Am Wochenende riefen die Sadisten von From Software zum Stresstest und zig leidgeprüfte Krieger folgten dem Ruf, um ihr Zocker-Ego in Dark Souls 3 endlich mal wieder einer wohlverdienten Schlankheitskur zu unterziehen. An drei aufeinanderfolgenden Tagen hatten ausgesuchte Spieler die Chance, sich für jeweils drei Stunden in der mittelalterlichen Welt auszutoben und dabei die Grenzen der Server auszuloten, bevor es im April 2016 dann so richtig losgeht. So lange werden wir nämlich noch auf das fertige Spiel warten müssen, was umso bitterer ist, jetzt da wir Blut geleckt haben. Aber eines nach dem anderen.

Erste Schritte
Bier, eine Schale mit Erdnüssen, ein Weib, das darauf eingestellt ist, dass gleich sehr viel geflucht wird und los geht es. Nach dem Einloggen auf dem Server wählen wir aus vier vorgefertigten Figuren unseren Favoriten und starten entsprechend mit dem axtbewehrten Nordmann auf einen der vielen Türme einer gigantischen Burg. Deren Ausmaße und der Drache, der da unweit von uns leblos auf den Zinnen kauert, entlocken uns bereits den ersten Seufzer. Vorfreude mischt sich mit der Vorahnung der schweren Aufgabe, die da vor uns liegt.

Im Laufe der Tage sollten wir auch die anderen Charaktere ausprobieren. Mal aus Neugier, mal, weil uns der eine oder andere Absturz zum Neustart zwang. Zum Kader gehören neben besagtem Krieger ein schlagkräftiger Ritter, der flinke Herold des Lichts und der angenehm an Bloodborne angelehnte „Academy Assassin“ mit seinem Speer und der Befähigung zu offensiver Magie. Allen gemein sind ein optionaler Schild und die ebenfalls aus Bloodborne entliehene Ausweichrolle.

Freunde und Feinde
Ein paar Kämpfe später sind wir bereits voll drin, erkunden die Irrwege des großen Areals, entdecken die beliebten Abkürzungen und kommen dank der deutlich dynamischeren Kämpfe gut voran. Bis schließlich die Heiltränke und Feuerbomben ausgehen und uns ein voll gerüsteter Ritter mit einem gigantischen Schwert fällt, als wären wir lediglich ein morscher Ast. Von da an läuft es schlechter. Wir hetzen die Wege entlang und sterben, unkonzentriert, wie wir sind, ein ums andere Mal. Zeit, sich Hilfe zu holen.

Dazu beschwören wir andere Spieler, welche uns dann als weiße Phantome bis zu deren Tod zur Seite stehen, was die Sache je nach Anzahl der Mitstreiter (wir waren mit maximal vier Leuten gleichzeitig unterwegs) entsprechend erleichtert. Umgekehrt zeichnet ihr ein Beschwörungszeichen auf den Boden, welches andere Zocker dann nutzen können, um euch in ihre Welt zu holen. Gleiches gilt für die altbekannten Nachrichten, welche ihr aus vorgefertigten Phrasen und Worten via Internet für andere Spieler an prägnanten Stellen hinterlassen könnt. Auch immer wieder schön sind die zahlreichen Blutflecken auf dem Boden, welche den Ort markieren, an dem jemand anderes starb. Einmal draufklicken und ihr dürft dem letzten Augenblick des Verstorbenen beiwohnen, der sich als rotes Phantom manifestiert. Doch Obacht: Böswillige Spieler, die in eure Welt eindringen um nicht mit, sondern gegen euch zu kämpfen, erscheinen ebenfalls als rot leuchtender Umriss, und verschwinden logischerweise erst, wenn ihr sie besiegt habt.

Bis zum bitteren Ende
In der Praxis nervte dieser Invasionsmodus extrem. Besonders, wenn man mit einer vollen Truppe bereits ein gutes Stück zurückgelegt hat, und dann plötzlich alle einem flüchtenden Phantom hinterherhetzen müssen, um diesem den Garaus zu machen. Auch blöd: wenn man kurz vor dem Endgegner mit einer fiesen Attacke in den Rücken wieder in die eigene Welt geschleudert wird. Was das betrifft, schieden sich sicherlich die Gemüter, wir aber freuen uns darauf – wenn es denn so weit ist – hoffentlich auch ungestört mit unseren Kumpels das düstere Fantasyreich unsicher machen zu können. Verkopft, wie sich das Online-Spiel in From-Software-Titeln nun mal gestaltet, ist jeder Tod nämlich eine zeitraubende Angelegenheit. Das entspricht zwar der grundsätzlichen Mentalität eines Dark Souls, doch das ist auch ohne die Invasion menschlicher Spieler immer noch knackig genug.

Diese Tatsache wird uns bitter vor Augen geführt, als wir es dann endlich mal bis zu dem grandios gestalteten Endgegner „Dancer of the frigid valley“ schaffen … und selbst mit vier Mann sterben. Verdammt! Gleich noch mal das Beschwörungszeichen setzen. Ein bisschen Zeit ist schließlich noch. Mittlerweile ist den meisten Spielern der Weg schließlich bekannt, geht also schnell. Na ja, zumindest, solange kein rotes Phantom nervt.
Am Rande unserer Aufmerksamkeit bemerken wir kurz, dass die Online-Funktionen bereits recht rund laufen, und wir ohne größere Probleme einer Party nach dem anderen beitreten. Allerdings konzentrieren wir uns gleich wieder auf das Spielgeschehen und somit auf das Wesentliche. Denn bis wir den Boss besiegen konnten, mussten wir noch oft, sehr oft ins Gras beißen.

Willkommen bei Dark Souls 3!