Als „Call of Duty“ vor nunmehr gut 14 Jahren das Schlachtfeld der Ego-Shooter betrat, trug es noch keine Orden am Revers. Doch das Spiel verdiente sich im Zweiten Weltkrieg schnell seine Sporen und legte daraufhin eine kometenhafte Karriere hin. Aus historischen Kriegsschauplätzen wurden irgendwann gegenwärtige, bis man schließlich in fiktiven Science-Fiction-Szenarien sogar ins All aufbrach. Das kam bei der breiten Masse jedoch nicht allzu gut an, so dass man im Kampf gegen den großen Rivalen „Battlefield“ zunehmend an Boden verlor. Mit „Call of Duty: WWII“ besinnen sich die Macher nun wieder auf die Wurzeln der Reihe und tragen den Kampf wortwörtlich zurück in das von Nazis besetzte Europa.

Darum geht’s:

Im regelmäßigen Wechsel ist es nach Treyarch („Black Ops III“) und Infinity Ward nun wieder an Sledgehammer Games, der wohl populärsten Shooter-Reihe unserer Zeit das aktuelle Gesicht zu verleihen. Zwar hat man in Sachen Szenario eine krasse Kehrtwende vollführt, doch auch „WWII“ stützt sich auf die bewährte Dreifaltigkeit aus Bombast-Kampagne, umfangreichem Mehrspieler-Part und Koop-Zombie-Koop-Modus.

Solo erleben wir den größten Konflikt der Menschheitsgeschichte, dem mehr als 65 Millionen Menschen zum Opfer fielen, größtenteils aus der Sicht von Private Ronald Daniels von der ersten US-Infanteriedivision. Als Teil der alliierten Landungstruppen stürmt ihr dabei zunächst Omaha Beach und kämpft euch fortan in elf Missionen Seite an Seite mit euren Kameraden die Westfront entlang, befreit Paris, Aachen und rückt bis über die Ardennen bis zum Rhein vor. Nach rund sieben Stunden ist der Krieg dann aber auch schon wieder vorbei, nur um einem noch viel Größeren zu weichen. Denn Shooter-Freunde wissen: Nach der Kampagne ist vor dem Mehrspieler-Modus!

Das ist gut:

Und der hat es wahrlich in sich. Was das Gameplay betrifft, schaltet man in Ermangelung von Jetpacks und Wall-Runs zwar einen Gang zurück, doch genau das ist es schließlich, was Fans der Reihe nun schon seit Jahren fordern. Auch ohne Sci-Fi-Sperenzchen behauptet sich das Spielgefühl souverän in der Ersten Liga und bleibt trotz der vergleichsweise antiquierten Waffentechnik immer wunderbar dynamisch und flüssig.

In Sachen Umfang fährt Sledgehammer Games nahezu das komplette „Call of Duty“-Arsenal auf. Im Paket sind von Start weg zehn abwechslungsreich gestaltete Multiplayer-Karten, auf denen ihr euch in bekannten Spielmodi-Klassikern wie „Team Deathmatch“, „Capture the Flag“, „Suchen und Zerstören“, „Herrschaft“, „Free-For-All“, „Abschuss bestätigt“ und „Hardpoint“ messt. Auch ein spaßiges Ballspiel ist wieder mit von der Partie, diesmal „Gridiron“ getauft. Es locken unzählige freispielbare Waffengriffe und Tarnungen, Supply-Drops halten Boni bereit, Waffen wollen durch Benutzung aufgelevelt, Scorestreaks und Tokens verdient werden. Daneben schließt ihr euch nun einer von fünf Divisionen an, was euch spezielle Skills und Fähigkeiten gewährt.

Doch die diesjährige Perle im Schmuckkasten der Mehrspieler-Modi haben wir noch gar nicht erwähnt: Den brandneuen „Krieg“-Modus. Dieser ähnelt im Kern den spaßigen Operationen aus „Battlefield 1“ und setzt stark auf Teamwork und Absprache. In den 6-gegen-6-Auseinandersetzungen gilt es, auf den speziell designten Maps in mehreren Phasen wechselnde Ziele zu erfüllen. Gelingt es den Angreifern beispielsweise, trotz zugemauerter Zugänge und heftigem Feuer aus stationären Geschützen, einen Bunker einzunehmen, sind die Verteidiger gezwungen, sich zurückzuziehen, und der Schlachtverlauf verlagert sich unter veränderten Bedingungen auf einen anderen Bereich der Karte.

