Das Actionrollenspiel Dark Souls ist berühmt dafür, eine der schwersten, frustrierendsten, aber auch stimulierendsten und lohnendsten Spielerfahrungen der letzten Jahre zu sein. Genau deswegen hat es weltweit eine große, eingeschworene Fancommunity. Jetzt hat Namco Bandai zur Preview für den zweiten Teil geladen – und eine große Frage steht im Raum: Gelingt der Geniestreich noch ein zweites Mal?

Darum geht’s:

Von der Story ist nichts Konkretes bekannt und auch in unserer Preview-Session war davon nicht viel zu sehen. Müsste ich tippen, würde ich nicht behaupten, dass die Handlung vom zweiten Teil auf der des ersten aufbaut – hatte dieser doch nicht wirklich ein offenes Ende. Vorkenntnisse braucht ihr also keine. Was die Spielmechanik betrifft, so erstellen Spieler sich einen untoten Helden bzw. eine Heldin aus einer von mehreren Klassen und durchstreifen eine ausladende, offene Welt auf der Suche nach Erlösung. Wer bei dem Wort „Erlösung“ jetzt schon mit den Augen rollt und gefühlsduseligen Kram der Marke „Twilight“ erwartet, kann sich entspannen. Die Welt von Dark Souls II ist blutig, finster und ihr kriegt es ausschließlich mit den härtesten Gegnern zu tun, neben denen die Spartaner aus 300, der Typ aus Machete und sogar eure Schwiegereltern aussehen wie die letzten Weichflöten.

Das ist gut:

Dark Souls II wird ein waschechtes Actionrollenspiel! Aus der dritten Person steuert der Spieler seinen Helden durch eine düstere, atmosphärische Welt. Wie aus anderen Games dieser Art bekannt, rüstet ihr euer Alter Ego mit jeder Menge Waffen, Rüstungen und Zaubern aus. Design, Gegner, Musik – alles ist schick und darauf ausgelegt, dass man sich allein, hilflos und angespannt fühlt. Hier wartet der Tod wirklich hinter jeder Ecke! Es gibt im Spiel häufig keine großen Erklärungen für die Vorgänge in der Handlung, sucht man nicht aktiv danach. Das ist einerseits cool: Alles lädt zum Erkunden ein und die Welt ist vollgestopft mit Geheimnissen, Gegenständen, Waffen, usw. Andererseits kann es einen manchmal auch erschlagen und verhindert, dass man sich in der Spielwelt so richtig „zu Hause“ fühlt.

Trotzdem: Alles, was den ersten Teil groß gemacht hat, ist auch hier wieder vertreten – nur noch größer, noch stimmiger und noch eingängiger. Die präzise Steuerung und das Inventar sind komplett aus dem ersten Teil übernommen und das ist auch bitter nötig. Ihr werdet sterben. Oft. Fast jeder normale Gegner ist einen erleichterten Seufzer wert, wenn er auf die Bretter geschickt wird, jeder besiegte Boss dagegen ein Gejubel, als hätte der eigene Lieblingsverein gerade die Champions League gewonnen. Dabei ist das Spiel aber nie unfair. Sobald ihr sterbt, steht ihr als Untoter mit verminderter Gesundheit wieder auf, bis ihr euch mit Hilfe eines Lagerfeuers wieder vollständig lebendig gemacht habt. Der Haken: Mit jedem Tod schrumpfen eure Trefferpunkte weiter, bis etwa auf Hälfte eures normalen Wertes – ruht ihr euch aber am Lagerfeuer aus, kehren auch alle bis dahin besiegten Gegner zurück, von Endgegnern mal abgesehen. Das schwere Spiel wird dadurch erschreckend schnell noch schwerer.

Das ist schlecht:

Von dem, was Namco Bandai auf dem Preview-Event gezeigt hat, ist nichts schlecht im eigentlichen Sinne. Viel mehr ist es eine Frage des eigenen Geschmacks. Wer ein Spiel wie etwa Skyrim sucht, also ein Rollenspiel, in dem man entspannt mal ein paar Monster killen, Ladys retten und das nervige Alltagsleben abends mal für zwei, drei Stunden draußen lassen kann, der wird in Dark Souls II konstant vor eine Wand aus Stress, Anspannung und Frustration laufen. Das Einzige, das einem hier einfach gemacht wird, ist etwas im Spiel zu verbocken. Im Kampf einmal falsch ausgewichen? Tot. Nicht geguckt, wo man hinläuft und einen Abhang runtergefallen?

Tot. Was ist das für ein Klicken, nachdem ich auf die eine Bodenplatte da hinten getreten bin? Tot. Man ist häufig auf sich allein gestellt, andere Charaktere (die nicht mit euren Eingeweiden Sackhüpfen spielen wollen) sind sporadisch gesät – aber dafür sind die Gegner oft sehr abgefahren, detailliert und extrem erinnerungswürdig. Das kann aber alles noch so schön sein, wenn man sich vom Spiel einschüchtern oder allzu sehr frusten lässt, man nicht weiter kommt und es dann entnervt sein lässt. Kurzum: Dark Souls II wird ein Spiel für die ganz harten Hunde unter den Zockern. Ein Titel, wo ihr wirklich mal zeigen könnt, dass ihr Eier aus Stahl habt und vor einer RICHTIGEN Herausforderung nicht den Schwanz einkneift. Es ist ein Game für richtige Männer.

Prepare to die! Das Anspielen hat meine Skepsis fürs Erste in Luft aufgelöst: Wenn das uns präsentierte Niveau durch das Gesamtspiel hindurch gehalten wird, ist Dark Souls II ein absolut würdiger Nachfolger zum berühmten Vorgänger. Es ist sehr selten, dass ich eine versammelte Journalistengruppe, mich eingeschlossen, gleichzeitig so sehr fluchen, stöhnen, aber auch jubeln und sich freuen gehört habe. Wahrscheinlich könnte es sogar eines der relevantesten Rollenspiele der kommenden Jahre werden. Am 14.03.2013 sehen wir mehr, denn dann steht der Release an und das wohl härteste Videospiel aller Zeiten steht in den Regalen.