Sterbt ihr innerhalb einer Mission, verliert ihr euren gesammelten Vorrat. Ganz „Dark Souls“ verbleibt dieser am Ort des Ablebens und wartet darauf, eingesammelt zu werden. Sterbt ihr innerhalb einer Mission jedoch mehr als zwei Mal, beginnt der Loop von vorne, und alles, was ihr gesammelt habt, ist unwiederbringlich verloren.

Damit das nicht passiert, dünnt ihr das Feindesvolk entweder heimlich still und leise mit Machete oder Nagelpistole aus oder pflügt wie ein ballernder Derwisch durch die Gegnerhorden. Zwar merkt man „Deathloop“ in jeder Pore an, dass es den Spieler zum stillen Vorgehen verleiten will, jedoch bekommt ihr recht früh sehr starke Waffen an die Hand. Oft geht es schlicht wesentlich schneller, die strunzdumme KI einfach niederzumähen, weshalb man nicht zuletzt mit Blick auf die zwangsläufig repetitive Spielnatur recht früh die Deckung fallen lässt.

Das ist mit Blick auf die grandios facettenreiche Levelarchitektur fast schon schade, die euch stets mehrere Wege bietet, um ans Ziel zu kommen, und vor Geheimnissen nur so strotzt. Entdeckernaturen werden nach dem Abspann jedenfalls sehr viel mehr von der Geschichte verstanden haben als tumbe Rambos.

Nehmt euch also unbedingt Zeit, das stilistisch von den 60er Jahren inspirierte Szenario ausgiebig zu erkunden, um „Deathloop“ seine größten Qualitäten abzuringen, zu denen stumpfes Gunplay nicht unbedingt gehört. Viel unterhaltsamer ist es da schon, mit den vielen verschiedenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu experimentieren. 

Optisch übertrumpft das Design die Technik. Zwar sind die Areale mit Liebe zum Detail, ausladend und ausdrucksstark gestaltet worden, von einem Next-Gen-Exclusive sollte man jedoch etwas mehr Pomp erwarten dürfen. Zudem kam es selbst im Leistungsmodus zuweilen zu kleineren Rucklern in der Bildrate. Die (häufigen) Ladebildschirme sind zwar nur wenige Sekunden kurz, jedoch fragt man sich mit Blick auf die PS5-Power, warum es sie überhaupt gibt.

Warum der im Vorfeld groß angekündigte Multiplayer-Modus hier erst am Ende eine Erwähnung findet, liegt schlicht daran, dass dieser nicht viel Fleisch auf den Rippen hat. In der Rolle von Julianna könnt ihr in die Welten anderer Spieler eindringen, um diese zu jagen. Das macht jedoch nur kurzzeitig Laune, und der anfängliche Kick, wenn ihr als Colt von einem anderen Spieler gejagt werdet, ist schnell verflogen.

Insbesondere, wenn es gilt, einen mühselig erarbeiteten Levelfortschritt in trockene Tücher zu bringen, kann eine Invasion immens nerven. Stellt ihr euch offline, müsst ihr lediglich ab und an gegen eine KI-Julianna antreten, welche die Levelausgänge versperrt, bis ihr eine Funkantenne gehackt habt.

Deutlich einfacher als gegen einen Menschen anzutreten, unserer Meinung nach hätte es dieses Features jedoch nicht gebraucht. „Deathloop“ macht immer dann am meisten Spaß, wenn man es in seinem eigenen Tempo nach seinen eigenen Regeln spielt. Aber so oder so hat man ja schließlich alle Zeit der Welt, den Loop zu brechen.

Fazit:

„Deathloop“ ist ein faszinierendes Shooter-Stealth-Puzzle, dessen Zugang man sich erst einmal erarbeiten muss. Hat es dann aber irgendwann Klick gemacht, befeuert es den Forscherdrang wie kaum ein anderer Titel dieser Tage. Das Maß an spielerischer Freiheit ist immens, beschneidet sich durch das viel zu früh übermächtige Gunplay und die dumme KI jedoch selbst. Dennoch bleibt „Deathloop“ nicht zuletzt durch das gelungene Design und die ebenso spannende wie gut erzählte Geschichte ein erfrischend andersartiger Trip, wie man ihn heutzutage nur noch selten geboten bekommt.

„Deathloop“ ist für PS5 (zeitexklusiv ) und PC erhältlich.