner Art war „Demon’s Souls“ schlicht noch nicht so ausgereift wie seine Nachfolger, das gesamte Genre noch im Werden Begriffen. Die Nachfolger und auch Titel wie „Bloodborne“ und „Sekiro“ sollten allesamt immer weiter an der Erfolgsformel feilen, doch „Demon’s Souls“ ist im Vergleich eine rohe Urgewalt.

Versteht uns aber bloß nicht falsch: Selbst Miyazakis Erstwerk ist bereits ein filigranes Gameplay-Kunstwerk, das nicht umsonst als Wegbereiter diente. Sich seiner immensen Verantwortung bewusst, traf man bei Bluepoint von daher auch die einzig richtige Entscheidung: Das Spiel inhaltlich unangetastet zu lassen, „Demon’s Souls“ dafür aber einen technischen Auftritt zu verpassen, den es verdient hat.

Dazu hat man das Spiel komplett in seine Einzelteile zerlegt, jeden einzelnen Stein mit viel Liebe zum Detail aufpoliert, um dann am Ende alles feinsäuberlich in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen. Das Ergebnis ist eine Wucht! Wer das Original kennt, wird alles genug da wiederfinden, wo er es in Erinnerung hat, nur eben diesmal in knackescharfem 4K und einer effektreichen Detailfülle, die bereits erahnen lässt, worauf wir uns in dieser Konsolengeneration werden freuen dürfen.

Diese ausgerechnet mit einem neuen „Demon’s Souls“ einzuläuten, halten wir indes für eine äußerst mutige Entscheidung, eignet sich dieser Brocken doch nach wie vor nicht unbedingt für die breite Masse. Freilich sind Soulslikes heutzutage populärer als je zuvor, aber wie viele Leute kennt ihr, die ein „Sekiro“, geschweige denn das Original auf der PS3 durchgerockt haben? 

Die aufwendige Neuauflage ist von daher ein echtes Statement, das wir persönlich ausdrücklich begrüßen. Und vielleicht auch eine Art Wiedergutmachung, weil Sony anno 2009 noch nicht an den Erfolg dieser jungen Spielegattung glaubte, und die Veröffentlichung außerhalb Japans anderen überließ.

Und wie gesagt: „Demon‘s Souls“ macht auch 2020 keine Zugeständnisse an den Massenmarkt. Wie damals gestalten sich die Kämpfe eher behäbig, verlangen den gekonnten Einsatz von Deckung und Parade, Weitsicht und viel Durchhaltevermögen. Meist kämpft ihr gegen einzelne oder wenige Gegner. Doch selbst die niedersten davon bestrafen Unaufmerksamkeit gnadenlos mit dem Tod. Und dann wäre da ja noch die illustre Schar an denkwürdigen Zwischen- und Endbossen, die zu besiegen ein Hochgefühl verleiht, wie es nur ein From-Software-Titel vermag.

Souls-tpyisch wird der Tod mit dem Verlust der bis dahin gesammelten Seelen – der Währung für Levelaufstieg und Ausrüstung – bestraft, die am Ort eures Ablebens darauf warten, wieder eingesammelt zu werden. Sterbt ihr auf dem Weg dorthin abermals – sämtliche zuvor besiegte Gegner befinden sich wieder putzmunter an Ort und Stelle – sind sie allerdings futsch.

Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern müsst ihr den nächsten Versuch jedoch in einer geschwächten Geisterform antreten, und kehrt erst dann wieder mit voller Lebensenergie in euren echten Körper zurück, wenn ihr einen Boss legt, einen anderen Spieler besiegt oder einen bestimmten Gegenstand konsumiert.

Außerdem gibt es in „Demon’s Souls“ die sogenannten Estus-Flakons der Nachfolger noch nicht, einen Vorrat an Heiltränken, der sich nach einer Rast am Lagerfeuer wieder auffüllt. Stattdessen kommen hier verschieden starke Heilkräuter zum Einsatz, von denen ihr theoretisch so viel mitschleppen könnt, wie ihr wollt. Solltet ihr euren Vorrat bei einem Boss jedoch verballern und dennoch versagen, werdet ihr vor dem nächsten Versuch erst mühsam neue suchen oder beim Händler Seelen eintauschen müssen.

Hier hat sich Bluepoint zudem eine kleine Änderung erlaubt. Da andere Spieler online in eure Welt eindringen können, um euch zum Kampf herauszufordern, ist das Limit der Heilkräuter nun durch das Gewicht begrenzt. Schleppt ihr zu viel Ausrüstung mit euch herum, werdet ihr nämlich lahm wie eine Schnecke und könnt die wichtige Ausweichrolle nicht mehr ausführen. Und wenn ein Invasor nun mit hunderten an Heilkräutern gegen einen Spieler antreten würde, der aktuell nur über zehn Stück verfügt, wäre das natürlich unfair.

Einen Vorwurf, den sich ein „Demon’s Souls“ natürlich nicht machen lassen will. Selbst wenn Anfänger das Spiel an sich zunächst vermeintlich als ungerecht und überzogen schwer empfinden werden, bleibt objektiv betrachtet doch alles stets machbar, wenn man konzentriert und bedacht Schritt für Schritt voranschreitet, aus Fehlern lernt und sich die Umgebung gut einprägt. Die richtige Wahl des Kampfortes zu treffen kann dabei schon entscheidend sein, lässt sich eine Hellebarde in einem engen Gang doch nicht sonderlich gut schwingen, während man mit einem kleinen Nierendolch von Feinden umzingelt keinen Stich macht … naja, oder zumindest nicht genug.

Orientierung ist in den verschachtelten maroden Burgen, modrigen Sümpfen oder düsteren Höhlen aber vor allem auch deshalb vonnöten, da es radikal wenige Speicherpunkte gibt. Zwar nimmt „Demon’s Souls“ das geniale Leveldesign seiner Nachfolger bereits vorweg, und macht euch das Leben mit manch kluger Abkürzung leichter, so komfortabel wie bei einem „Dark Souls 3“ mit seinen kurzen Wegen vom Lagerfeuer zum Boss geht es hier jedoch nicht zu. Die zu bewältigenden Strecken sind deutlich länger, die Abstände zwischen Feuern größer, der Herausforderungsgrad entsprechend höher.

Lasst ihr euch aber darauf ein, erwartet euch ein ungemein spannendes Abenteuer, dessen schneidend dichte Atmosphäre bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat und ungemein von der neuen Technik profitiert. Nicht nur grafisch, lässt euch der neue Dualsense-Controller doch deutlich spüren, ob eure Waffe auf Metall oder Fleisch trifft. Wer mit der neuen Optik nicht zufrieden ist, darf mit einem Schwung Filter zudem nachhelfen. Wer mehr Details haben möchte, kann vom Leistungs- in den Kino-Modus schalten.

Von Letzterem raten wir jedoch ab, da es hier deutlich ruckelt und der wesentlich flüssigere Leistungsmodus nicht signifikant schlechter aussieht.