Während es auf den tragbaren Konsolen wie dem 3DS und der PSVita vor hochwertigen Rollenspielen nur so wimmelt, müssen stationäre Next-Gen-Zocker die grausame Wartezeit erleiden, bis das verschobene The Witcher 3 im nächsten Jahr endlich erscheint. Damit aber bis dahin niemand verhungern muss, serviert uns der noch relativ unbekannte Entwickler Spiders schon mal seine neueste Kreation: Bound by Flame. Wir verraten euch, ob es sich dabei lediglich um ein kleines Appetithäppchen für zwischendurch handelt, oder ob es, wie es sich für ein ausgewachsenes Rollenspiel gehört, ordentlich satt macht.

Darum geht’s:

Ihr entscheidet euch zunächst, ob ihr in die Haut einer Dame oder eines Herren schlüpft. So oder so, seid ihr Teil der Söldnerarmee „Die freien Klingen“, die in der vom Feind nahezu überrannten Fantasywelt Vertiel den Auftrag hat, eine Gruppe Magier während eines Rituals zu schützen, welches den kriegsentscheidenden Vorteil zugunsten der Menschen bringen soll. Denn diese befinden sich schon seit vielen Jahren im Krieg mit einem Haufen nekromantischer Eisfürsten, welche die Gefallenen einer jeden Schlacht in die eigenen untoten Reihen aufnehmen. Natürlich geht die Sache gehörig schief, mit dem Ergebnis, dass ein Feuerdämon in euch einfährt, der zwar fortan seine magischen Kräfte zur Verfügung stellt, jedoch auch um die Vorherrschaft in eurem Körper buhlt.

Das ist gut:

Spiders bedient sich in vielerlei Hinsicht bei großen Vorbildern wie Fable und The Witcher, was nicht grundsätzlich schlecht ist. Entscheidungen, die sich auf den weiteren Spielverlauf auswirken, sind immer willkommen, ebenso ein knackiges Kampfsystem, welches Gegner nicht zu lästigem Kanonenfutter verkommen lässt. Und so habt ihr im Verlauf die Geschichte immer wieder die Wahl, ob ihr dem Dämon in euch nachgebt, was eure magischen Kräfte steigert und sich auch optisch auf eure Erscheinung auswirkt, oder dem Menschen in euch bevorzugt, was eure Physis stärkt. Egal wie ihr euch entscheidet, steigert ihr zudem nach und nach über verschiedene Talentbäume in den übersichtlichen Menüs eure Fähigkeiten. Kämpft ihr gerne mit schweren Zweihändern, wie Axt oder Schwert, seid ihr zwar langsamer aber auch besser geschützt. Soll es etwa flinker zur Sache gehen, wechselt ihr jederzeit in den Waldläufer-Stil und beharkt den Gegner mit schnellen Dolchstößen und weicht mit einem Sprung nach hinten aus. Zwischendurch dürft ihr noch mit Feuermagie um euch werfen oder eure Armbrust abfeuern. Waffen verbessert ihr ebenfalls ganz komfortabel jederzeit im Menü, indem ihr aus gefundenen Materialien wertigere Knäufe oder Parierstangen bastelt. Ein optionaler Begleiter, dem ihr per Schnellmenü Anweisungen erteilt, komplettiert das Kampfsystem. Soweit, so kompetent, jedoch …

Das ist schlecht:

… scheint auch Demon Souls zu den Vorbildern gehört zu haben, denn ihr werdet recht häufig ins Gras beißen. So durchdacht das Kampfsystem zunächst erscheint, hat es auch seine Tücken. Warum zum Beispiel nur ein Sprung nach hinten, nicht aber eine Seitwärtsrolle implementiert wurde, bleibt fraglich. Immerhin sind die Areale mitunter recht eng gesteckt, so dass nach hinten kein Platz zum Ausweichen bleibt. In so einem Falle gesellt sich ärgerlicherweise dann außerdem noch eine ungünstige Kameraperspektive dazu, so dass uns häufig ein Haufen Blätter den Blick auf das Kampfgeschehen versperrt.
Leider sind diese Blätter nicht mal besonders hübsch, so wie auch der Rest des Spieles nicht unbedingt zu den grafischen Vorzeigetiteln der neuen Generation gehört. Die Kampfanimationen können sich zwar sehen lassen, die Gesichter bleiben jedoch dumpf und ausdruckslos. Zudem macht so ein Sumpf, wie wir ihn zu Beginn recht ausgiebig bereisen, nun mal nicht so viel her, selbst mit besserer Technik.

Viel schwerer für ein Rollenspiel wiegt jedoch die Tatsache, dass die Geschichte nur mäßig erzählt und äußert bemüht daherkommt. Grund dafür sind nicht zuletzt die miesen deutschen Sprecher, allen voran ausgerechnet eure eigene Hauptfigur, die es von allen am schlechtesten macht. Auch das wäre noch irgendwie zu verschmerzen gewesen, wäre euer Protagonist nicht so ein prolliges Arschloch, dessen Entscheidungen und Anwandlungen oft schwer nachzuvollziehen sind. Hier wollte man Vertiel wohl mit einer Schmutzschicht im Witcher-Stil überziehen, was im Vergleich mit den grandiosen Dialogen dieses Vorzeigetitels jedoch eher blamabel anmutet.

Kurzweiliges Action-Rollenspiel, welches trotz guter Ansätze daran scheitert, sich mit Genregrößen wie Fable und The Witcher zu messen. Diverse Designmacken, eine wenig denkwürdige Optik, miese deutsche Sprecher und ein unsympathischer Held reduzieren Bound by Flame zu einem Appetithäppchen, das nur wirklich hungrigen Rollenspielern ernsthaft schmecken dürfte.