Das ist gut:

Schon mit dem Tutorial wird klar, dass es sich bei „Saints and Sinners“ um ein äußerst ambitioniertes VR-Projekt handelt. Das fängt mit der komplexen Steuerung an, die quasi jeden Handgriff, der auch in der Realität notwendig wäre, mit den zwei Move-Controllern (Voraussetzung zum Spielen) simuliert, setzt sich mit dem haptisch verblüffend authentischen Nahkampf fort und hört beim absolut lebensnotwendigen Crafting-System noch nicht auf.

Und seid ihr dann das erste Mal in den überschaubaren, aber frei zu erkundenden Gebieten unterwegs, wird auch schnell klar, dass man – ganz die Vorlage – ohne bedachtes Vorgehen nicht allzu weit kommt.

Zwar lässt sich einem einsamen Beißer mit einem Messer noch ganz gut beikommen. Da ihr die Klinge jedoch gezielt in den Schädel rammen, und dann, unter Zuhilfenahme der zweiten Hand, erst mit einem beherzten Ruck wieder herausziehen müsst, kann schon ein zweites Exemplar euer Aus bedeuten.

Erschweren kommt hinzu, dass eure Waffen über eine begrenzte Haltbarkeit verfügen. Ein früh im Spiel gefundener Bogen ist bereits nach wenigen Schüssen im Eimer, weshalb es enorm wichtig ist, die Werkbänke in eurem Lager mittels gefundener Materialien aufzurüsten.

Selbstgebaute Waffen halten nicht nur deutlich länger, ihr schaltet auch immer mächtigere Baupläne frei. Schließlich müsst ihr euch immer größerer Zombiehorden erwehren, und das geht mit einem Katana erfahrungsgemäß besser als mit einem Schraubendreher.

Schusswaffen solltet ihr aufgrund der Lautstärke dagegen nur im Notfall und in erster Linie gegen menschliche Gegner ins Feld führen, die traditionsgemäß nicht weniger gefährlich sind als die Zombies. Zumal jeder Ballermann manuell geladen werden muss und ihr nur begrenzten Platz in eurem Inventar habt.

Auf jeder Seite habt ihr am Hüftgürtel ein Halfter für kleine Waffen, die Munitionstasche befindet sich in der Mitte. Schwere Waffen tragt ihr rechts auf dem Rücken, mit einem Griff über die linke Schulter holt ihr euren Rucksack hervor.

Komplettiert wird euer Survival-Set mit einer Taschenlampe an der linken Brust, sowie eurem Tagebuch nebst praktischer Karte, die obwohl auf Papier wenig realistisch, dafür aber umso praktischer, euren Standort in Echtzeit anzeigt.

Zwar bleibt euch das Tutorial so manche Information schuldig, dennoch gestaltet sich das Spielerlebnis ob der authentischen Einbindung der genannten Funktionen erstaunlich intuitiv.

Eingesammelte Crafting-Materialien stopft mit einer Bewegung über die Schulter hinweg in den Rucksack, kommt ein Zombie auf euch zugewankt, haltet ihr diesen mit der freien Hand auf Abstand, um mit der Waffe in der anderen zuzustecken, und ja: Spätestens mit dem Katana rollen die ersten Köpfe.

Fans der wandelnden Toten bekommen in „Saints and Sinners“ ausreichend Gore-Effekte, nebst passend ekliger Soundkulisse, geliefert. Kampf ist allerdings nicht immer die beste Option. Vor allem, wenn ein Glockenschlag die Nacht ankündigt und die Zombiehorden sich in den Straßen vervielfachen.

Behaltet also die Uhr im Blick und macht euch mit dem Schnellreise-Boot besser rechtzeitig aus dem Staub.

Doch auch am Tag ist beim Durchforsten der Straßen und Häuser stete Vorsicht angesagt, da ihr nur über eine begrenzte Ausdauer verfügt. Seid ihr also gerade noch vor einer Horde im Sprint geflohen, könnte die Kraft zum Erklimmen einer Regenrinne nicht mehr reichen, und ihr stürzt in die Tiefe.

Zwar könnt ihr eure Ausdauer mit gefundenen Lebensmitteln wieder aufpäppeln, diese sind jedoch meist nicht mehr unbedingt verträglich und zehren an der Lebensleiste. Gesunde Nahrung, wie auch sauberes Verbandsmaterial, müssen an einer Werkbank gefertigt werden.

Ein Tod hat den Verlust eurer Ausrüstung zur Folge, die dann am Ort eures Ablebens darauf wartet, wieder aufgenommen zu werden. Allerdings – Soulslike-Spieler wissen, was jetzt kommt – nur solange, bis ihr abermals sterbt. Überlegt euch also stets gut, mit wem ihr euch anlegt.

All diese Zutaten summieren sich zu einem enorm atmosphärischen Spielerlebnis, welches die Nöte, den Schrecken und die Spannung einer Zombieapokalypse in spielerischer Form kaum besser wiedergeben könnte.

Spätestens wenn ihr mit schweißnassen Händen eure letzte Kugel in den Trommelrevolver geladen habt, um einem Beißer gerade noch rechtzeitig eben jene in den Schädel zu jagen, fühlt ihr euch wie Rick Grimes höchstpersönlich.