Die Matches gestalten sich dabei ebenso abwechslungsreich wie spaßig und bevorzugen niemanden. Denn die Statistiken sind im Kriegsmodus bemerkenswerterweise deaktiviert, was Frust vorbeugt und dem Teamgedanken auf äußerst erfrischende Weise dienlich ist. Damit ist „Krieg“ auch ideal für Einsteiger, die sich ansonsten von einer üblen Kill-Death-Ratio ins Bockshorn hätten jagen lassen.

Und dann wäre da natürlich noch der Zombie-Modus, der gerade im Vergleich zum abgedrehten Vergnügungspark des Vorgängers recht düster ausfällt. Spaß macht es freilich trotzdem, sich mit bis zu vier Kumpels durch Nazi-Zombie-Horden zu ballern und hier und da sogar Rätsel zu lösen, um die Karten nach und nach immer weiter zu öffnen.

Der wuchtige Sound ist serientypisch vor allem in Surround über jeden Zweifel erhaben. In Sachen Optik machen speziell die feinen Rednersequenzen der Kampagne trotz des aufdringlichen Unschärfe-Filters viel her. Aber so solide die Technik insgesamt auch ausgefallen ist, bleibt die Grafik einen Wow-Effekt schuldig. Die beiden Konsolenfassungen tun sich in dieser Hinsicht nicht viel, wobei zu erwähnen ist, dass die Xbox-Version bereits für die kommende Xbox One X optimiert ist und 4K-Auflösung sowie HDR-Unterstützung bietet.

Das ist schlecht: 

Zwar wird in der Kampagne auf Hurra-Patriotismus verzichtet und mitunter sogar der Schrecken des Krieges thematisieret, dennoch haben wir es abermals mit einer typischen Kameraden-Kriegs-Geschichte aus dem Hollywood-Baukasten zu tun, die es in den Action-Skripts gerne übertreibt. Zudem wird die Abkehr von regenerativer Lebensenergie hin zu Medi-Packs sicherlich nicht jedem Spieler gefallen. Zwar werden ein paar Akzente gesetzt, die speziell Kritiker der Schlauch-Level mundtot machen sollen, eine im Kern tumbe Schießbude bleibt es aber dennoch.

Daran ändert auch das Squad-System nichts, über welches euch eure Kameraden mit mehr Munition, einem Luftschlag oder gar dem (hinsichtlich des Szenarios unpassenden) Hervorheben der Gegner auf dem Schlachtfeld unter die Arme greifen. Die Abklingzeit für diese Fähigkeiten lassen sich verringern, indem ihr sogenannte „heroische Aktionen“ auf dem Schlachtfeld vollbringt. Da sich dies jedoch darauf beschränkt, pro Level eine festgelegte Anzahl verletzte Soldaten in Deckung zu schleppen oder einem Kameraden zur Hilfe zu eilen, der mit einem Feind ringt, erscheint uns dieses System doch arg aufgesetzt.

Ansonsten hätten wir gerne mehr als nur drei Maps für den Kriegsmodus gehabt, an denen man sich dann doch recht schnell sattgesehen hat. Keine Frage, dass Nachschub kommen wird, doch den werden sich die Macher sicherlich versilbern lassen. 

„Call of Duty: WWII“ ist ab sofort für Xbox One, Playstation 4 und PC erhältlich.

Zurück zu alter Stärke! „WWII“ fährt das volle „Call of Duty“-Arsenal auf, und setzt mit dem gelungenen „Krieg“-Modus sogar noch einen drauf. Online-Soldaten bekommen Spielspaß für Monate, Koop-Fans ihre Zombies und Singleplayer abermals eine wuchtige Kampagne mit Hollywood-Flair geliefert.