Das ist schlecht:

Leider kann man lediglich zwei der verfügbaren Waffenfunktionen den Schnellwahltasten zuweisen. Für alle weiteren ist ein Umweg über ein Menü erforderlich. Das ist insofern ein wenig schade, als dass wir uns, ob dieses Umstandes, im Wesentlichen mit der immer gleichen Waffen-Kombi durchs Spiel geballert haben. Und auch sonst konnten wir uns des Eindruckes nicht erwehren, dass wir viel mehr Möglichkeiten hatten, als es die Gegner überhaupt erforderlich machten. Zwar verlangten insbesondere einige der optionalen Bosse unserem Können einiges ab, aber wirklich fordernd gestalteten sich die Feuergefechte nicht. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt es nicht.

Dem im Kern recht konventionellen Shooter-Part steht aber ja noch die schräge Inszenierung gegenüber. Doch auch diese trifft garantiert nicht jedermanns Geschmack. Zwar erhalten wir durchaus Antworten, doch so ganz will sich „Control“ nicht in die Karten blicken lassen und gibt sich bis zum Schluss geheimnisvoll. Und auch wenn in Sachen Effekte bisweilen ganz schön der Punk abgeht, und vor allem die Dimensionsspielchen technisch zu gefallen wissen, latscht ihr dann doch immer wieder ein steriles und Bürogebäude auf und ab. Dass die Orientierung aufgrund der immer gleichförmigen Räume und trotz Karte zuweilen schwerfällt, macht es nicht besser. 

Nun dient die biedere 80er-Jahre-Aufmachung freilich als bewusst gewählter Kontrast zum übernatürlichen Part. Dass die Figuren ähnlich kühl rüberkommen, lässt sich jedoch nicht so einfach schönreden. Die Mimik hat man in „Quantum Break“ deutlich besser hinbekommen, ebenso die Animationen, zudem bleiben die Charaktere erzählerisch extrem blass und seltsam teilnahmslos. Das sind wir von Remedy sehr viel besser gewohnt. Auf der schwachbrüstigeren Standard Xbox One müsst ihr zudem bei großen Gefechten in Sachen Bildrate mit arger Schlagseite rechnen, Texturen wirken unscharf und laden zuweilen erst spät nach. Auf der One X läuft das Spiel wesentlich flüssiger und auch die Texturen erstahlen hier in ihrer vollen Auflösungspracht!

Und auch wenn die deutschen Sprecher grundsätzlich solide Arbeit abliefern, wurde der Lippen-Synchronität offensichtlich nicht viel Wert beigemessen. Schaltet lieber auf Englisch mit Untertiteln, das reißt euch weniger aus der ansonsten äußerst gelungenen Atmosphäre heraus.

Effektgeladenes Action-Feuerwerk trifft auf extrem abgefahrenes Setting. Mit dem offenen Leveldesign und der verwirrenden Story im David-Lynch-Stil gehen die Max-Payne-Macher neue Wege, im Kern liefern sie jedoch abermals einen kompetenten Shooter ab, der insbesondere in den Gefechten zeigt, was das finnische Entwicklerstudio technisch draufhat.

„Control“ ist für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.