Das Spiel befindet sich noch gut ein halbes Jahr vor der Zielgeraden und doch ist „Cyberpunk 2077“ schon jetzt ein Hit. Ob es den Erwartungen am Ende wird gerecht werden können, ist eine Frage, die kaum jemand zu stellen wagt. Und auch wir haben uns auf der diesjährigen Gamescom willfährig die rund 45 minütige Gameplay Demo des designierten Rollenspiel-Meilensteines reingezogen. Hier unsere Eindrücke.

Leider durften wir immer noch nicht selber Hand anlegen. Dafür machte uns eine Vorspielerin im bereits aus der letztjährigen Demo bekannten Charaktereditor schick für den nun folgenden Ausflug nach Pacifica, einen der sechs im fertigen Spiel enthaltenen Stadtteile von Night City. Da man bei der aktuellen Präsentation das Hauptaugenmerk aufs Gameplay, und weniger auf die Story gelegt hat, haben es die Entwickler für die Demo möglich gemacht, jederzeit zwischen zwei Klassen zu wechseln, um die verschiedenen Herangehensweise zu demonstrieren. In diesem Falle: Heimlich Hacken oder rabiat Ballern!

Und schon entrollt sich Pacifica vor uns wie ein dystopisches Gemälde. Ein als prunkvolles Vergnügungsviertel geplanter Distrikt, dem die Investoren noch vor der Fertigstellung den Rücken gekehrt haben und der nun den Gangs gehört. Der Detailgrad ist schon jetzt überwältigend, der verlotterte Stadtteil wirkt optisch wie akustisch erstaunlich lebendig und verblüffend glaubwürdig in seiner variantenreichen Architektur. Kein Vergleich zum generischen Städtebau ähnlicher Titel.

Wir sind hier auf der Suche nach einem hochrangigen Mitglied der in Pacifica ansässigen Gang Voodoo-Boys, um endlich herauszufinden, was es mit diesem Chip in unserem Nacken auf sich hat. Dieser enthält angeblich das Geheimnis der Unsterblichkeit und hat darüber hinaus die rätselhafte Nebenwirkung, dass wir nicht nur Stimmen hören, sondern auch den dazugehörigen Sprecher sehen. In diesem Falle ist das der legendäre Samurai Johnny Silverhand, bekanntermaßen verkörpert von niemand Geringerem als Keanu Reeves, dem im Deutschen glücklicherweise die hierzulande bekannte Synchron-Stimme von Benjamin Völz zuteil wurde.

Apropos deutsch: Zwar ist die Demo komplett lokalisiert, doch die Hauptsprache der Voodoo-Boys ist haitianisch. Zum Glück haben wir aber eine Übersetzungssoftware installiert, die nahezu in Echtzeit deutsche Texte einblendet. Für unsere Kontaktperson Placide ist dieses coole Feature allerdings nicht nötig, spricht dieser doch ebenfalls deutsch, wenn auch mit schwerem Akzent durchsetzt. Placide verlangt von uns, ein nahegelegenes Einkaufszentrum von den verfeindeten Animals zu befreien, bevor er uns zur Anführerin vorlässt. Widerwillig stimmen wir zu, als er sich in unser System einklinken will, um bei der Aktion durch unsere Augen und Ohren live dabei sein und uns Anweisungen geben zu können. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Johnny immer wieder als digitaler Geist in unserem Blickfeld auftaucht, um seinen Senf dazuzugeben.

Nachdem wir uns mit unserem Cyber-Bike auf den Weg zum Einsatzort gemacht und dabei ein wenig durch die wählbaren Radiosender gezappt haben, führt man uns in der Mall schließlich bestimmte Situationen mit unterschiedlichen Charakter-Builds vor Augen. Das fängt schon mit der Frage an, ob wir den Vorder- oder Hintereingang wählen. Während wir uns im Laufe der folgenden Sequenz mal mit roher Waffengewalt unseren Weg bahnen und ganze Türen dank unserer künstlich verbesserten Arme aus den Angeln reißen, gehen wir als Netrunner den Weg des Stealth, verstecken heimlich ausgeknockte Wachen und hacken lieber Kameras, Geschütztürme oder sogar einen Sparringsroboter und Getränkeautomaten. Dummerweise hat auch die Gegenseite Hacker in ihren Reihen, sodass wir uns der Gefahr eines Virus aussetzen, wenn wir uns in feindliche Systeme wagen.

Mit einem solchen machen wir während der Mission dann auch Bekanntschaft, bis es uns am Ende gelingt unsere Zielperson zu stellen. Wie wir dabei erfahren, ist mal wieder nichts so, wie es scheint. Wir werden vor die Wahl gestellt Placide zu hintergehen, der sich ansonsten unserer, wie angeblich so vielen anderen Söldnern zuvor auch, kaltschnäuzig entledigen würde. Unsere Vorspielerin entscheidet sich dafür, loyal zu bleiben, und ihr Spielcharakter geht dafür fast drauf. Ohne zu viel verraten zu wollen, ist es am Ende geschafft, wir besteigen eine Wanne voller Eis und erhaschen dabei einen erste kurzen Blick auf den verheißungsvollen Cyberspace, bevor uns die Demo atemlos zurücklässt.

Alles in allem ist das Gesehene wie Wasser auf den Mühlen unserer Vorfreude. Dennoch sitzt auch in unserem Kopf ein kleiner Johnny Silverhand und fragt sich leise murmelnd, wie eng die Bahnen sind, in denen eine derartige Mission verläuft und wie weit es am Ende mit der angepriesenen spielerischen Freiheit her sein wird. Auch Gunplay und Stealth-Mechanik wirkten wenig sensationell und eher routiniert, wenn nicht gar etwas altbacken. Lange haben wir seinen kritischen Äußerungen jedoch nicht lauschen können, denn unsere Ungeduld ist viel zu laut.

„Cyberpunk 2077“ erscheint am 16. April 2020 für PlayStation 4, Xbox One und Microsoft Windows.