Wer hätte es gedacht: Mit einigen Monaten Verspätung schlägt ‘Dead Rising 4’ doch tatsächlich noch ganz offiziell in Deutschland auf. Als erster Teil der Reihe überhaupt. Man könnte nun mutmaßen, was genau dazu geführt hat, dass die USK diesmal eine so liberale Haltung zu der Xbox-exklusiven Schlachtplatte eingenommen hat, oder sich ganz einfach darüber freuen, dass volljährige Spieler nun ganz legal die Sau rauslassen dürfen! Wir haben uns für Letzteres entschieden und ‘Dead Rising 4’ für euch getestet. Denn wie heißt es doch so schön: Lieber spät als nie!

Darum geht's:

In ‘Dead Rising 4’ schlüpfen wir abermals in die Rolle des rasenden Reporters Frank West, mit dem wir uns bereits im Erstling durch Massen von Zombies geschnetzelt haben. Und Massen ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn wie es sich für ein ‘Dead Rising’ gehört, habt ihr es mit abertausenden Untoten zu tun, die alle gerne ein Stück Fleisch aus Frank herausbeißen wollen. Wie gut also, dass ihr so ziemlich alles, was so herumliegt, als Waffe missbrauchen könnt, um euch euer noch nicht verfaulten Haut zu erwehren. Dies ist auch bitter nötig, denn nachdem ihr auf der Suche nach einer brandheißen Story 15 Jahre nach den Geschehnissen von Teil 1 in das weihnachtliche Willamette zurückkehrt, geratet ihr natürlich mitten in einen erneuten Ausbruch des Zombie-Virus. Im Zuge der in sieben Fälle unterteilten Story ist es nun an euch herauszufinden, wer hinter der offensichtlich geplanten Epidemie steckt.

Das ist gut:

‘Dead Rising 4’ macht der berühmt berüchtigten Reihe alle Ehre und serviert euch ein Splatterfest sondergleichen. Das Einzige, was die Anzahl der teils extrem obskuren Waffen übertrifft, ist die Zahl eurer Gegner, an denen ihr eure blutige Experimentierfreude hemmungslos auslassen dürft. Ein Weihnachtsbaum-Stern in den Schädel eines Beißers gerammt, erzeugt zum Beispiel eine schöne rote Fontäne, während man sich mit der Spezialattacke der elektrisch geladenen Axt auf einen Schlag viel Platz verschafft. Baupläne für immer schrägere Massenvernichtungswaffen findet ihr zuhauf, die nötigen Bauteile praktischerweise oft gleich daneben. Einer unserer Favoriten ist der „Suckmaster 3000“, der kleine schwarze Löcher verschießt.

Auch wer die Reihe bisher noch nicht kennt, hat mittlerweile sicherlich bemerkt, dass ‘Dead Rising’ sich selber nicht sonderlich ernst nimmt. Das fängt beim kreativen Arsenal an, setzt sich bei der fast schon an GTA erinnernden Verballhornung realer Geschäfte in der Mall fort und hört bei der Möglichkeit, lustige Selfies mit den Zombies zu knipsen noch lange nicht auf. Alleine die Anzahl unterschiedlich dämlicher Outfits für Frank ist enorm. Fans der Reihe frohlocken außerdem bei dem Wort „Mall“, nachdem der Vorgänger mit einem etwas uninspirierten Setting enttäuschte. Doch der riesige Shopping-Komplex ist diesmal nur ein Teil der großen Gore-Spielplatzes, so dass auch große Fahrzeuge zum Einsatz kommen, die natürlich ebenfalls mit Bauplänen umgebaut werden dürfen.

Wer sich ausreichend ausgetobt hat, kann neben der Hauptstory noch diverse Nebenquests erfüllen, um Erfahrungspunkte zu verdienen und neue Fähigkeiten freizuschalten, oder sich im Multiplayermodus mit bis zu vier Kumpels an festgelegten Aufgaben in der Mall versuchen. Alles ohne das unbeliebte Zeitlimit wohlgemerkt.

Das ist schlecht:

‘Dead Rising 4’ ist ganz bewusst eine Art B-Movie im Spielesektor. Von daher sollte man nicht auf eine ausgefeilte Geschichte und tiefgründige Charaktere hoffen. Und auch in Sachen Grafik fehlte es offenbar an Budget. Denn diese ist abgesehen von der beeindruckenden Masse an Zombies alles andere als ein Hingucker und leidet dazu noch unter teils derbem Clipping. Wen wundert es da noch, dass auch die Spielmechanik recht dumpf daherkommt.

Bei jedem anderen Spiel hätten all diese Mankos dazu geführt, dass wir womöglich von einem Test absehen, einem ‘Dead Rising’ sei all dies jedoch verziehen. Warum? Weil das sinnentleerte Metzeln zum Konzept gehört und in Zusammenhang mit dem humorigen Setting ganz einfach stumpf Spaß macht.

Um den Bogen zur Einleitung zu spannen: Man könnte sich nun mutmaßen, warum das Spiel ob all seiner Macken so viel Laune macht – oder stattdessen den Kopf zumachen und den geistigen Urlaub ganz einfach genießen! Wir haben uns für Letzteres entschieden!

'Dead Rising 4' ist ab sofort für Xbox One und PC erhältlich!

Bei diesem Splatterfest fliegen Körperteile wie Konfetti! Nirgends gibt es so viele Zombies und so viele schräge Waffen wie bei ‘Dead Rising 4’! Obwohl Technik und Story eher auf Sparflamme köcheln, kann man sich der Sogwirkung dieses derben Spielplatzes kaum entziehen, dessen abgefahrenes Waffenarsenal im Rahmen des spaßbetonten Settings über viele Stunden hinweg zum herrlich sinnbefreiten Experimentieren und Erkunden einlädt.