Mercury Steams Interpretation der traditionsreichen Castlevania-Thematik spaltete 2010 mit Lords of Shadow die Fangemeinde. Während alteingesessenen Spieler die Linearität bemängelten und das sukzessive Erforschen eines riesigen Schlosses vermissten, freuten sich Anhänger von Spielen wie God of War über eine kampflastige Spielmechanik in epischem Gewand. Nun ist der zweite Teil auf dem Markt – und versucht, einen Mittelweg zu finden.

Darum geht's

Genau genommen stellt Lords of Shadow 2 den dritten Teil in der Geschichte um Gabriel Belmont dar. Der 3DS-Ableger Mirror of Fate von 2012 stellt dabei das Versatzstück dar, in welchem ihr Gabriels Sohn Trevor, aka Alucard spielt. Aber bevor wir uns in dem komplizierten erzählerischen Strickwerk verheddern, sei nur kurz gesagt, dass Gabriel, einstmals ein menschlicher Kämpfer der Bruderschaft des Lichtes, am Ende von Lords of Shadow selbst zu einem Untoten wird, und den Namen Dracula annimmt. Das aktuelle Spiel schließt nahtlos an den Abspann des Vorgängers an, in welchem man erfährt, dass Gabriel als Vampir nahezu 1000 Jahre vor sich hinvegetiert hat und sich nun als Schatten seiner selbst in einer modernen Großstadt wiederfindet. Angelockt vom Versprechen seines alten Widersachers, dem Nekromanten Zobek, Gabriel von seiner Unsterblichkeit zu befreien, erhebt sich Dracula ein letztes Mal, um den Kampf gegen Satan höchstpersönlich aufzunehmen.

Das ist gut

Lords of Shadow 2 ist, ähnlich wie der Vorgänger, mit viel Pomp inszeniert. Bereits das Tutorial besticht mit wilder Dynamik und einem turmhohen Gegner. Doch Entwickler Mercury Steam weiß auch die ruhigen Momente zu schätzen, und präsentiert den mächtigen Vampirfürsten kurz darauf, als gebrechlichen Mann, verloren in einer Großstadt. Auch im weiteren Verlauf des Spieles werdet ihr eher selten auf Kanonenfutter treffen und stumpf vor euch hinmetzeln. Im Gegenteil. Das komplexe und strategische Kampfsystem verlangt stets eure Aufmerksamkeit und den gekonnten Einsatz aller euch zur Verfügung stehenden Mittel. Variantenreiche Kombos mit der Peitsche laden zum Beispiel euren Fokusbalken auf, woraufhin Gegner magische Kugeln fallen lassen, welche wiederum euer blaues Schwert oder die Chaos-Krallen aufladen. Ersteres entzieht euren Gegnern Lebensenergie, mit Letzteren durchdringt ihr Panzerungen.
Optisch macht das Spiel besonders in den Sequenzen etwas her, die in Draculas gotischem Schloss spielen. In dem komplexen Bauwerk habt ihr diesmal mehr Freiraum zum Erforschen, und werdet, so ihr denn alles entdecken wollt, mit neu erworbenen Fähigkeiten immer wieder zu bereits besuchten Schauplätzen zurückkehren müssen. Eine Designentscheidung, die vor allem den traditionsbewussten Fans gefallen dürfte. Die grandiose Musikuntermalung ist übrigens eine Klasse für sich!

Das ist schlecht

Zwar kann man auch als Serienneuling mit Lords of Shadow 2 in die Reihe einsteigen, die mitunter verwirrende Geschichte zu verstehen, fällt dann aber nicht leicht. Zwar freuen wir uns natürlich, dass Mercury Steam nicht komplett auf ein modernes Setting gesetzt hat – nicht zuletzt auch, weil diese Passagen grafisch nicht so viel hermachen – aber die Erklärung, warum Dracula sich urplötzlich in einem Schloss wiederfindet, hätte ruhig etwas weniger verkopft ausfallen können. Auch sonst scheinen die Entwickler zu viel zu wollen, und überfordern den Spieler schon früh mit einer Fülle an Möglichkeiten unter dem Deckmantel der Abwechslung. Besonders homogen kommt der Wechsel zwischen den angewandten Spielmechaniken dabei nicht rüber. Viel lieber würde man eine neu erworbene Kombo an Gegnern einüben, anstatt auf einmal gezwungen zu sein, in Gestalt einer Ratte durch Luftschächte zu schleichen. Zudem neigt die Kamera während der Kämpfe dazu, das Geschehen ungünstig einzufangen, so dass es immer wieder vorkommt, dass euch ein Gegner in den Rücken fällt, ohne dass ihr euch auf die Attacke hättet vorbereiten können. Stetes nachjustieren ist folglich Pflicht.

Inszenatorisch gelungener Abschluss der Lords-of-Shadow-Saga, mit forderndem Kampfsystem und grandioser Musikuntermalung, der jedoch die vielen verschiedenen Spielmechaniken ungeschickt verknüpft. Klassische Passagen in Draculas Schloss wechseln sich mit Level in der Neuzeit ab, wobei Erstere deutlich mehr hermachen.