Das ist gut/Das ist schlecht:

In „Cyberpunk 2077“ beginnt alles mit der Wahl des sogenannten Lebensweges, den euer Charakter einschlagen soll. Ihr könnt entweder euer Abenteuer in Night City als Nomade bestreiten, der aus den umliegenden Badlands stammt. Oder ihr geht den Weg des Streetkids, aufgewachsen in den Straßen der Megalopolis. Die dritte Alternative stellen die Konzerner da, also jemand aus den mächtigen Gefilden der Megakonzerne.

Egal wie man sich entscheidet, alles nimmt Einfluss auf das Spielgeschehen und die eigene Wirkung auf die unterschiedlichen Gangs von Night City. Außerdem werden je nach Lebensweg ganz andere Dialogoptionen im Spiel verfügbar. Und ganz wichtig, eure Wahl zu Beginn ist nicht umkehrbar! Auf der anderen Seite steigert dies die Wiederspielbarkeit enorm, da man ganz unterschiedliche Geschichten erlebt.

Es folgt im Anschluss die Erstellung eurer Spielfigur in einem umfangreichen, vielfältigen Charakter-Editor, der euch V extrem detailreich individualisieren lässt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten während des Spiels. Dazu zählen nicht nur die vielen Modifikationsmöglichkeiten von Ausrüstung sowie Waffen, sondern auch die Charakterfähigkeiten. Dabei lassen sich nicht nur Basiswerte wie Konstitution, Reflexe, Technische Fähigkeit, Intelligenz und Coolness leveln, sondern es stehen auch umfangreichen Skilltrees zur Verfügung, um sich seinen ganz eigenen Cyberpunk-Helden zu basteln – in jeder fast jeder Beziehung.

Positiv ist zudem das übersichtlich gestaltete Inventar zu erwähnen. V kann immer bis zu drei Waffen gleichzeitig ausrüsten. Und Waffen gibt es allerhand in Night City, insbesondere lassen sie sich von euren getöteten Gegner entwenden, wo oftmals richtige Upgrades warten. So lässt sich häufig einiges an Eurodollars sparen, die man für neue Ausrüstung oder Wummen bei einem der zahlreichen Händler lässt.

Das war jedoch noch nicht alles, denn das Kernthema des Games und vor allem des Cyberpunk-Genres ist der Transhumanismus. Also das physische oder psychische Verbessern des Menschen durch technologische Verfahren. Im Spiel könnt ihr durch Cyberware etliche Gliedmaßenverbesserungen und Implantate finden oder kaufen, um euren Charakter mit all den Körpermodifikationen in eine wahre Kampfmaschine zu verwandeln.

Dazu stehen euch im Spieler 15 Hightech-Doktoren zur Auswahl, die euch mithilfe von Kybernetik beispielsweise durch erhöhte Panzerung, Spionage-Skills, Resistenzen, mehr Schaden oder kritische Trefferchance aufpimpen können. Eurer individuellen Entwicklung sind hierbei ebenfalls fast keine Grenzen gesetzt. Bevor ihr übrigens im Spiel so richtig loslegen könnt, geht es anfangs mit dem stark inszenierten Tutorial los, das euch bereits atmosphärisch topp in die Cyberpunk-Atmosphäre eintauchen lässt.

Nachdem ihr alle Grundlagen des Spiels kennengelernt habt, steht euch der Weg offen in dieser großen Open World. Ihr könnt eurer Erkundungslust freien Lauf lassen, erstreckt sich das Gebiet doch auf sieben Bezirke. Sechs davon befinden sich innerhalb von Night City, während der siebte – The Badlands – das Ödland um die Stadt herum darstellt.

Am PC gestaltet sich die Steuerung positiv flüssig, sie ist intuitiv und geht leicht von der Hand, mit geschmeidigen Bewegungen und einem zackigen Gunplay. Insbesondere im weiteren Verlauf, wenn man seinen eigenen Stil aufgrund der Waffenwahl und den gewählten Kampfeigenschaften gefunden hat, entfaltet sich das Kampfsystem erst so richtig.

Das Spiel lässt einem dabei die Freiheit, als ballernder Rambo durch die Gegend zu marschieren oder doch eher der verstohlene Geselle zu sein, der gerne unentdeckt bleibt oder Gegner leise und lautlos ausschaltet. Dafür gibt massenhaft unterschiedliche Waffen, die für den jeweiligen Spielstil herhalten können – von Katanas über Scharfschützengewehre, von Elektroschockern bis hin zu Schrotflinten, Sturmgewehren und noch einigem mehr habt ihr die freie Wahl.

CD Projekt RED haben damit für reichlich Abwechslung gesorgt, was sich in spannenden Fights und Feuergefechten widerspiegelt. Der Action-Part macht jedenfalls eine Menge Gaudi und ist den Entwicklern überaus gut gelungen. Das Herzstück von Cyberpunk bilden aber dennoch sowohl die dichte Atmosphäre als auch die fantastische Implementierung und Entwicklung der Handlung. Am weitverzweigten, durchweg spannenden Plot merkt man die Liebe zum Detail aber auch die langjährige Entwicklungszeit.

Die verschiedenen Geschichten, all die unterschiedlichen Enden, die Twists, Überraschungen … all das birgt Topniveau und macht das Game in diesem Teilbereich zu einem Meisterwerk. Zudem wird man extrem in diese Welt gezogen und entwickelt eine enge Bindung zu seiner Spielfigur. Man knüpft etliche Freundschaften, macht sich dabei aber auch zahlreiche Feinde. Obendrein wird man den einen oder anderen schmerzhaften Verlust erleiden, was einen nur noch mehr an das Game bindet.